merken

Raus aus den Schlagzeilen

Pflanzengift hatte im Herbst 2014 Gemüsefelder der Mahlitzscher Bio-Bauern verseucht. Vereint überwand der Öko-Betrieb die schlimmen Schäden.

Von Dieter Hanke

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Vier Monate nach dem Umweltskandal auf den Gemüsefeldern der Mahlitzscher Bio-Bauern, als Unkraut-Gift auf die Kulturen regnete, ist weitgehend Normalität eingekehrt. 900 Kunden aus dem Umland und der Landeshauptstadt Dresden erhalten in gewohnter Weise mit der Mahlitzscher Öko-Kiste wieder gesundes Obst und Gemüse, Milch, Joghurt, Käse, Eier, Wurstwaren und Brot direkt an die Haustür. Auch die 30 Naturkostläden werden regelmäßig beliefert. „Es herrscht wieder der gewohnte Alltag“, sagt Landwirtschaftsmeister Nikola Burgeff. Jetzt in den Wintermonaten wird die Technik wie Pflug und Sämaschine repariert, im Wald schlagen Mitarbeiter Brenn- und Bauholz, in Gewächshäusern wächst Salat, und wie immer sind 80 Milchkühe zu versorgen.

„Was noch tief sitzt, ist der Schmerz über das Erlebte“, sagte der 50-Jährige. Der Mahlitzscher Öko-Hof, der seit über 20 Jahren nach den Richtlinien des Demeter-Verbandes arbeitet und für die Kunden frische Bio-Lebensmittel produziert, wurde im Herbst 2014 schwer getroffen. Zwei konventionelle Landwirtschaftsbetriebe aus der Region hatten auf Nachbarfeldern unsachgemäß Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Die Giftwolken drifteten ab und verseuchten angrenzende Gemüseflächen der Öko-Bauern. Ein Großteil ihrer Ernte war dort verloren. Durch Umsatzeinbußen und Ausfälle entstanden den Öko-Bauern Verluste von ungefähr 90 000 Euro.

Die Versicherung der Schadensverursacher reguliert seit dieser Zeit die Regressforderungen der Mahlitzscher. „Wir denken, dass wir in den nächsten Wochen die Schäden ersetzt bekommen“, sagt Burgeff.

Durch den Umweltskandal war die Existenz des Bio-Hofes bedroht. „Wir mussten ganz schön zirkeln, um finanziell über die Runden zu kommen“, bemerkt der Landwirtschaftsmeister. So wurden geplante Investitionen, zum Beispiel im Kuhstall für eine neue Einstreu-Technik, zurückgestellt. „Wir sind aber froh, dass wir keinen unserer fast 40 Mitarbeiter entlassen mussten. Die Löhne wurden regelmäßig gezahlt“, sagt Burgeff. Sogar das Weihnachtsgeld habe es gegeben. „Schließlich hatten unsere Mitarbeiter durch diese schlimme Situation im Betrieb auch großen Stress und sollten nicht durch die Schuld anderer ihren Arbeitsplatz verlieren“, so Burgeff.

Die Mahlitzscher disponierten um. Zwar gab das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nach Analysen grünes Licht, dass die betroffenen Flächen 2015 wieder für den Gemüseanbau genutzt werden können. Doch die Mahlitzscher leben von ihrem guten Namen, die strenge bio-dynamische Qualität ihrer Produkte soll nicht angezweifelt werden. Burgeff: „Wir verlagerten komplett die Freiland-Gemüseflächen von neun Hektar auf ein großes Feld auf der anderen Straßenseite.“

Ein Schutzstreifen wird dort noch angelegt, ebenfalls müssen die Bio-Bauern noch in diesem Areal Wasserleitungen installieren und Wege anbringen. Die ehemals belasteten Gemüseflächen haben jetzt Karrenzzeit von einem Jahr. Das legten die Öko-Bauern von sich aus fest. „ Wir bauen dort Klee und Luzerne an, um den Boden zu verbessern“, sagt der Meister

Groß war in den vergangenen vier Monaten das Mitgefühl und die Solidarität vieler mit dem Mahlitzscher Bio-Hof. Kunden, Partner, Natur- und Umweltverbände sowie weitere Bürger und Organisationen standen ihnen zur Seite. Vor allem wurde anerkannt, dass die Öko-Bauern transparent waren, sofort den Giftskandal offenlegten, auch umgehend die weitere Vermarktung ihres Gemüses stoppten und eng mit den Behörden kooperierten.

Bußgeld für Verursacher

Der Imageverlust für den Mahlitzscher Bio-Hof war durch den Pflanzengift-Vorfall groß. Das hat umweltbewusste Bürger sowie Verbände bestärkt, darauf zu drängen, dass in der konventionellen Landwirtschaft mehr Kontrollen für eine gute fachliche Praxis erfolgen sollten. Das Bündnis „Meine Landwirtschaft Sachsen“ und auch solche Verbände wie Gea, Bioland, Naturland, Demeter, Biopark und andere fordern ein Umdenken in der Agrarpolitik von Bund und Land, speziell auch bei der Zulassung und der Anwendung von Pestiziden.

„Wir stellen kontrolliert biologische Produkte her, leben dabei aber nicht auf einer Insel. Wichtig ist deshalb das Gespräch, das enge Miteinander von Öko-Betrieben und Bauern der konventionellen Landwirtschaft. Das hilft, solche Schäden zu vermeiden“, sagt Bio-Bauer Nikola Burgeff.

Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, so Sprecherin Karin Bernhardt, habe die bei der Untersuchung in Mahlitzsch gewonnenen Erkenntnisse dem für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zuständigen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit übermittelt. Auf Mahlitzscher Fluren hatte das Pflanzenschutzmittel Echelon mit dem Wirkstoff Clomazon diesen Umweltfrevel hervorgerufen.

Die Ermittlungen zu den Ordnungswidrigkeiten der zwei Landwirtschaftsbetriebe aus der Region, wie Bernhardt weiter sagte, stehen kurz vor dem Abschluss. Diese erwartet ein Bußgeld. Außerdem wurde ihnen zusätzlich nach den Cross-Compliance-Bestimmungen – und zwar Prämien der EU für die Einhaltung von Umweltstandards – die Direktzahlungen gekürzt.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.