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Ein Biergarten gegen die Corona-Krise

Der neue Außenbereich des Ratskellers macht die Gastronomie auf dem Löbauer Altmarkt wieder sichtbar. Dahinter steckt eine Geschichte beispielloser Solidarität.

Die Brüder Argon und Bujar (l.) Nuijovski mit Hans-Jürgen Bode vor ihrem neuen Biergarten am Löbauer Rathaus.
Die Brüder Argon und Bujar (l.) Nuijovski mit Hans-Jürgen Bode vor ihrem neuen Biergarten am Löbauer Rathaus. © Matthias Weber/photoweber.de

Der Altmarkt ist Löbaus gute Stube. Und bei sonnigem Wetter lädt sie jetzt auch wieder zur Einkehr ein - in den neuen Biergarten des Ratskellers. Die schmucke Außengastronomie kann für die neuen Wirte jetzt im Sommer die Rettung aus dem Corona-Tief sein. Dass es soweit kam, verdanken sie einem Löbauer Unternehmer.

Um Solidarität zu üben, ist ein kleines Stückchen Eigennutz-Denken mitunter ein guter Antrieb. So war es auch bei Hans-Jürgen Bode (72). Der alteingesessene Löbauer Unternehmer betreibt seit 1990 an der Weißenberger Straße den "Stahl- und Anlagenbau Löbau", ehemals "Stahl- und Blitzschutzbau". Das Unternehmen mit 30 Mitarbeitern hat sich spezialisiert auf den Bau von Auto-Parksystemen und Anlagen der Entsorgungstechnik.

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Und Hans-Jürgen Bode hat seit mehreren Monaten ein neues Lieblingslokal in Löbau - das "Sole Mio" im Ratskeller. Seit November 2019 servieren die Brüder Argon und Bujar Nuijovski dort italienische Küche. Und seitdem kehrt auch Bode mit seiner Frau und auch Freunden gerne dort ein. "Ich schätze, was die beiden hier machen, ich bin gerne zu Gast", sagt er.

Gute Idee - fehlendes Kapital

Doch unversehens sah Hans-Jürgen Bode seinen Lieblings-Italiener existenziell bedroht. "Mir war klar, mit Corona wird's denen schlecht gehen", sagt Bode. Und natürlich, wie alle anderen Gastronomie-Betriebe musste auch das "Sole Mio" in der Krise über mehrere Wochen schließen. Die behördlich angeordneten Schließungen sind mittlerweile aufgehoben. Aber freilich ist es nicht mehr so wie vorher. So scheuen viele Menschen etwa noch den Besuch von Innengastronomie. "Drinnen läuft's nur schleppend an", sagt Wirt Bujar Nuijovski. Dabei unterstützt auch der Vermieter des Ratskellers, die städtische Wohnungsverwaltung und Bau GmbH (Wobau) die Wirte nach Kräften. Jüngst ließ sie etwa für einen barrierefreien Zugang einen Lift an der Außentreppe installieren.

Wirt Bujar Nuijovski hatte die richtige Idee: Außengastronomie. Auch vorherige Betreiber hatten bereits Tische, Stühle und Sonnenschirme ans Rathaus gestellt. Aber Nuijovski suchte nach einer optisch gefälligeren Lösung. "Ich habe zuerst überlegt, das auf einem großen Teppich aufzustellen", sagt er. Dafür jedoch sei das Pflaster dort zu uneben und auch leicht abschüssig. "Das würde höchstens auf der Mitte des Altmarkts funktionieren", sagt er - dort aber verbietet sich eine Außengastronomie.

Eine eigennützige Wohltat

Gebraucht hätte es also eine solide Konstruktion. "Aber dafür fehlte mir jetzt mitten in der Krise das Kapital", sagt Bujar Nuijovski. Den Rettungsanker warf ihm schließlich sein Stammgast zu - Hans-Jürgen Bode. "Ich habe ihm gesagt: ,Ich baue Dir einen schönen Biergarten hier hin'", erzählt er. Und das eben durchaus auch aus eigenem Interesse. "Wir wollen schließlich, dass die beiden Wirte hier bleiben", sagt Bode.

Viele Dinge, die für den Aufbau eines solchen Biergartens nötig sind, hat  Hans-Jürgen Bode in seinem eigenen Unternehmen. "Wir haben im Betrieb einen Stahl-Holz-Skelettunterbau gefertigt, um die Unebenheiten des Pflasters auszugleichen", sagt er. Als Boden wurden hölzerne Kassetten-Elemente verlegt und drumherum ein hölzerner Zaun an der Konstruktion angebracht. "Wir haben am 14. Mai mit dem Aufbau angefangen, das hat ungefähr eine Woche gedauert", sagt Bode.

Und was die Kosten von rund 4.800 Euro betrifft: "Ich bin da erst mal in Vorleistung gegangen und finanziere das", sagt  Hans-Jürgen Bode. Wenn's dann irgendwann mal gut läuft, könnten die Wirte ja Miete für das Equipment zahlen. Erst mal aber sei das eine reine Solidaritätsmaßnahme. "Wir Menschen brauchen einander - und zwar nicht dazu, uns gegenseitig niederzumachen", sagt Bode.

Biergarten wird gut angenommen

Wirt  Bujar Nuijovski ist jedenfalls nicht nur mit dem Ergebnis hochzufrieden, sondern auch mit dessen Wirkung. "Manchmal wollen hier schon mehr Gäste sitzen, als Platz ist", sagt er. Denn die Menschen nehmen den Biergarten rege an - besonders an Markttagen und eben auch an sonnigen Abenden. "Die Löbauer bringen gerne ihre Gäste mit hierher", sagt Nuijovski. Am liebsten würde er seine Außengastronomie jetzt schon vergrößern.

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Und weitere Expansionspläne haben die Wirtsbrüder auch noch. Außer dem Restaurant haben sie auch einen der kleinen Läden im Rathaus gemietet, deren Läden zum Altmarkt hin öffnen. "Da würde ich gerne Eis verkaufen",  sagt Bujar Nuijovski. Der Laden ist auch schon beinahe komplett dafür eingerichtet. Das Problem ist ein anderes. "Dafür brauche ich zusätzliches Personal, und das ist schwer zu finden", sagt er.

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