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Rathaus will Lärm in der Neustadt eindämmen

Die Stadt möchte die Belastung für Anwohner reduzieren. Dem Ortsbeirat gehen die Vorschläge aber noch nicht weit genug.

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© Norbert Millauer

Von Ulrike Kirsten

Das Szeneviertel ist an vielen Stellen gefährlich laut. In Dresden ist es das Gebiet, das am meisten unter Verkehrslärm leidet. Die Stadt will diesen nun mit verschiedenen Aktionen mindern und Ziele für einen angemessenen Schallschutz festlegen. Seit 2009 arbeitet sie an einem Lärmaktionsplan. 2014 wurde der Entwurf des Masterplanes Lärmminderung für Dresden erstmals öffentlich ausgelegt.

Die Projekte für die Neustadt wurden nun im Ortsbeirat vorgestellt. Besonders betroffen vom Lärm sind Anwohner vielbefahrener Strecken wie der Bautzner und Königsbrücker Straße, der Stauffenbergallee, des Bischofsweges und der Ecke Görlitzer/Rothenburger Straße. Straßen, die täglich von mehr als 3 000 Kraftfahrzeugen genutzt werden, sind in die Analyse einbezogen worden. Der Lärm entspricht dort oft mehr als 65 dB(A), die Maßeinheit für Lautstärke. Auf Dauer ist dieser Wert gesundheitsschädlich, in Wohngebieten sind deshalb eigentlich nur 50 dB(A) erlaubt. Um den Verkehr innerhalb der Äußeren Neustadt flächendeckend zu beruhigen, will die Stadt zwei komplexe Maßnahmen und 24 Einzelvorhaben umsetzen.

Die Stadt will Straßen sanieren und den Durchgangsverkehr verringern

Reduziert werden soll der Verkehr in erster Linie auf dem Bischofsweg und an der Ecke Rothenburger/Görlitzer Straße. Dort sollen die Fußwege im Kreuzungsbereich vergrößert werden. Die Fahrbahn wird dadurch noch schmaler. Die Stadt will die Ecke so für Kraftfahrer unattraktiver machen.

Um den Lärm auf dem Bischofsweg zu mindern, wird er zwischen Schönbrunn-/Förstereistraße asphaltiert. Bisher rollen die Autos hier noch teilweise über holpriges Pflaster. Zwischen Königsbrücker-/Alaunstraße soll die Geschwindigkeit auf dem Bischofsweg dauerhaft auf Tempo 30 beschränkt werden.

Zudem sollen im gesamten Viertel marode Straßen saniert werden. Die bisher noch teilweise gepflasterte Tannenstraße wird zwischen Königsbrücker und Hans-Oster-Straße ausgebaut. Car-Sharing-Angebote will die Stadt verbessern und Elektromobilität fördern. Straßenbahnhaltestellen wie die an der Rothenburger Straße sollen barrierefrei ausgebaut werden. Die Ecke zur Bautzner Straße möchte die Stadt so umgestalten, dass Kraftfahrer deutlich erkennen, dass sie von einer Hauptstraße in ein Wohngebiet kommen. Parallel zur Eschenstraße ist eine Schallschutzwand geplant, am Industriegelände will die Stadt einen P+R-Platz einrichten. Außerdem wird die Parkraumbewirtschaftung ausgeweitet. Parkmöglichkeiten sollen stattdessen am Rande der Äußeren Neustadt entstehen.

Der Ortsbeirat möchte schnelle Umsetzung und Tempo 20/30-Zonen

Die Neustädter Ortsbeiräte konnten vielen Punkten des Lärmaktionsplanes zwar zustimmen. Sie kritisierten aber den zeitlichen Rahmen für die Umsetzung der einzelnen Projekte. Die Stadt plant, die meisten Vorhaben erst in den kommenden Jahren zu verwirklichen. Das reicht dem Ortsbeirat aber nicht. Er will, dass die Projekte schnellstmöglich realisiert werden.

Zu den weiteren Forderungen des Gremiums gehören: flächendeckend Tempo-20-Straßen und verkehrsberuhigte Bereiche, auf Bautzner und Königsbrücker Straße soll Tempo 30 gelten. Zudem regten die Ortsbeiräte an, das Preußische Viertel in den Lärmaktionsplan aufzunehmen. Seit Eröffnung der Waldschlößchenbrücke hat der Verkehr in dem Wohngebiet drastisch zugenommen.

So geht es weiter mit dem Entwurf zum Lärmaktionsplan für die Neustadt

Nachdem sich der Ortsbeirat mehrheitlich für den Entwurf, aber auch die Ergänzungen ausgesprochen hat, wird er nun in weiteren Fachausschüssen diskutiert. Mitte des Jahres wird der Plan erneut öffentlich ausgelegt. Dann können die Neustädter nochmals Hinweise geben, wo im Viertel noch Lärmschutz fehlt.