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Raumwunder für den Urlaub am Schwarzen Meer

Seit 1978 besitzt das Ehepaar Ullmann in Weixdorf eine Zeltnäherei. Der Wohnwagenboom ließ sie tüfteln.

Von Sylvia Gebauer

Ihr Produkt war manchmal eher am Schwarzen Meer als die beiden Weixdorfer. Zu DDR-Zeiten, eigentlich bis heute reisen Klaus und Anita Ullmann mit ihrem Wohnwagen durch die Gegend. Nicht wegen seines Hobbys Campen, sondern wegen seiner Entwicklung wurde und wird Klaus Ullmann angesprochen. Ein Vorzelt Marke Eigenbau. Entwickelt für die DDR typischen Wohnwagen Qek Aero und Qek Junior. Genau ihre Zelte entdeckten beide bei ihren Reisen, wie ans Schwarze Meer, wieder. Viel haben Klaus Ullmann und seine Frau Anita in den letzten 36 Jahren Selbstständigkeit erlebt. Eines ist bis heute geblieben, Campingfans pilgern zu ihnen. Mit ihrer Idee, in die Zeltnäherei einzusteigen, waren beide damals Exoten.

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Dieses Bild ist aus dem Jahre 1978. In dem Jahr machten sich die beiden Weixdorfer selbstständig. Seitdem entwerfen sie individuelle Zelte. 2013 kamen die Kunden unter anderem aus Darmstadt und Cottbus.
Dieses Bild ist aus dem Jahre 1978. In dem Jahr machten sich die beiden Weixdorfer selbstständig. Seitdem entwerfen sie individuelle Zelte. 2013 kamen die Kunden unter anderem aus Darmstadt und Cottbus.

Seine Entscheidung sorgte für Kopfschütteln. Klaus Ullmann gab seinen sicheren Job in der Produktion auf und so machte sich der Ingenieur für Lederverarbeitung selbstständig. 1978 war das. „Ich bin ehrlich, wir hatten von Zeltnäherei null Ahnung“, blickt der Weixdorfer zurück. Angefangen hatten sie in ihrer 80 Quadratmeter großen Werkstatt in der Rathenaustraße 14 mit dem Nähen von Bezügen für Barhocker. Später kamen sie mit dem Dresdner Dietmar Halm ins Gespräch. Er empfahl beiden, ins Zeltgeschäft einzusteigen. Lange mussten beide nicht überlegen, sondern luden sich Fachpersonal in ihre Weixdorfer Werkstatt ein. „Ein Paar aus Bretnig brachte uns das Zeltnähen bei“, sagt Klaus Ullmann. Dabei erfuhr er, Zeltkreation braucht Zeit. Bis so etwas leicht von der Hand geht, sind zwei Jahre Erfahrung und Lehrzeit mindestens notwendig. Abgeschreckt hat das Ganze das Ehepaar Ullmann nicht. Im Gegenteil. Hochmotiviert stürzten sie sich ins Abenteuer Selbstständigkeit Zeltservice. Fortan drehte sich bei ihnen alles um Zeltnäherei, Zeltreparatur und Campingzubehörhandel. Der Wohnwagenboom Ende der 1970er Jahre brachte Klaus Ullmann auf eine neue Idee.

Heute sind die Wohnwagen eher geräumig. Fast Einfamilienhäuser sind auf den Straßen unterwegs. Wer die beiden DDR-Anhänger Qek Aero und Qek Junior kennt, weiß, ein Raumwunder sind sie nicht gerade. Konzipiert zwar für eine vierköpfige Familie, bot er eigentlich nicht allzu viel Stauraum. Lösung des Problems: Ein kompaktes Vorzelt. So begann Klaus Ullmann zu tüfteln. Sein Ziel: Es muss so entwickelt werden, damit der Platz des Wohnwagens verdoppelt wird. Es gelang ihm. Herausgekommen ist letztendlich ein 3,60 Meter langes und 2,40 Meter breites Zelt Marke Eigenbau. Das Besondere: Klaus Ullmann hat in seinen Entwurf Keile eingeplant, so ging das Zelt ein Stück über den Wohnwagen, ein Raumwunder entstand.

Seine Zeltnäherei hatte sich herumgesprochen. Aus dem gesamten DDR-Gebiet reisten die Kunden an. Hin und wieder kamen sie mit einem Wohnwagen Marke Eigenbau, dazu wollten sie ein individuell angefertigtes Zelt. Witzig an der Sache: „Die Kunden campten bei meinen Eltern zu DDR-Zeiten im Garten. Sie warteten bis ihr Zelt fertig war und fuhren anschließend wieder“, sagt Tochter Annett Ullmann, die Chefin des gleichnamigen Weixdorfer Sporthauses. Das haben die Eltern nach der Wende im Hohenbusch Center eröffnet.

Doch die Kunden kamen nicht nur aus Rostock, Cottbus oder Zwickau, sogar bis nach Kanada hat sich der Service der Weixdorfer herumgesprochen. Eines Tages tauchte ein Kanadier beim Ehepaar auf, er wollte sich das einmal ansehen. Ein Zelt hat er nicht gekauft, dafür ein Bild von Klaus und Anita Ullmann geschossen. Vor 36 Jahren ist diese Aufnahme entstanden. Bis heute steht sie in ihrer Weixdorfer Werkstatt. Wer in den Laden kommt, kann sie sich zeigen lassen. Und die Glocke an der Ladentür schellt noch immer häufig. Zelten ist bis heute in. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat das Weixdorfer Unternehmerpaar nie bereut. Noch heute rollen Kunden mit ihrem alten Qek Aero oder Junior-Wohnwagen an. Sie wollen dazu Ullmanns Vorzelt. Am liebsten das Original, wie er es zu DDR-Zeiten schon baute. „Die sind total hässlich und von der Form eher windschief, aber so waren sie eben“, sagt der Weixdorfer und schmunzelt dabei. Ihnen empfiehlt er lieber seine Weiterentwicklung. Modern ist es. Und wenn auch ein Reißverschluss einmal reißt, kein Problem Klaus Ullmann erledigt das innerhalb von 24 Stunden. Er ist ja auch Camper.