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Was sind die Optionen für Heidenaus Real?

Die Märkte sind verkauft, doch damit ist die Unsicherheit nicht zu Ende. Wer hat Interesse an Heidenau und wer nicht und was könnte noch passieren?

Verkauft - und nun?
Verkauft - und nun? © Daniel Förster

Im Heidenauer Real läuft scheinbar alles wie immer. Die Kunden gehen einkaufen, trinken Kaffee, heben Geld bei der Sparkasse ab und besuchen die Läden nebenan. Offiziell ist noch nichts bekannt, was die Zukunft des Marktes betrifft. Klar ist lediglich, dass die Metro AG die Real-Sparte, zu der unter anderem 276 Märkte gehören, an die SCP Group verkauft. Die Investmentgesellschaft  mit Sitz in Luxemburg will gemeinsam mit ihrem Partner, der x+bricks Group, das Unternehmen neu positionieren. Das heißt, ein Großteil soll weiterverkauft werden, 50 Filialen sollen für zwei Jahre Real-Markt bleiben, 30 Standorten droht die Schließung. 

Was von all den Varianten trifft nun auf Heidenau zu? Mitarbeiter erzählen, dass Heidenau wohl zu den Märkten gehört, die zunächst zwei Jahre weitergeführt werden. Manche sehen es auch pragmatisch. Man sei schon mehrfach verkauft worden und immer ging es weiter. Vor über 20 Jahren öffnete der Markt als Wertkauf, war dann mal Walmart und ist seit 2007 Real.

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Welche Interessenten und Optionen gibt es für Heidenau und was bedeuten sie? 

Edeka

Edeka ist einer der Namen, die im Zusammenhang mit der Real-Zukunft immer wieder fallen. Doch der genossenschaftlich organisierte kooperative Unternehmensverbund im deutschen Einzelhandel hat definitiv kein Interesse, sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Der Real sei von der Fläche viel zu groß. Zudem eröffnet Edeka Mitte des Jahres im Pirnaer Scheunenhofcenter neu.  

Kaufland

Kaufland ist der zweite Name, der immer wieder auftaucht, wenn es um Real geht. Dass am Heidenauer Markt aber künftig Kaufland steht, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Das Kaufland im Dresdner Kaufpark Nickern ist keine zehn Kilometer entfernt, in die andere Richtung gibt es in Pirna gleich zwei Märkte, in Copitz und auf dem Sonnenstein.  Außerdem dürfte auch für Kaufland der Heidenauer Real-Markt zu groß sein. Kaufland selbst äußert sich nicht. 

Globus

Globus ist da schon gesprächiger. Das Einzelhandelsunternehmen mit Sitz in St. Wendel wird als einer der Real-Interessenten gehandelt. Das bestätigt Sprecher Johannes Scupin für einige Standorte. "Wir sind davon überzeugt, dass wir diese Standorte mit unserem Konzept des produzierenden Lebensmittelhändlers revitalisieren, den Mitarbeitern vor Ort eine sichere Zukunft geben und weitere Arbeitsplätze schaffen können", sagt er. Für Globus als Familienunternehmen mit mittelständischer Struktur komme dabei jedoch nur eine begrenzte Anzahl an Standorten infrage. Ob Heidenau oder auch Bannewitz dazu gehören, will Scupin aktuell nicht sagen. In Dresden jedenfalls kommen sie mit der geplanten Ansiedlung nicht wie gewünscht voran. Da könnten Heidenau oder auch Bannewitz eine gute Alternative sein.

Doch so richtig glaubte Globus wohl nicht daran, einen oder eben auch mehrere Real-Märkte abzubekommen. "Gegenüber den ebenfalls interessierten Marktführern, die aufgrund ihrer Marktmacht große Standort-Pakete übernehmen könnten, befinden wir uns in einer schwächeren Ausgangsposition", sagt Scupin. Man müsse die nun anstehenden Gespräche abwarten.

Galgenfrist

Gehört der Heidenauer Standort zu den voraussichtlich 50 Real-Märkten, die noch zwei Jahre weitergeführt werden, wertet das die Stadtverwaltung als nicht mehr als eine Galgenfrist. Die Kunden können zwar weiter einkaufen und die Mitarbeiter behalten vorerst ihre  Arbeitsplätze. Doch in diesen zwei Jahren würde höchstwahrscheinlich nichts oder nicht viel investiert. Dabei hätte es der Markt inzwischen nötig. Schon 2014 wurden Umbauten beantragt und genehmigt. Es sollten zusätzliche Läden und Fachmärkte und der Eingangsbereich neu gestaltet werden. Geschehen ist bisher nichts. Wenigstens einige kosmetische Veränderungen würden dem Markt gut tun. 

Leerstand

Leerstand ist die von allen Varianten wohl schlimmste für Heidenau. Leerstand bedeutet Verfall, Vandalismus, missbräuchliche und illegale Nutzung. Mit jedem Tag Leerstand sinkt die Chance, dass das Gebäude einen neuen Nutzer findet. Beim einstigen Praktiker-Baumarkt schräg gegenüber hatte es zunächst zwei Jahre gedauert, da auch die Stadt vergeblich einen neuen Käufer suchte. Dann wurde das Gebäude über Nacht vom Freistaat zur Flüchtlingsunterkunft gemacht. Nach weniger als einem Jahr stand es wieder leer. Inzwischen gehört es den Möbelwerken Heidenau.  

Verhungern würde in Heidenau wohl selbst bei einer Schließung des Real-Standortes  niemand. Doch Real - das ist nicht nur der eigentliche Markt, sondern dazu gehören  etliche Geschäfte, wie zum Beispiel Heidenaus einziger Schuhladen, eine  Apotheke, Lotto- und Zeitungsladen, Backwarenverkauf mit Café sowie ein Blumengeschäft. 

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So ein großes leeres Gebäude mit einem riesigen Parkplatz am Ortseingang macht auch nicht gerade den besten Eindruck. Und ob es, wie beim Praktiker, letztlich eine Lösung durch einen Betrieb geben könnte,  ist fraglich. 

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