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Real will wachsen

Vier Fachmärkte sollen hinzukommen. Heidenaus Innenstadt-Händler sehen das nach dem ersten Schrecken entspannt.

Von Heike Sabel

Schuhe, Drogerieartikel, Textilwaren sowie Elektronikgeräte und Computer wird es künftig noch mehr im Real-Markt geben. Jeweils zwei Fachmärkte sollen rechts und links vom Eingang angebaut werden. Außerdem ist eine Neuaufteilung des Eingangsbereiches vorgesehen. Die nie besonders gut angenommene Verkaufsfläche im oberen Teil wird stillgelegt und dann als Lager genutzt. Soweit die Pläne.

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Die werden heute dem Stadtrat vorgestellt. Der hat über eine entsprechende Bauvoranfrage von Real zu entscheiden. Genehmigungen muss das Vorhaben dann das Landratsamt. Doch der Erweiterung steht nichts entgegen, sagt Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU). Der geltende Bebauungsplan lasse die Erweiterung so zu. Eine Sortimentsbeschränkung ist darin nicht verankert. „Es gibt also nichts zu kritisieren“, sagt Opitz und hofft, dass der Stadtrat das heute auch so sieht. So wie inzwischen auch die innerstädtischen Händler.

Nach einer ersten Schrecksekunde werten sie die Real-Erweiterung nüchtern, entspannt bis leicht positiv, sagt Zentrumsmanagerin Katrin Geißler nach Absprache mit dem Händlerverein. Der Grund: Solche Verkaufsflächen von 500 bis 1 000 Quadratmetern kann die Innenstadt gar nicht bieten. Die Fachmärkte gefährden also nicht die Wiederbelebung leerer Geschäfte in Heidenau. Außerdem sind die Fachmarkt-Branchen bereits mehr oder weniger im Realmarkt vorhanden.

Im Heidenauer Einzelhandelskonzept, das der Stadtrat vor vier Jahren beschlossen hat, wurden die Angebote untersucht und Bedürfnisse abgeleitet. Für Schuhe wurde beispielsweise ein Angebotsdefizit festgestellt. Auch in der Elektronik und Unterhaltungsbranche war die Gesamtverkaufsfläche unterdurchschnittlich. Bei den Drogeriewaren bestand hingegen schon mit Blick auf die Eröffnung von Rossmann auf der Bahnhofstraße kein weiterer Bedarf. Insgesamt bedeuteten die rund 54 000 Quadratmeter Verkaufsfläche überdurchschnittlich viel. Nichts geändert hat sich an dem Fakt, dass die Innenstadt daran einen verhältnismäßig geringen Anteil hat.

Manches aus dem Konzept ist inzwischen überholt. So hat das einzige Buchgeschäft geschlossen, Foto-Leo gibt es nicht mehr, und mit Praktiker ist auch der Baumarkt gegangen. Gleichzeitig ist unter anderem der Schwarze Netto hinzugekommen, obwohl das Angebot an Lebensmitteln bereits mehr als ausreichend ist.

Praktiker für Baumarkt reserviert

Nach fast 20 Jahren und drei Betreibern war eine Veränderung bei Real nur eine Frage der Zeit. 1996 eröffnete der Markt als Wertkauf, später zog Wal-Mart ein. Als sich das amerikanische Unternehmen aus Deutschland zurückzog, wurde auch Heidenau Anfang 2007 geschlossen. Am 1. März 2007 eröffnete an der Stelle der Real-Markt. Die Real-Zentrale in Mönchengladbach will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu etwaigen Veränderungen am Standort Heidenau äußern.

Die Händler aus dem Heidenauer Zentrum haben nur eine Bitte: dass sich im leeren Praktiker-Baumarkt nicht etwas Ähnliches wie bei Real entwickelt. „Da sollte die Stadt drauf achten“, sagt Katrin Geisler.

Hat sie schon vorsorglich. Denn im Bebauungsplan für das Praktiker-Gebiet ist explizit ein Bau- und Gartenmarkt vorgesehen. Deshalb hat Bürgermeister Opitz auch schon etlichen Nachfragen Absagen erteilt.

Für die kleinen Geschäfte in der Innenstadt gibt es noch genug Branchen, die sich hier ansiedeln könnten. Ein Buchladen wie gesagt. Und viele andere, die nicht gleich 1 000 Quadratmeter brauchen.

Stadtrat, heute, 18.30 Uhr, Rathaus