SZ + Meißen
Merken

Rathaus ignoriert Tod von Ehrenbürger Peter Schreier

Stadträte und Ex-Bürgermeister Callwitz erinnern an den großen Tenor. Die Portale der Stadt nehmen keine Notiz.

Von Peter Anderson
 3 Min.
Teilen
Folgen
Berichtet über die Verbundenheit von Peter Schreier mit seiner Geburtsstadt Meißen – Meißens früherer Bürgermeister Bernd Callwitz.
Berichtet über die Verbundenheit von Peter Schreier mit seiner Geburtsstadt Meißen – Meißens früherer Bürgermeister Bernd Callwitz. © Claudia Hübschmann

Meißen. Der frühere Meißner Bürgermeister Bernd Callwitz hat aus Anlass des Todes von Star-Tenor Peter Schreier dessen Verbundenheit mit seiner Geburtsstadt hervorgehoben. „Zwei Erinnerungen kamen mir spontan in den Sinn, die zugleich zu den Sternstunden meines Bürgermeisterdaseins gehörten“, so Callwitz in einem Schreiben an die Meißner SZ-Lokalredaktion. 

Eine betreffe die Begegnung mit ihm anlässlich der Verleihung des Ehrenbürgerrechtes der Stadt Meißen 1996. Peter Schreier sei es zwar gewohnt gewesen, als weltbekannter Künstler Auszeichnungen und Ehrungen entgegenzunehmen. Bernd Callwitz hatte eigenem Bekunden nach aber das Gefühl, dass diese Auszeichnung für den Ausnahmemusiker etwas ganz Besonderes darstellte. Im Verlauf der feierlichen Stadtratssitzung in der Albrechtsburg habe man seine bescheidene und sympathische Art spüren können.

Ein anderes Mal, so berichtet Callwitz, sei es ihm gelungen, ihn ins Rathaus zu einem Gespräch einzuladen. Der Zweck des Gespräches betraf den Beitrag der Kultur zum Bekanntwerden der Stadt. Man habe bei dieser Begegnung gespürt, wie sehr dem Sänger seine Geburtsstadt Meißen am Herzen gelegen habe. Das Gespräch endete Callwitz zufolge bei einem Glas Wein in Lehmanns Weinstuben, wo der Künstler Stammgast war.

Für die Stadtratsfraktion der Linkspartei äußerten sich die Stadträte Tilo Hellmann, Ingolf Brumm und Andreas Graff. „Mit großem Bedauern haben wir die Nachricht des Todes von Peter Schreier aufgenommen“, schreiben sie. Er sei nicht nur ein begnadeter Sänger, sondern ein wahres Kind der Stadt Meißen gewesen, der er trotz seiner Weltkarriere immer verbunden blieb. Die Linken erinnern daran, dass Schreier nach der Wende die Initiative „Rettet Meißen jetzt“ mitbegründet habe. Ohne ihn könnte die Stadt „heute wohl nicht diesen Glanz genießen“. Er habe zeitlebens als kritischer Geist gewirkt und sei deshalb zu Recht einer der renommiertesten Ehrenbürger Meißens. Die Stadträte der Linkspartei sprechen seiner Familie ihr Mitgefühl aus und kündigen an, dafür zu sorgen, dass sein Werk in Ehren gehalten wird und Meißen seines Namens in würdiger Art und Weise gedenkt.

Ein weiteres Statement kommt vom SPD-Ortsverein für Meißen und Umgebung. Vorstandsmitglied Matthias Rost äußert zum Tod des weltberühmten Sängers und Dirigenten: „Die Meißner SPD trauert um den Meißner Ehrenbürger Peter Schreier. Weltweit genoss der Ausnahmekünstler Ansehen und Hochachtung. Er wird uns sehr fehlen. Wir hoffen, dass die Stadt Meißen seiner würdig gedenkt.“

Aus dem Rathaus lag der SZ bis zum Sonntagnachmittag kein offizielles Statement zum Tod des großen Sohnes der Stadt vor. Auf der Internetseite stammt der letzte Eintrag vom 23. Dezember. Ähnlich verhält es sich mit dem Facebook-Account der Stadt. Auch hier wird keine Notiz vom Ableben des Ehrenbürgers genommen. Dagegen gibt es am 27. Dezember mit dem Label „entspannt“ sowie Smiley „Anregungen für die Zeit zwischen den Feiertagen und auch Silvester-Veranstaltungen“.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.