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Warum der Ratskeller nicht öffnet

Unkraut gedeiht vor der Rothenburger Gaststätte. Die bleibt weiter zu. Das tut Einheimischen weh, aber auch Radtouristen vom Neißeradweg.

Unkraut wächst auf der Fläche vor dem Ratskeller in Rothenburg. Hier soll einmal eine Terrasse entstehen.
Unkraut wächst auf der Fläche vor dem Ratskeller in Rothenburg. Hier soll einmal eine Terrasse entstehen. © André Schulze

Seit dem Jahreswechsel gibt es keine Gäste mehr im Rothenburger Ratskeller. Claudia Hieke, die bisherige Pächterin, hatte sich wie angekündigt zurückgezogen, die Stadt das Objekt öffentlich ausgeschrieben. Mit dem Ziel, die traditionsreiche Gaststätte im Rathausgebäude baldmöglich wieder zu eröffnen. Doch geschehen ist das bisher nicht.

Steffen Schlafke kann seinen Unmut nur schwer verbergen. Eigentlich will er das auch gar nicht. Denn was derzeit mit dem Ratskeller passiert - oder eben nicht passiert - ist gelinde gesagt "nur schwer zu verstehen". "Das Objekt hätte schon längst wieder öffnen sollen. Für uns Rothenburger, vor allem aber die Radtouristen, ist das ein unhaltbarer Zustand", schimpft der CDU-Stadtrat. Denn wo sonst die Radler auf ihrer Tour entlang des Neißeradweges einen Zwischenstopp einlegten und sich bewirten ließen, freut sich aktuell nur das Unkraut, dass es so gute Bedingungen zum Wachsen hat. Zwischen weggeworfenen Kippen und ausrangierten Plastedeckeln schlängelt sich das Grün empor. Noch im vergangenen Jahr waren hier Sitzgelegenheiten und Tische auf dem Areal verteilt, Sonnenschirme spendeten den Gästen Schatten.

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Stadtrat sauer über fehlenden Eröffnungstermin

Schlafke moniert, dass nicht mal ein Zettel in den Fenstern der Gaststätte darüber Auskunft gibt, wie und vor allem wann es mit dem renommierten Haus weitergeht. Denn dass es hier künftig eine Bewirtung geben wird, ist eigentlich klar. Adil Özkul hatte nach der Ausschreibung im vergangenen Jahr als einziger Bewerber mit verwertbarem Konzept den Zuschlag der Stadt für den Ratskeller bekommen. "Seine Bedingung war genügend Zeit, um sich einzurichten. Als Eröffnungstermin war der April angedacht", erinnert sich Bürgermeisterin Heike Böhm, die den Unternehmer als überlegten, seriösen Verhandlungspartner kennengelernt hat. Özkul hat einschlägige Erfahrungen in der Gastronomie. In Markersdorf wurde er mit seinem Döner-Imbiss bekannt, in Zittau führt er ein Restaurant. Außerdem gehört ihm ein Autoservice an der B6.

In den vergangenen Monaten gingen denn auch Handwerker im Ratskeller ein und aus. Beobachter hofften auf ein schnelles Ende der Bauarbeiten. Doch daraus wird vorerst nichts. "Für uns war klar, dass wir bei einem Mieterwechsel aktiv werden müssen", sagt Heike Böhm. Viele Leitungen seien aufgrund ihres Alters marode gewesen. Bei der Heizung habe man das System sogar komplett wechseln müssen. Den Grund dafür beschreibt der städtische Gebäudemanager Tobias Ganer so: "Bis jetzt wird das Rathaus mit Öl beheizt. Wir ändern das perspektivisch auf Gas. Deshalb wurde bei dieser Gelegenheit im Ratskeller schon mal ein Gasanschluss gelegt."

Denkmalschutz muss über Terrasse entscheiden

Dies ist aber nicht der einzige Grund für die Verzögerung - und wohl auch nicht der wichtigste. Während laut Bürgermeisterin das Innere der Gaststätte inzwischen fertig ist, stockt es nun wegen des Außenbereichs. Von Beginn an hatte der neue Pächter dort Veränderungen angedacht. Eine leicht erhöhte Terrasse sollte eine ebene Fläche schaffen. Die war in Form eines um 30 Zentimeter erhöhten Holzpodestes vorgesehen. Inzwischen hat das Material gewechselt: Statt Holz soll Naturstein verwendet werden - ein Baustoff, der deutlich haltbarer ist und geringeren Pflegeaufwand verspricht. Allerdings soll das Material so verarbeitet werden, dass es bei Bedarf rückbaufähig ist.

Weil damit aber die Ursprungsidee und damit auch das Stadtbild im Zentrum von Rothenburg erheblich verändert wird, muss der Denkmalschutz seine Zustimmung dafür geben. Was bisher noch nicht geschehen ist. Das wiederum ärgert Adil Özkul sehr. "Man hat mir gesagt, die zuständige Person befindet sich im Urlaub. Ich hoffe nur, dass sie danach wieder gesund zur Arbeit kommt, damit sich die Genehmigung nicht noch weiter verzögert."

Ratskeller bald mit italienischen Spezialitäten

Eine vorfristige Öffnung nur im Innenbereich kommt für den Gastronomen nicht infrage. "Wollen Sie auf einer Baustelle bedient werden?", fragt er und schiebt die Antwort gleich hinterher: "Das geht doch nicht." Er werde den Ratskeller erst dann in Betrieb nehmen, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind. Dass er sich dafür finanziell weit aus dem Fenster lehnt, ist ihm bewusst. "Die ganze Sache kostet mich rund 200.000 Euro. Aber ich möchte nichts Halbes machen. Denn hier soll ja ein italienisches Restaurant entstehen." Mit Spezialitäten aus Fleisch und Fisch, köstliches Eis natürlich inklusive. Das Personal dafür hat er schon ausgewählt: Sieben bis acht Mitarbeiter will Özkul in Rothenburg beschäftigen. Wann sie aktiv werden können, ist noch nicht sicher. Er hoffe, sagt der Geschäftsmann, dass dies noch im August möglich sei.

Unterdessen tritt Bürgermeisterin Böhm Befürchtungen der Stadträte entgegen, die Kommune habe bei dem Deal finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. "Herr Özkul hat das Objekt im Januar übernommen und seitdem monatlich seine Miete gezahlt."

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