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Döbeln

Raus in die Natur

Max Förster möchte seinen Namen zum Beruf machen. Aber der Weg dorthin ist lang und mühselig.

Für den Fotografen hat Max Förster schon einmal die für seinen künftigen Beruf typische Arbeitskleidung übergezogen. Max wird Forstwirt. Aber das ist erst der Anfang.
Für den Fotografen hat Max Förster schon einmal die für seinen künftigen Beruf typische Arbeitskleidung übergezogen. Max wird Forstwirt. Aber das ist erst der Anfang. © Thomas Kube

Döbeln. Max Förster weiß ganz genau, was er will. Aber um sein Ziel zu erreichen, muss er drei Ausbildungen absolvieren.

Es sind die letzten Ferien des 17-Jährigen. In denen sitzt er auch auf der Schulbank. Jedenfalls ab und zu – für den theoretischen Teil der Führerscheinausbildung. Ansonsten kann der Realschüler seine Ferien genießen. Der Ausbildungsvertrag ist unterschrieben. Den Probetag in Olbernhau hat er schon vor Wochen mit Bravour bestanden. Noch am selben Abend erhielt er die Zusage. Er hat die Lehrstelle. 

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Ein Job im Büro ist für Max undenkbar. Er will raus in die Natur. Der Döbelner wird Forstwirt. Aber das ist nur der erste Schritt. Wenn alles klappt, hängt der junge Mann an die Lehre das Fachabitur dran, um anschließend seinen Traumberuf studieren zu können. Max Förster möchte Förster werden.

„Irgendwann muss es in der Familie schon einmal einen Förster gegeben haben. Sonst hätten wir den Namen nicht“, meint Mutter Anke Förster. Sie hat geforscht. Doch mehr als vier Generationen kann sie die Familiengeschichte nicht zurückverfolgen. „Da ist kein Förster dabei.“ Doch ihrem Sohn war die Verbundenheit mit der Natur scheinbar schon in die Wiege gelegt. 

Bereits als Dreijähriger habe sich Max intensiv für Tiere und Pflanzen interessiert. Und so hatte die Familie statt Meerschweinchen Stabheuschrecken als Haustiere. Anfangs saßen sieben im Terrarium. Aber sie vermehrten sich schnell. Als die Zahl von 60 überschritten war, zogen die Eltern die Reißleine und Max schenkte den Tieren die Freiheit.

Simple Schnecken, die er aus dem Garten mit nach Hause gebracht hatte, sorgten bei Anke Förster für ein paar Schreckminuten. Denn plötzlich war die Dose leer. „Ich bin der Schleimspur bis hinter den Schrank und unter das Sofa gefolgt und habe sie wieder eingesammelt“, erzählt die Mutter lächelnd. Auch eine Wespenspinne lebte eine Weile im Terrarium im Kinderzimmer. 

Denn Max wollte die Tiere immer beobachten. Als die Eltern jedoch ein Nest mit Eiern im Terrarium entdeckten, wurde die Spinne wieder in die Natur gesetzt. Seine Neugier brachte Max aber auch schmerzliche Erfahrungen. Eine Hummel, die er gefangen hatte und seiner Mutter zeigen wollte, stach ihn. „Da lernt man, die Arten zu respektieren“, meint der junge Mann.

Der interessiert sich ebenso für Pflanzen. „Aus jedem Urlaub hat er Samen mitgebracht und daraus Bäumchen gezogen“, so Anke Förster. Eine Kiefer wurde bei den Großeltern ausgepflanzt. Ein Mangobäumchen schaffte es auf 40 Zentimeter Höhe, ist dann aber eingegangen. Auf der Terrasse gedeihen noch ein Feigen- und ein Olivenbäumchen. Letzteres bekam Max zum 16. Geburtstag. Jetzt blüht es zum ersten Mal.

Max ist der Erhalt der Arten wichtig. „Es geht mir schon nahe, wenn ich über das Abholzen des Regenwaldes lese“, sagt er. Aber als Forstwirt muss er doch auch die Säge zur Hand nehmen? „Der Wald wird aber nicht sinnlos abgeholzt, sondern auch wieder aufgeforstet, so bleibt die Natur im Gleichgewicht“, erklärt er. Holz ist für den 17-Jährigen ein ganz besonderes Material. Deshalb habe er anfangs mit dem Gedanken gespielt, Tischler zu werden. „Aber ich wollte mehr, als das Material zu bearbeiten.“ Er wollte raus in die Natur.

Soweit er weiß, ist er der Einzige aus seiner Oberschulklasse mit 24 Schülern, der einen derartigen Beruf ergreift. Selbst die Prüfer in Olbernhau hätten gestaunt, dass ein Jugendlicher aus einem Gebiet, in dem es verhältnismäßig wenig Wald gibt, einen solchen Berufswunsch hat. 50 junge Leuten beginnen am 1. September ihre Ausbildung zum Forstwirt. 40 davon, wie Max, bei Sachsenforst und voraussichtlich zehn bei anderen forstlichen Ausbildungsbetrieben.

Und Max hat noch mehr Glück. Er braucht für die Ausbildungszeit eine kleine Wohnung. Und er fand sie im Haus eines Revierförsters. Der habe ihm bereits angeboten, ihn mit auf die Jagd zu nehmen, sobald er den Jagdschein besitzt. Auch der gehört zur Ausbildung. Er werde nicht gern Tiere töten, meint Max. Und sicher nicht aus Spaß. Aber das Jagen sei wichtig, um die Tierbestände im Gleichgewicht zu halten. Max ist überzeugt, er hat einen Beruf gewählt, der interessant und abwechslungsreich ist und zu hundert Prozent seinen Interessen entspricht.

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