merken

Raus aus den Schlagzeilen

Pflanzengift verseuchte im Herbst Gemüsefelder in Mahlitzsch. Der Öko-Betrieb hat die Katastrophe überwunden.

© Claudia Hübschmann

Von Dieter Hanke

Anzeige
Wein mit allen Sinnen erleben

An den Tagen des offenen Weingutes lädt Schloss Wackerbarth zu Weinbergswanderungen und Manufakturführungen ein.

Vier Monate nach dem Umweltskandal auf den Gemüsefeldern der Mahlitzscher Bio-Bauern, als Unkraut-Gift auf die Kulturen regnete, kehrt langsam wieder Normalität ein. 900 Kunden aus dem Umland und der Landeshauptstadt Dresden erhalten in gewohnter Weise mit der Mahlitzscher Öko-Kiste wieder gesundes Obst und Gemüse, Milch, Joghurt, Käse, Eier, Wurstwaren und Brot direkt an die Haustür. Auch die 30 Naturkostläden werden regelmäßig beliefert. „Es herrscht wieder der gewohnte Alltag“, sagt Landwirtschaftsmeister Nikola Burgeff. Jetzt in den Wintermonaten wird die Technik wie Pflug und Sämaschine repariert, im Wald schlagen Mitarbeiter Brenn- und Bauholz. In Gewächshäusern wächst Salat, und wie immer sind 80 Milchkühe zu versorgen.

„Was noch tief sitzt, ist der Schmerz über das Erlebte“, sagte der 50-Jährige. Der Mahlitzscher Öko-Hof, der seit über 20 Jahren nach den Richtlinien des Demeter-Verbandes arbeitet und für die Kunden frische Bio-Lebensmittel produziert, wurde im Herbst 2014 schwer getroffen. Zwei konventionelle Landwirtschaftsbetriebe aus der Region hatten auf Nachbarfeldern unsachgemäß Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Die Giftwolken drifteten ab und verseuchten angrenzende Gemüseflächen der Öko-Bauern. Ein Großteil ihrer Ernte war dort verloren. Durch Umsatzeinbußen und Ausfälle entstanden den Öko-Bauern Verluste von ungefähr 90 000 Euro.

Existenz war bedroht

Die Versicherung der Schadensverursacher reguliert seit dieser Zeit die Regressforderungen der Mahlitzscher. „Wir denken, dass wir in den nächsten Wochen die Schäden ersetzt bekommen“, sagt Burgeff.

Durch den Umweltskandal war die Existenz des Bio-Hofes bedroht. „Wir mussten ganz schön zirkeln, um finanziell über die Runden zu kommen“, bemerkt der Landwirtschaftsmeister. So wurden geplante Investitionen, zum Beispiel im Kuhstall für eine neue Einstreu-Technik, zurückgestellt. „Wir sind aber froh, dass wir keinen unserer fast 40 Mitarbeiter entlassen mussten. Die Löhne wurden regelmäßig gezahlt“, sagt Burgeff. Sogar das Weihnachtsgeld habe es gegeben. „Schließlich hatten unsere Mitarbeiter durch diese schlimme Situation im Betrieb auch großen Stress und sollten nicht durch die Schuld anderer ihren Arbeitsplatz verlieren“, so Burgeff.

Die Mahlitzscher disponierten um. Zwar gab das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nach Analysen grünes Licht, dass die betroffenen Flächen 2015 wieder für den Gemüseanbau genutzt werden können. Doch die Mahlitzscher leben von ihrem guten Namen, die strenge bio-dynamische Qualität ihrer Produkte soll nicht angezweifelt werden. Burgeff: „Wir verlagerten komplett die Freiland-Gemüseflächen von neun Hektar auf ein großes Feld auf der anderen Straßenseite.“ Ein Schutzstreifen wird dort noch angelegt, ebenfalls müssen die Bio-Bauern noch in diesem Areal Wasserleitungen installieren und Wege anbringen. Die ehemals belasteten Gemüseflächen haben jetzt Karrenzzeit von einem Jahr. Das legten die Öko-Bauern von sich aus fest. „ Wir bauen dort Klee und Luzerne an, um den Boden zu verbessern“, sagt der Meister.

Groß war in den vergangenen vier Monaten die Solidarität vieler Kunden, Partner, Natur- und Umweltverbände. Vor allem wurde anerkannt, dass die Öko-Bauern transparent waren, sofort den Giftskandal offenlegten und umgehend die weitere Vermarktung ihres Gemüses stoppten.

Der Imageverlust für den Bio-Hof war dennoch enorm. Das hat umweltbewusste Bürger sowie Verbände bestärkt, darauf zu drängen, dass in der konventionellen Landwirtschaft mehr Kontrollen erfolgen sollten. Das Bündnis „Meine Landwirtschaft Sachsen“ und auch Verbände wie Gea, Bioland, Naturland, Demeter, Biopark fordern ein Umdenken in der Agrarpolitik von Bund und Land, speziell auch bei der Zulassung und der Anwendung von Pestiziden.

Die Ermittlungen zu den Ordnungswidrigkeiten der zwei benachbarten Landwirtschaftsbetriebe stehen unterdessen dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zufolge kurz vor dem Abschluss. Die Firmen erwartet ein Bußgeld.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.