merken
PLUS Pirna

Top-Wirte ziehen in die Oberlausitz

Im Januar gingen sie plötzlich von Dohna bei Dresden weg. Jetzt sind Lindners in der Oberlausitz und am Ort ihrer Träume angekommen.

Endlich was Eigenes: Die Wirtsleute Jana und Daniel Lindner haben die Grenzschänke in Friedersdorf gekauft.
Endlich was Eigenes: Die Wirtsleute Jana und Daniel Lindner haben die Grenzschänke in Friedersdorf gekauft. © Matthias Weber/photoweber.de

Sie wollten immer was Eigenes. Der Dohnaer Ratskeller war es. Ein bisschen. Doch da waren sie nur die Pächter. Jetzt sind Jana und Daniel Lindner Eigentümer. Und zwar der Grenzschänke in Friedersdorf, einem Ortsteil von Neusalza-Spremberg. So weit weg von Dohna und Dresden war zwar nicht der Plan, aber in Dresden ein passendes Objekt zu finden, erwies sich als schwer. Dann entdeckte eine Freundin die Grenzschänke und so fand das Lokal die Lindners und nicht umgekehrt.

Inzwischen sind sie schon oben im Gasthaus eingezogen. Unten wird geräumt, gebaut, gestaltet. Freunde und Familie helfen. An Wochenenden sind bis zu 15 Leute da. Mitte September soll eröffnet werden. Bereits jetzt gibt es bei Lindners ein Bier für die Leute aus dem Dorf. "Wir sind so sensationell aufgenommen worden", sagen die Lindners. Beim Baustellenschnuppertag war das Bier früher alle als gedacht. Da kamen neben den Neugierigen aus dem Dorf auch viele von denen, die Lindners aus Dresden und Dohna kennen.

Anzeige
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Schönheit und Einzigartigkeit Sachsens neu zu entdecken.

Qualität und freundlich-familiär

Erst ging alles schnell. Der Weggang aus Dohna wegen personeller Probleme, das Ankommen in Neusalza-Spremberg. Doch dann stoppte Corona die Lindners, nun hat die alte Küche sie zurückgeworfen. Alles musste raus. Jetzt ist sie ein leerer Raum, der damit auch eine Chance bietet: Eine moderne Küche in dem Haus von 1798 zu werden. Das ist kein Widerspruch für Lindners. Im Gegenteil. Sie wollen hier das bieten, was die Gäste vom Dohnaer Ratskeller schätzen, die Qualität und das Freundlich-Familiäre. Jana Lindner unterhält die Gäste, Daniel Lindner kocht und setzt sich dann auch gern mal zu ihnen. 

Die werden ihm auch in der Grenzschänke beim Kochen zusehen können. Das Fenster ist zwar etwas kleiner als im Dohnaer Ratskeller, aber entscheidend ist, dass es da ist. Wenn die Gäste dann auf dem Weg zur Toilette bei ihm vorbeikommen und ihm in die Pfanne gucken, wie weit das Schnitzel ist, ist es genau das, was Daniel Lindner will. 

Das Lindnersche Motto

Rechts hinter dem Eingang der Grenzschänke befindet sich der kleine Raum mit dem Kreuzgewölbe für etwa zehn Personen. Links die Gaststube. Der Stolz des Wirtes: Der polierte kupferne Zapfhahn. Jana Lindner und ihre Helferinnen haben hier jedes Bild, jeden Krug, in die Hand genommen, entstaubt und die Hälfte weggeschmissen. An einer Tafel an der Wand steht "Herzlich und frisch". Es ist kurz und knapp das Lindnersche Motto. Der Saal ist derzeit ein kleiner  Flohmarkt. Alles, was zu schade zum Wegwerfen war, liegt da und kann mitgenommen werden. Bücher,  Geschirr und auch ein paar Gläser Eingewecktes. "Ohne Garantie", sagt Daniel Lindner und ahnt wohl, dass es irgendwann im Müll landen wird. 

Das Lindnersche Motto auf der Tafel im Gastraum: Herzlich und frisch.
Das Lindnersche Motto auf der Tafel im Gastraum: Herzlich und frisch. © Matthias Weber/photoweber.de

Der Anbau an die Schänke stammt von 1920 und scheint nicht so richtig zum alten  Gebäude zu passen. Mancher, der zuerst den Anbau sieht, meint, nicht richtig zu sein. Die Lindners wollen ihn irgendwann noch verkleiden. Sie haben auch noch andere Pläne. Doch erst einmal soll die Schänke eröffnet werden. Die Grenzschänke wird die Handschrift der Lindners tragen, ihr Gesicht verändern und es doch behalten. Für die Lindners soll es perfekt sein, ohne dass es auf den ersten Blick so aussieht. "Stück für Stück zum Glück" ist ein weiterer Spruch, der als Motto im Haus hängt. 

"Wir sind anders"

Dort wo Lindners drin sind, steht es jetzt auch draußen dran. Noch recht klein über dem Eingang, aber immerhin. Der Name ist ihnen wichtig. Auch schon in Dohna. Sie wollten nicht einfach einer von vielen Ratskellern sein, sondern eben "Lindners Ratskeller". Doch das ging an dem denkmalgeschützten Gebäude nicht so einfach. Es ist keine Eitelkeit, es ist das Familiäre, das die Lindners bei aller Professionalität in Küche und Service leben. Sie mit den Vorgängern in der  Grenzschänke zu vergleichen bringt so wenig wie der Vergleich mit ihren Nachfolgern in Dohna. Es geht nicht um besser oder schlechter. "Wir sind anders, wir sind Lindners", sagen Jana und Daniel. 

Das "Lindner" ist frisch aufgemalt und recht klein, doch für Lindners ist das Größte, dass ihr Name jetzt an ihrer Gaststätte steht. Und Hündin Fiene ist natürlich auch mit umgezogen.
Das "Lindner" ist frisch aufgemalt und recht klein, doch für Lindners ist das Größte, dass ihr Name jetzt an ihrer Gaststätte steht. Und Hündin Fiene ist natürlich auch mit umgezogen. © Matthias Weber/photoweber.de

Weiterführende Artikel

Heiße Tipps für gutes Essen

Heiße Tipps für gutes Essen

Die SZ hat Spitzenköche besucht. Ihre Geschichten und Rezepte gibt’s ab sofort als Buch.

Am Fenster

Am Fenster

Herzlich und frisch: Jana und Daniel Lindner machen den Dohnaer Ratskeller populär. Wer will, kann vom Tisch aus in die Kochtöpfe gucken.

Die schnelle Rolle

Die schnelle Rolle

Mit einem Stück Kalbsrücken wird das Rouladenmachen zur Minutensache.

Vorm Haus der gemütliche Biergarten und die Holzbank rund um die Eiche, auf der anderen Straßenseite der kleine ehemalige Hafen mit den Bänken und Tischen. Hier in der Oberlausitz bekommt Jana Lindner nun auch ihren Blumen- und Kräutergarten. Die Spree vor dem Haus, eine Ente mit sieben Jungen drin, eine Ziege, die mit einem Pferd im Schlepptau vorbeiläuft und immer wieder winkende Leute. Dann füttert Daniel Lindner auch noch die Enten. Ein bisschen beinah kitschig wirkende Idylle. "Es ist einfach schön", sagt der Wirt und es klingt, als ob er sich entschuldigen will... Wofür?

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen. 

Mehr zum Thema Pirna