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Razzia auf der Little Pony Ranch

Das Görlitzer Veterinäramt holt 41 Hunde und viele Kleintiere aus dem Grundstück in Gebelzig. Deren Zukunft ist unklar. Die Behörde schweigt.

Barbara Pinkert ist froh, dass ihr zumindest Noroka, Mami Mausi und Jacky geblieben sind. Mitte Januar holte das Veterinäramt des Landkreises insgesamt 41 Hunde und weitere Tiere vom Hof ihrer Tochter Simone in Gebelzig.
Barbara Pinkert ist froh, dass ihr zumindest Noroka, Mami Mausi und Jacky geblieben sind. Mitte Januar holte das Veterinäramt des Landkreises insgesamt 41 Hunde und weitere Tiere vom Hof ihrer Tochter Simone in Gebelzig. © André Schulze

An Hobbyreitern, die sich bei Simone Pinkert auf der Little Pony Ranch in Gebelzig ausbilden ließen, mangelte es in den vergangenen Jahren nicht. Doch seit einiger Zeit hat die Tierfreundin Ärger mit der Behörde. Der Landkreis Görlitz kritisiert die Haltungsbedingungen - vor allem der vielköpfigen Hundeschar. Und hat vor ein paar Tagen reagiert. Insgesamt 67 Tiere unterschiedlicher Arten wurden von dem Hof geholt.

Beschwerden haben zu der Behörden-Aktion geführt

Simone Pinkert kann ihre Enttäuschung kaum verbergen. Ihre Stimme wird immer wieder von tiefem Schluchzen unterbrochen, wenn sie von den Geschehnissen des 14. Januar auf ihrem Hof in Gebelzig erzählt. Noch immer kann sie es kaum fassen und kämpft jetzt gegen die Folgen der - wie sie sagt - "Behördenwillkür" an. "Die Leute vom Amt sind einfach bei uns eingedrungen, haben etwas von Beschwerden und Anzeigen gegen uns erzählt. Und dann sind sie mit all unseren Tieren abgerückt."

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In dem Schreiben des Landkreises Görlitz, mit dem das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt (Lüva) die Aktion begründet, geht es weniger pathetisch zu. Da wird der Vollzug des Tierschutzgesetzes dafür verantwortlich gemacht, dass die Little Pony Ranch jetzt quasi tierfrei ist.

Und es wird eine lange Liste aufgeführt - von jenen Kreaturen, die man nun tiergerecht unterbringt: Neben sieben Katzen, fünf Zwergkaninchen, vier Hühnern und einem Hahn sowie diversen Kleintieren und Sittichen sind es vor allem 41 Hunde. Die ebenfalls noch zur Ranch gehörenden 18 Pferde durfte Simone Pinkert vorerst behalten.

Ranch-Besitzerin ist in der Reiterszene bekannt

Simone Pinkert ist in der Freizeitreiterszene des Kreises keine Unbekannte. 2002 war sie von Schlauroth nach Gebelzig gezogen und hatte dort ihre Little Pony Ranch eröffnet. "Das war kein Gewerbe", wie sie immer wieder betont. Sie habe Pferdefans lediglich ein paar Stunden Reitunterricht gegeben, auch Wander- und Osterausritte organisiert. Pinkert, die früher beim Zoll beschäftigt war, ging auf in ihrem Engagement für die Tiere. Nach und nach nahm die Anzahl der Pferde zu.

Und auch Hunde, vor allem ältere, kranke und aus schlechter Haltung, fanden in ihrem Gehöft eine neue Bleibe. Die anfallenden Kosten bestritt die pensionierte Beamtin hauptsächlich von den ihr zustehenden Bezügen. "Auch meine Mutter hat mich in all den Jahren sehr unterstützt."

Simone Pinkert (vorn) bei einer Freizeitreiterjagd im Jahre 2008. Da war an die jetzt vom Veterinäramt des Landkreises kritisierten Haltungszustände ihrer Tiere noch nicht zu denken.
Simone Pinkert (vorn) bei einer Freizeitreiterjagd im Jahre 2008. Da war an die jetzt vom Veterinäramt des Landkreises kritisierten Haltungszustände ihrer Tiere noch nicht zu denken. © SZ-Archiv/Bernhard Donke

Konflikt mit dem Veterinäramt seit 2012

Mit dem Veterinäramt in Konflikt geriet sie 2012 das erste Mal. Damals ging die Behörde aufgrund von Beschwerden, die im Verwaltungsverband Diehsa eingegangen waren, gegen sie vor. Ein Tierarzt stellte ungenügende Platzverhältnisse für die damals gehaltenen Hunde fest. Die Behörde verlangte, die Zwinger zu vergrößern. Für Simone Pinkert war das auch aus heutiger Sicht nur Schikane: "Die Tiere standen bei uns immer an erster Stelle.

