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Bekenntnis zur Strecke Döbeln-Meißen

Der Verkehrsverbund Mittelsachsen fällt einen Grundsatzbeschluss. Die Ergebnisse eines Gutachtens liegen vor.

Fährt zukünftig wieder ein Zug von Döbeln bis nach Meißen und vielleicht sogar bis nach Dresden? Die Verkehrsverbünde wollen sich an einer Reaktivierung der Strecke beteiligen. Was das kostet, steht jetzt fest.
Fährt zukünftig wieder ein Zug von Döbeln bis nach Meißen und vielleicht sogar bis nach Dresden? Die Verkehrsverbünde wollen sich an einer Reaktivierung der Strecke beteiligen. Was das kostet, steht jetzt fest. © Dietmar Thomas

Döbeln/Chemnitz. Gibt es doch eine Zukunft für die Bahnstrecke zwischen Döbeln und Meißen? Geht es nach dem Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (ZVMS) dann ja. In einem Grundsatzbeschluss haben sich die Mitglieder des Verbandes bei der jüngsten Zusammenkunft für die Reaktivierung dieser sowie dreier weiterer Bahnstrecken im Verbandsgebiet ausgesprochen.

Hintergrund war eine Anfrage des Erzgebirgskreises zur Verbindung zwischen Pockau und Marienberg, die ebenfalls wiederbelebt werden soll. Doch neben jener gebe es noch weitere in Sachsen, die aufgrund ihrer Erschließungswirkung, Struktur, Entfernung sowie der potenziellen Nachfrage mit anderen, bereits aktiven Nebenstrecken in Sachsen vergleichbar sei. 

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Der Verband habe vor der Entscheidung gestanden, einzeln über die Strecke Pockau-Marienberg zu entscheiden oder sich in einem Grundsatzbeschluss für die vier ähnlichen Strecken auszusprechen, erklärte VMS-Infrastrukturchef Mathias Corda.Die Verbindung zwischen Döbeln und Meißen sei eine wesentliche Strecke. Es bestehe der klare Wunsch zur Reaktivierung, machte Corda deutlich. „Wenn diese wieder in Betrieb gehen wird, dann soll es auch eine durchgehende Verbindung nach Dresden geben“, ergänzte der VMS-Mitarbeiter. 

Wie viel Geld in die Reaktivierung der Strecke investiert werden muss, sei noch nicht klar. „2019 war ein Planungsbüro da. Das sollte uns wissen lassen, wie viel investiert werden muss. Aber die Ergebnisse liegen noch nicht vor“, erklärte Corda zur Verbandsversammlung.

Ergebnisse nach den Sommerferien

Seit vergangener Woche ist das anders. „Die Ergebnisse der Untersuchung zu den Infrastrukturkosten liegen inzwischen vor und werden derzeit intern bewertet. Ich bitte um Verständnis, dass wir derzeit noch keine Aussage dazu treffen können“, hieß es dazu aus dem Sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Jenes hatte das Gutachten bei dem Dresdner Institut Bahnkonzept in Auftrag gegeben. Eine Aussage zu den Ergebnissen werde allerdings voraussichtlich erst nach den Sommerferien möglich sein.

Was bisher aber feststeht, sind die errechneten Betriebskosten für die Strecke. Sie belaufen sich auf rund zehn Millionen Euro. „Das ist relativ hoch und kann nicht alles allein vom VMS getragen werden“, so Corda.

„Sobald das Gutachten vorliegt, wissen wir, wie viel Geld notwendig ist. Dann kann die Politik entscheiden, wie es weitergeht“, sagt Landtagsabgeordneter Henning Homann (SPD). Er selbst halte bis auf weiteres an der Wiederbelebung fest. Ob zukünftig auf der Strecke, die derzeit teilweise von der Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie betrieben wird, wieder Personenzüge fahren, liege aber letztendlich in der Verantwortung der Verkehrsverbünde. „Auch sie sind dafür zuständig, die Finanzierung zu klären“, so Homann. Ohne Geld von den Zweckverbänden werde es nicht gehen.

Überregionales Interesse an der Strecke

Doch schon allein der Grundsatzbeschluss des VMS hat in Bahn-Kreisen für Aufsehen gesorgt. „Erstmals seit Jahren bekennt sich der VMS klar zur Reaktivierung von Eisenbahnstrecken in der Region und möchte diese aktiv unterstützen. Das ist ein Kurswechsel und bindet endlich die Mittelzentren wieder an das Schienennetz an“, so Markus Haubold, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn für die Region Südwestsachsen. Nun sei der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) am Zug und müsse sich ebenfalls zu der Strecke bekennen, ergänzte Anja Schmotz, stellvertretende Vorsitzende von Pro Bahn Mitteldeutschland.

Dies ist bereits geschehen. Der VVO hatte sich schon im November 2018 für die Reaktivierung der Strecke ausgesprochen. Diese dürfe jedoch nicht zulasten der Busverbindungen gehen, deren Angebot im Zuge der Einstellung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke erweitert worden ist. Rund 115.000 Fahrgäste habe der VVO dadurch zusätzlich gewonnen. Die Strecke Döbeln-Meißen war im Dezember 2015 aufgrund von Kürzungen von Landesmitteln sowie einer geringen Nachfrage von rund 200 Reisenden pro Tag beziehungsweise rund 13 Fahrgästen pro Zug eingestellt worden. Vorher waren allerdings die Taktzeiten geändert worden.

Verbindung bis Dresden hat Potential

Nachdem nun wieder mehr Gelder im Landeshaushalt für den Öffentlichen Personennahverkehr zur Verfügung stehen, steht die Reaktivierung zur Debatte. Die VVO hat bereits eine entsprechende Potenzialanalyse durchgeführt, Diese hat ergeben, dass eine Wiederbelebung der Strecke und eine Erweiterung der Verbindung bis nach Dresden durchaus Potential hat.

Beachtung findet die Bahnstrecke auch in der aktualisierten Liste zu reaktivierender Strecken des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Allianz pro Schiene (ApS). Als Grund für die dort vorgeschlagene Wiederaufnahme des Betriebes der 39 Kilometer langen Strecke wird die Erschließung einer bisher vom Schienenpersonennahverkehr (SPNV) unterversorgten Region zur Herstellung eines besseren Grundangebotes im öffentlichen Verkehr angegeben. Die Reaktivierung ist zudem mit der Priorität „dringend“ angegeben. Der Aufwand wird als gering eingeschätzt, die Wiederinbetriebnahme sei demnach zügig zu realisieren.

Sebastian Walther, Kreisvorsitzender der Grünen in Mittelsachsen, macht sich nun dafür stark, dass die Gelder aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) auch in der Region ankommen. Denn die Bundesregierung hat abgenickt, dass die Mittel von derzeit 332 Millionen Euro auf etwa 665 Millionen Euro im Jahr 2020 und auf eine Milliarde Euro ab 2021 aufgestockt werden. Eine weitere Erhöhung ist 2025 auf dann zwei Milliarden Euro vorgesehen. Ab 2026 soll dieser Betrag erneut um 1,8 Prozent jährlich steigen.

„Jetzt muss kräftig geklotzt werden, damit auch Strecken in Mittelsachsen bei den Bundesprogrammen dabei sind“, so Walter. Gefragt sei nun auch Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD). „Ich erwarte, dass Verkehrsminister Dulig alle Hebel in Bewegung setzt, damit das GVFG-Bundesprogramm auch für sächsische Projekte in Anspruch genommen wird.“

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