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Raumausstatterin mit Bestnoten

Monique Wätzig hat die beste Gesellenprüfung ihres Fachs in Sachsen abgelegt. Jetzt wurde sie dafür ausgezeichnet.

Von Dorit Oehme

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

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Der Hocker mit dem Muschelstoff ist das Hauptelement ihres Gesellenstücks. „Ihn werde ich nie benutzen“, sagt Monique Wätzig. Das klassisch gearbeitete Teil steht zurzeit im Eingangsbereich der Freitaler Jungnickel Raumgestaltung GbR – ihrem Ausbildungsbetrieb, in dem die 20-Jährige nun auch angestellt ist. Weiße Gardinen und Schals in maritimem Streifendesign hängen hinter dem Polsterstück. Diese hat Monique Wätzig bei ihrer Gesellenprüfung im Juli 2014 in der Dresdner Handwerkskammer ebenfalls genäht. Nur den dort in einer Kabine verlegten Bodenbelag sowie die bespannte und tapezierte Wand kann die junge Raumausstatterin dazu nicht mehr zeigen.

Doch selbstbewusst und sympathisch erzählt die 20-Jährige von ihrer Arbeit: „16 Stunden hatte ich für das Gesellenstück Zeit. Jeden Schritt verfolgten die Prüfer. Das Polsterstück war mein Schwerpunkt, es wurde doppelt bewertet.“ Als Thema hatte Monique Wätzig „Strandfeeling“ gewählt. Das Spiel der Wellen griff sie auf. Dazu die Farbtöne von Sand, Himmel und Meer. Am Fenster-Querbehang, der Schabracke, klettete sie extra Muschelapplikationen an. Den Seitenschal kombinierte sie pfiffig mit einem Netz. Die Leistung der Freitalerin überzeugte die Handwerkskammer: Vor wenigen Tagen wurde Wätzig als beste sächsische Nachwuchs-Raumausstatterin des Jahres 2014 im Dresdner Kulturrathaus ausgezeichnet – zusammen mit 23 Landessiegern anderer Handwerksberufe sowie den sieben Bundessiegern.

Vom 30. Oktober bis 1. November 2014 nahm sie auch am Bundeswettbewerb in Bremen teil. Nur die Gewinner der ersten drei Plätze wurden danach bekannt gegeben. „Ich gehörte nicht dazu. Trotzdem war es spannend, die anderen Landessieger kennenzulernen. Interessant war, dass das Schnüren einer Polsterung in anderen Bundesländern erst in der Meisterprüfung gefordert wird“, berichtet die Freitalerin. „Unser Unternehmen zählt zu den wenigen, in denen noch klassisch gepolstert wird. Bis aufs Tapezieren bieten wir auch die komplette Raumausstatter-Palette an“, sagt Cornelia Seyfarth, die Schwester des Junior-Chefs Karsten Jungnickel. Sie ist für den Bereich der Gardinen verantwortlich, wo Monique Wätzig ebenfalls tätig ist. „Ihre Vielseitigkeit zeichnete sich schon als Lehrling ab“, betont Cornelia Seyfarth.

Monique Wätzig führt in die Werkstatt. An Schritt-für-Schritt-Proben erklärt sie die Technik des klassischen Polsterns, von der Federung über die Füllung bis hin zu Spezialstichen. Seniorchef Karl-Heinz Jungnickel, der als Innungsobermeister schon zu DDR-Zeiten Lehrlinge und Meister ausgebildet hat, brachte Monique Wätzig die Technik bei. Bis es Routine wurde, habe sie vor der Prüfung immer wieder üben müssen. „Er wollte, dass ich mit gutem Gewissen hineingehen kann“, sagt sie. Der Seniorchef entwarf vor der Wende auch eigene Polstermöbel-Modelle. „Natürlich habe ich mir alte Unterlagen angeschaut“, sagt Monique Wätzig. Als 1981 das Schauspielhaus in Berlin wieder eröffnet wurde, ließ man das Gestühl fürs Parkett sogar in der Firma polstern. Zurzeit stehen in der Werkstatt Bänke und Stühle eines Dresdner Restaurants, die die junge Raumausstatterin mit polstert und in Echtleder bezieht. Außerdem wird die Kücheneckbank eines Privatkunden gerade aufgearbeitet. Monique Wätzig und der Altgeselle Achim Waurich, der seit über 50 Jahren in der Firma tätig ist, wirken Seite an Seite. „Von seinen Erfahrungen habe ich schon viel gelernt“, sagt sie.

Der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Dr. Jörg Dittrich, betont: „Diese jungen Nachwuchshandwerker sind der gelebte Beweis für die hohe Qualität der dualen Berufsausbildung im Handwerk und für das Engagement der Ausbildungsbetriebe, hochqualifizierten Nachwuchs auszubilden.“ Ob Monique Wätzig auch den Meisterlehrgang besucht, lässt sie offen. „Zwei Jahre muss ich eh erst Berufserfahrungen sammeln.“ In der Freizeit zieht es sie übrigens zum Eishockey - aber als Zuschauerin. „Ich bin ein großer Fan der Dresdner Eislöwen“, verrät sie.

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