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Raus aus den Schulden

Werner Laetsch manövriert seit zehn Jahren Menschen aus den roten Zahlen. Dabei ist er auch als Seelentröster gefragt.

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Von Peter Salzmann

Seit 2001 gibt in der Bundesrepublik eine Verordnung, die es selbst hoch verschuldeten Menschen ermöglicht, irgendwann einmal im Leben wieder schuldenfrei zu sein – die Privatinsolvenz. Das bedeutet, dass jedem über 18-Jährigen, der finanziell in den Miesen ist, aus den roten Zahlen geholfen werden kann.

Einer, der im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge – jüngst vor allem in Freital, Tharandt, Grillenburg und Wilsdruff – erfolgreich Verschuldete berät, ist Werner Laetsch. Seine breite Statur, seine Ruhe und seine tiefe Stimme fallen auf. Dichtes graues Haar und ein melierter Oberlippenbart verleihen ihm Würde. Er beherrscht die Kunst, anderen zuzuhören. Laetsch flößt Vertrauen ein. Das muss sein, denn oft kommen Verzweifelte zu ihm, die weder ein noch aus wissen und hoffen, dass er wieder Licht ins Dunkel ihres Daseins bringen kann, auch wenn es keinen Ausweg zu geben scheint.

Werner Laetsch ist Seelentröster und Pragmatiker zugleich, trocknet Tränen, mahnt zu Finanzdisziplin und Sparsamkeit. „Denn ich kann Schulden nicht einfach so unter den Tisch fallen lassen“, sagt der 64-jährige Familienvater

Schuldner gibt es allerorten. In Deutschland sind es sechs Millionen Menschen. Seit zehn Jahren kümmert sich der Insolvenzberater um jene, die finanziell am Ende sind. Viele scheuen sich, ihren Firmen- oder privaten Konkurs einzugestehen, schämen sich. Die Gründe des Gelddilemmas sind verschieden: Firmenpleiten – oft unverschuldet – Scheidungen, unverhoffte Arbeitslosigkeit, plötzliche Krankheit, unüberlegte Verträge und Ratenkäufe, Bankkredite, Reisen auf Pump, aber auch ungezügelte Kaufsucht.

Nicht jedes Desaster ist aussichtslos

Rechnungen in Hülle und Fülle – in Schuhkartons, Reisetaschen, Plastetüten, in Heftern geordnet und wahllos gesammelt – hat er genug gesehen, verzweifelte und ratlose Menschen auch. „Auf alle Fälle hängen Schicksale dran“, weiß Werner Laetsch und nennt ein Beispiel: Eine 40-Jährige aus Wilsdruff schuldet 20 Gläubigern 25 000 Euro. Sie hatte viel zu viele Wünsche, aber plötzlich unverschuldet zu wenig Einkommen und ging vor zwei Jahren in Privatinsolvenz. „Jetzt“, so Laetsch, „sieht sie wieder hoffnungsvoller in die Zukunft und macht keine neuen Schulden.“

Lebenserfahrung hat Laetsch genug, beispielsweise als gelernter Klempner und Installateur sowie Diplom-Ökonom, der viele Jahre im Lebensmittelgroßhandel tätig war. Später half ihm fachgerechte Beratung in Oberhausen, sich in der Insolvenzhilfe auszukennen, zumal ihm immer Rechtsanwalt Matthias Schreiber zur Seite steht, denn Laetsch gibt keine Rechtsberatung. Er könne helfen, eine Insolvenzanalyse zu erarbeiten. Zunächst werde die Vermögens- und Liquiditätsfrage genau geprüft, um einen Schuldenbereinigungsplan zu erstellen. Das sei erforderlich, um außergerichtliche oder gerichtliche Vergleichsverfahren bzw. Privatinsolvenzverfahren bei Gericht einleiten zu können.

„Nicht selten“, sagt Laetsch, „kommen Leute zu mir, die nicht einmal die Zahl ihrer Gläubiger nennen können.“ Sein schlimmster Fall: Eine Frau aus Freital-Potschappel mit 48 Gläubigern. „Da muss man Nerven haben“, sagt Laetsch. Oder: Eine Familie aus Hainsberg schuldet acht Gläubigern über 34 000 Euro. Der Ehemann war zum Insolvenzzeitpunkt arbeitslos, seine Frau verdient nur wenig. Der Berater gibt erleichtert preis: „Der Familie geht es jetzt besser. Beide haben wieder Arbeit.“ Das beweist: Nicht jedes finanzielle Desaster ist aussichtslos.

Laetsch versichert: „Wer das Insolvenzverfahren erfolgreich besteht, wird nach sechs Jahren von seinen restlichen Schulden befreit und kann sich ein neues Leben aufbauen.“ Vor dem Verfahren muss jeder Schuldner mit seinen Gläubigern eine außergerichtliche Einigung suchen. „Auch wenn das unangenehm ist“, sagt Laetsch, „muss jeder seine finanzielle Situation aufdecken und einen Plan zur Schuldentilgung vorschlagen.“ Die Gläubiger haben vier Wochen Zeit, um auf die Vorschläge zu reagieren. Nicht selten sind Mahnverfahren, Vollstreckungs- oder Pfändungsbescheide anhängig. Auch da gibt es Rechtssicherheit. Die Pfändungsfreigrenze liegt bei 1049,55 Euro im Monat. Diese Summe erhöht sich bei Unterhaltsverpflichtungen. Werner Laetsch empfiehlt: „Jeder Schuldner muss sein Budget ehrlich einschätzen. Und vor allem: „Niemand sollte seine Schulden begleichen, ohne vorher einen Schuldenberater konsultiert zu haben.“ Übrigens: Die erste Beratung ist kostenlos. Die Kosten für weitere Beratungen sind von der Schuldenhöhe und der Zahl der Gläubiger abhängig.

Werner Laetsch strebt fast immer eine außergerichtliche Einigung an. Dazu müsse ein Konsens zwischen Schuldnern und Gläubigern gefunden werden. „Das gelingt meistens“, erzählt er und verhehlt nicht: „Ich freue mich, wenn sich Mandanten bei mir für die Hilfe bedanken und erleichtert verkünden, endlich wieder ruhig schlafen zu können.“

Werner Laetsch holt sich seine Kraft als Sänger im Sächsischen Bergsteigerchor „Kurt Schlosser“ und geht gern wandern – immer mal wieder in die Windbergregion und in den Tharandter Wald.

Kontakt: Werner Laetsch, Schuldnerberatung und Insolvenzhilfe in Pirna, Dippoldiswalder Straße 33,

03501 441601, 0171 6757292