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Raupenplage im Kamenzer Land

Der Schmetterlings-Nachwuchs frisst sich durchs Grün. Seine Haare können allergische Reaktionen auslösen.

© Wolfgang Wittchen

Von Annett Kschieschan

Mit zarten Spinnweben hat das nichts mehr zu tun. Dicke, quasi blickdichte weiße Netze spannen sich zwischen den Ästen der Bäume. Dort, wo sie besonders dicht sind, sind die Zweige fast kahl. Alle Blätter sind abgefressen. Wer nah genug herangeht, erkennt auch den Grund: Unzählige, mehrere Zentimeter lange Raupen kriechen an den Gespinsten entlang – und fressen sich durchs Grün. Der Anblick ist ein bisschen beängstigend. Und weil sich das Ganze nicht an einem versteckten Winkel im dichten Wald zuträgt, sondern am gern genutzten Radweg zwischen Kamenz und Biehla in der Gemeinde Schönteichen, machen sich Anwohner Sorgen. Sorgen, dass die Raupen die Bäume ratzekahl abfressen. Sorgen, dass die Tiere und ihre Netze krank machen können. Zu weit hergeholt ist diese Befürchtung nicht. Wenn Menschen mit den feinen Härchen der Raupen in Hautkontakt kommen, sind allergische Reaktionen durchaus möglich.

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© Wolfgang Wittchen

Immerhin: Offenbar handelt es sich bei den Raupen zwischen Kamenz und Biehla nicht um den besonders gefährlichen Nachwuchs des Eichenprozessionsspinners. Das ergab eine Nachfrage beim Landratsamt in Bautzen. Vielmehr seien hier Raupen des Wollafters am Werk, einer Schmetterlingsart, die nur auf Linden und Birken vorkommt und von Mai bis Anfang Juli im Raupenstadium ist. Anschließend verpuppen sich die Raupen, und die Falter schlüpfen dann im zeitigen Frühjahr.

„Den Raupen wird nachgesagt, dass sie bei direktem Hautkontakt bei empfindlichen Personen pseudoallergische Reaktionen hervorrufen können“, so Landratsamtssprecher Gernot Schweitzer. Die seien aber hinsichtlich ihrer Intensität nicht mit dem Eichenprozessionsspinner oder dem Goldafter vergleichbar. „Die Bäume überstehen meist auch mehrfachen Fraß. Wenn die Raupen mit Gespinsten lästig sind, können sie durch fachkundiges Personal mit leichter Schutzausrüstung abgeschnitten, in Müllsäcke gepackt und entsorgt werden“, so Gernot Schweitzer weiter.

Fakt ist, dass der Wollafter nicht nur zwischen Kamenz und Biehla seine Netze gesponnen hat. Zu einer regelrechten Plage wurde er jetzt im Gewerbegebiet in Ottendorf-Okrilla. Eine ganze Allee an der Geldroper Straße hat der Nachwuchs des Schmetterlings hier in Beschlag genommen und mehreren Bäumen ziemlich arg zugesetzt. In der Gemeinde will man die Nester der Tiere entfernen. Das ist zwar keine Garantie dafür, dass die Wollafter verschwinden. Zumindest könne man die Population in den Folgejahren aber dadurch eindämmen, so die Hoffnung im Ottendorfer Rathaus.

Probleme mit Schmetterlings-Raupen gab es in der Region in den vergangenen Jahren schon öfter. Allein im vergangenen Jahr entfernte der Forstbezirk 25 Nester der giftigen Raupen aus der Dresdner Heide. Schon 2012 waren hier die ersten Nester entdeckt worden.

Aber was macht die Tiere eigentlich so gefährlich? Die sehr feinen Brennhaare der Raupe enthalten ein sogenanntes Eiweißgift. Dieses Gift, das Thaumetopoein, kann allergische Hautreaktionen hervorrufen. Das Problem: Die Brennhaare der Raupe brechen leicht und werden bei günstiger Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken getragen. Außerdem bleiben die alten Larvenhäute nach der Häutung in den Nestern, deshalb ist die Konzentration an Brennhaaren oft sehr hoch. Alte Gespinstnester, ob am Baum haftend oder am Boden liegend, sind deshalb nach Einschätzung von Experten eine bleibende Gefahrenquelle. Gesperrt werden Wege wegen der Raupen nicht – Vorsicht sollten Radler und Spaziergänger aber schon walten lassen, heißt es aus dem Amt.