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Raub am Kubschützer Bahnhof jetzt vor Gericht

Ein 26-Jähriger Pole soll mit einem Komplizen einen Anwohner getreten und beklaut haben – mit gravierenden Folgen.

Von Stefan Schramm

Den Ausklang des Abends des 16. März 2013 hatte sich ein 44-jähriger Kubschützer sicher anders vorgestellt. Eben noch hatte der handwerklich versierte Mann bei einem Kumpel etwas gedrechselt, dann machte er sich gegen 20.45 Uhr auf ins wenige Hundert Meter entfernte Zuhause. Auf dem Weg dorthin querte er die Gleise am Bahnhof seines Heimatortes, um den Umweg durch die Unterführung abzukürzen. Das hätte er besser nicht tun sollen. Denn so wurden zwei junge Männer auf ihn aufmerksam, die unbedingt Geld brauchten.

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Was genau dann passierte, versucht seit gestern die Große Strafkammer der Bautzener Außenkammern des Landgerichts Görlitz unter Vorsitz von Gerichtsvizepräsidentin Carmen Becker zu klären. Dort muss sich einer der mutmaßlichen Täter wegen besonders schweren Raubes verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt dem 26-jährigen Polen zur Last, an jenem Abend an einem Überfall auf den heute 44-Jährigen beteiligt gewesen zu sein. Der Angeklagte entschuldigte sich bei dem Opfer und räumte die Tat weitgehend ein – nur über seine Beteiligung und den Hergang wichen die Schilderungen etwas voneinander ab.

Nach Aussage des Kubschützers habe ihn der Angeklagte auf dem Bahnsteig angesprochen und sofort zugeschlagen. Direkt danach habe er vom zweiten Beteiligten einen Schlag auf Nacken und Hinterkopf kassiert und sei zu Boden gegangen. Danach hätten beide Männer mehrfach auf ihn eingetreten, bis er bewusstlos wurde. Benommen habe er noch mitbekommen, dass ihm das Portemonnaie aus der Jackentasche gezogen wurde. Dann habe er bei –14 °C im Schnee gelegen. Nachdem er zwei Stunden später wieder zu sich gekommen sei, wankte er verletzt nach Hause.

Erst am nächsten Morgen berichtete er seiner damaligen Freundin von dem Vorfall, die Notarzt und Polizei rief. Im Krankenhaus wurden ein Schädel-Hirn-Trauma, ein gebrochener Unterkiefer und ein ausgerenkter Ellenbogen festgestellt. An den Spätfolgen – Taubheitsgefühle an drei Fingern und im Kiefer – wird der Mann lebenslang leiden. Er war sechs Monate arbeitsunfähig. Die Armbanduhr sowie 120 Euro aus der Geldbörse, die ein Anwohner wenige Tage später fand, blieben verschwunden.

Der mutmaßliche Täter, der in Polen bereits wegen eines ähnlichen Delikts vorbestraft ist, sagte indessen aus, er habe das Opfer nur vor dem Komplizen schützen wollen und es deshalb zu Boden gestoßen. Beide seien auf der Reise von Oberbayern, wo der 26-Jährige einen Wohnsitz hat, in ihre Heimatstadt Zgorzelec gewesen. Da sie keine gültigen Fahrscheine hatten, hätten sie immer wieder aus dem Zug aussteigen und auf den nächsten warten müssen – so auch in Kubschütz, was gestern ein Zugbegleiter als Zeuge bestätigte. Zudem hätten sie mehrere Flaschen Bier und Wodka getrunken, die sie zuvor gestohlen hatten.

Das Urteil soll am kommenden Mittwoch fallen. Die genaue Identität des Komplizen, dessen Namen der 26-Jährige erst einen Tag vor der Verhandlung preisgegeben hatte, wird derzeit ermittelt.