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Raus mit dem Gift aus Textilien

Greenpeace meldet erste Erfolge. Drei Siegel erfüllen höchste Anforderungen.

In Deutschland sind laut Greenpeace 30 Prozent der Textilindustrie auf Detox-Kurs.
In Deutschland sind laut Greenpeace 30 Prozent der Textilindustrie auf Detox-Kurs. © Peter Steffen/dpa

Seit 2011 bekämpft Greenpeace über die Detox My Fashion-Kampagne Gift in der Textilproduktion. Mit Erfolg: 2018 haben sich rund 80 Firmen – das entspricht etwa 15 Prozent der globalen Textilproduktion – verpflichtet, bis 2020 bei der Produktion den Einsatz der elf gefährlichsten Chemikaliengruppen auf Null zu senken. Darunter befinden sich H&M, Primark, Zara, Adidas, Nike und Puma, aber auch Aldi, Lidl, Tchibo oder Vaude. In Deutschland sind laut Greenpeace sogar 30 Prozent der Textilindustrie auf Detox-Kurs.

Vom Entgiften profitieren vor allem die Menschen in Produktionsländern wie China, Indonesien oder Mexiko: Giftige Chemikalien belasten Gewässer und Trinkwasserreserven. „Alle Erfolge des Entgiftens der Textilindustrie drohen jedoch aufgefressen zu werden durch die schiere Masse an Kleidung in der Fast Fashion Produktion“, kritisiert Viola Wohlgemuth von Greenpeace. Zu wenig oder gar nicht entgiftet haben laut Greenpeace zudem unter anderem die Marken Patagonia, Columbia, Ark’teryx, North Face, Haglöfs, Salewa, Mammut und Jack Wolfskin.

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Leider gibt es kein einheitliches Textilsiegel auf EU-Ebene. Laut Greenpeace erfüllen drei Siegel höchste Anforderungen in Bezug auf Chemikalienmanagement in der gesamten Produktionskette und Recycling: das Siegel vom internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN Best), der Global Organic Textile Standard (GOTS) und „Made in Green“ von Oeko-Tex. Um das GOTS-Siegel zu erhalten, muss das Textil aus mindestens 70 Prozent Naturfasern bestehen und mit umweltfreundlichen Farben behandelt worden sein.

Viele Anbieter achten zwar auf umweltfreundliche Fasern oder Farben, nicht jedoch auf faire Löhne für Baumwollpflücker, Gerber, Näher, Weber. Dabei ist „ein Kleidungsstück nur nachhaltig, wenn es beides ist: fair und öko“, sagt Viola Wohlgemuth. Wer Kleidung ohne Ausbeutung kaufen möchte, kann über Weltläden einkaufen (Laden-Finder über www.weltladen.de) oder sich an folgenden Siegeln und Labeln orientieren:

Fair Wear Foundation

© PR

Der Arbeitskodex der Fair Wear Foundation gilt als einer der strengsten in der Textilbranche. Mitglieder (Liste auf www.fairwear.org) lassen sich unabhängig überprüfen, müssen alle Lieferanten offenlegen – auch Preisgestaltung und Lieferanforderungen.

Fairtrade Cotton

© PR

Das Baumwoll-Siegel deckt die erste Stufe der Textilproduktion ab. Baumwoll-Bauern erhalten einen garantierten Mindestpreis für ihre Ernte. Vom Feld bis hin zum fertigen Produkt setzt der Fairtrade-Textilstandard an: Er deckt die Lieferkette vom Spinnen und Weben über das Färben bis hin zur Konfektionierung ab. Infos unter www.fairtrade-deutschland.de

Cotton made in Africa

© PR

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Die Initiative Cotton Made in Africa verbietet beim Anbau der Baumwolle Kinderarbeit, viele Pestizide und schult Bauern. Ein garantierter Mindestpreis ist nicht vorgesehen. Eine Liste der Partner findet sich auf der Internetseite: www.cottonmadeinafrica.org

Mode leihen, gebraucht kaufen oder recyceln:

Weitere Anbieter und Portale sind:

• Tauschen: kleidertausch.de, mamikreisel.de, kleiderkreisel.de

• Second Hand: neben Flohmärkten, Ebay und Second-hand-Läden über vestiairecollective.com, farfetch.com, momox.de, zadaa.co, maedchenflohmarkt.de, ubup.com, rebelle.com

• Upcycling: Mode aus recycelten Stoffen bieten u.a. die Labels Ecoalf, Mud Jeans, Filippa K, Vishes, Patagonia, Sundried, Solemate Socks, Hudhud, w-pletzinger.com (mh)

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Literaturtipp:

Ratgeber „Fair einkaufen – aber wie?“, Verlag Brandes & Apsel, 2019

Weiterführende Informationen:

www.greenpeace.de

www.femnet.de

www.inkota.de

www.saubere-kleidung.de

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