Sicher sah es zuweilen nicht besonders ordentlich aus. Aber,  dass es ihnen schlecht ging oder sie zu beengt untergebracht waren, das stimmt einfach nicht." Bis zuletzt hätten sich ihre 41 Hunde über das ganze Grundstück verteilen und dabei zwischen drinnen und draußen wechseln können. "Wir sind mit ihnen sogar oft in den Wald gefahren und dort zusammen spazieren gegangen."

Gut Aiderbichl kommt nicht zum Zuge

Inzwischen hat Simone Pinkert einen Anwalt eingeschaltet und im Internet eine Petition gestartet, um den Großteil ihrer beschlagnahmten Hunde nach Gut Aiderbichl zu bekommen. Die von Michael Aufhauser in Henndorf bei Salzburg gegründete Stiftung ist das in Europa wohl bekannteste Auffangbecken für alte, kranke und aus schlechten Haltungen stammende Tiere und betreibt drei öffentlich zugängliche Güter in Österreich und Deutschland.

Doch ob dort auch die Hunde aus Gebelzig unterkommen können? "Wir haben das Angebot gemacht, für so viele Hunde wie möglich Platz zu finden", so Bianca Pöckl von der Gutsverwaltung. Man habe mit dem Veterinäramt Kontakt aufgenommen, zu einer Zusage sei es aber nicht gekommen. "Zuletzt erhielten wir bei einem Telefonat die Information, dass alle Hunde an gute Plätze in der Region vermittelt werden konnten." Die Hilfestellung sei damit hinfällig geworden. 

Simone Pinkerts Mutter Barbara besuchte in den zurückliegenden Jahren mit Haustieren - darunter Hühnern - auch die Senioren in der Diakonie Sozialstation, Bahnhofsstraße Niesky. Das Foto entstand 2006.
Simone Pinkerts Mutter Barbara besuchte in den zurückliegenden Jahren mit Haustieren - darunter Hühnern - auch die Senioren in der Diakonie Sozialstation, Bahnhofsstraße Niesky. Das Foto entstand 2006. © SZ-Archiv/Rolf Ullmann

Behörde gibt vorerst keine Auskunft

Doch Klarheit herrscht in dem Fall offenbar noch immer nicht. Die Behörde verweigert zu den Vorgängen nämlich jede Auskunft. Kreissprecherin Julia Bjar teilt lediglich mit, dass man sich in einem laufenden Verfahren befinde und sich deshalb nicht äußern werde. So bleibt im Unklaren, was das Amt der Tierhalterin genau vorwirft und welche Auflagen im Vorfeld der Razzia veranlasst wurden.

Ohne Antwort bleibt auch die Frage, wie viele der meist hochbetagten Vierbeiner die Aktion der Behörde lebend überstanden haben und wie der Rest vermittelt werden soll oder schon ist. Schließlich muss auch geklärt werden, wie es mit den 18 Pferden auf der Ranch weitergeht. Simone Pinkert selbst will auf den Großteil der Herde verzichten, in Zukunft nur sechs auf ihrem Grundstück halten. 

Ähnliche Fälle gibt es immer wieder

Doch ist das Geschilderte ein Fall von Animal Hoarding (Tiersammelsucht) oder hat hier eine Behörde unverhältnismäßig hart durchgegriffen? Ähnliche Vorfälle gibt es immer wieder. Erst vor ein paar Tagen musste sich ein Tierhalter vor dem Bautzener Amtsgericht wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz in 162 Fällen verantworten.

Die dort geschilderten Missstände - tote Tiere in den Ställen und Schweine, die sich von den Kadavern ihrer Artgenossen ernährten - sind mit den Verhältnissen auf der Little Pony Ranch nicht vergleichbar. Der Mann bekam vom Gericht ein lebenslanges Tierhaltungsverbot und zusätzlich sieben Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Ganz anders stellt sich ein Fall in Reichenbach dar. Dort hält ein Mann auf dem Grundstück des ehemaligen Rundfunksenders insgesamt 35 Tiere. Denen geht es offenbar gut, auch wenn das manchen Kritikern nicht gefällt und sie "Tierquäler" an den Zaun gesprüht haben.

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