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Rauchbier gegen Kippenverbot

Am 1. Februar tritt das Nichtrauchergesetz in Kraft. Dresdner Kneiper versuchen alles, um ihre nikotinabhängigen Gäste bei Laune zu halten.

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Von Robert Reuther

Es ist dunkel, schmeckt nach Schinken und heißt „Rauchende Hufeisennase“. Und es ist Christian Schwingenheuers Antwort auf das Sächsische Nichtrauchergesetz, das am 1. Februar in Kraft tritt. Der Betreiber der Neustädter Kneipe Bautzner Tor braute für seine Gäste extra ein Rauchbier. Der Hauch von Ironie, der in dem Namen des Bieres liegt, zeigt, wo seine Sympathien liegen. Und was er vom Rauchverbot hält. „Es ist der größte Schwachsinn, den sich die Politiker seit Langem ausgedacht haben“, sagt Schwingenheuer.

Umsatzeinbußen befürchtet

Im Bautzner Tor rauchen alle. Das Personal, die Gäste, der Chef. Der beklagt sich darüber, dass es keinerlei Angaben seitens der Landesregierung gebe, wie denn genau das Nichtrauchergesetz umgesetzt werden muss. „Außerdem existiert keine Rechtssicherheit. Wenn ich ein extra Raucherzimmer baue und es sich in einem halben Jahr jemand überlegt, dass in Gaststätten gar nicht mehr geraucht werden darf, dann habe ich sinnlos Geld investiert“, sagt Christian Schwingenheuer. Deshalb wird er nichts umbauen. Zwei große Räume werden Nichtraucherräume, in zwei kleineren dürfen die Gäste weiter qualmen. Wolle Förster hingegen setzt auf Umbauten. Im Restaurant Sushi & Wein wird derzeit gehämmert und gesägt, gestrichen und geschliffen. Zwei Separees sollen entstehen. „In dem einen kann gleichzeitig geraucht und gegessen werden. In das andere gehen die restlichen Besucher nur, um ihre Zigarette zu genießen.“ Begeistert ist er von dem Gesetz allerdings nicht, sieht sich der Besitzer mehrerer Kneipen, Restaurants und Spielhallen doch in seiner persönlichen Entscheidungsfreiheit beschnitten. „Man hätte es jedem Gastronom selbst überlassen können, ob er ein Rauchverbot in seinem Lokal einführen will oder nicht. Ich rechne bei den Nachtbars mit Umsatzeinbußen von bis zu 20 Prozent“, sagt Wolle Förster.

Das sieht Ralf Krause ähnlich. Er betreibt mehrere Kneipen, unter anderem das Rackwitz, das Blumenau und Rauschenbach Deli. „Auf das Tagesgeschäft hat das Rauchverbot sicherlich kaum Auswirkungen. Nachts aber wollen die Leute etwas trinken und dazu eine rauchen. Wenn sie das nicht können, warum sollen sie dann noch in Bars gehen?“ Da er nur Einraumlokale betreibt, wird in neun Tagen das Rauchen überall verboten sein. Mirko Glaser, Betreiber der Musikbar Blue Note, hat bereits Erfahrungen mit dem Rauchverbot gesammelt. Über 200 rauchfreie Konzerte fanden in der Lokalität schon statt. „Die kommen bei den Besuchern und den Künstlern gut an.“ Allerdings durften die Gäste nach den Auftritten direkt wieder zum Glimmstängel greifen. Deshalb steht Mirko Glaser, selbst Nichtraucher, dem Gesetz zwiegespalten gegenüber. „Ich persönlich finde es gut, aber ich sehe darin einen tiefen Eingriff in die Freiheit.“ Seiner Meinung nach ist ein Rauchverbot in einem Speiselokal sinnvoll, in einer Bar allerdings nicht. „Zu uns kommen die Leute, um etwas zu trinken. Da gehört die Zigarette oft dazu. Können sie das nicht, dann bleiben bestimmt einige zu Hause.“

Besonders betroffen vom Rauchverbot sind sogenannte Shishabars. Dort gehen die Gäste vorwiegend hin, um Wasserpfeifen zu rauchen. Gerade diese Betreiber fürchten nun Umsatzeinbußen. In der Mydea Oriental Lounge in der Neustadt bestellen etwa 60 Prozent der Besucher nur eine Shisha und etwas zu trinken. „Für uns ist das Gesetz eher eine Belastung“, sagt Mitarbeiter Jan Nguyen. „Unser Vermieter wird uns allerdings eine Trennwand einbauen, sodass wenigstens in einem Teil weitergeraucht werden darf.“

Konzertsäle keine Ausnahme

Das Rauchverbot muss vom Inhaber des Hausrechtes durchgesetzt werden. Was in kleinen Lokalen leicht zu kontrollieren ist, wird in Konzertsälen schwieriger. Im Alten Schlachthof soll das Rauchverbot ausgeschildert werden. „Wenn 1500 Menschen auf einem Konzert sind, können wir nicht alle ständig kontrollieren“, sagt Rodney Aust vom Aust Kulturmanagement. „Wir schmeißen aber keinen sofort raus, der doch mal zur Zigarette greift.“