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Keine Panik bei seltsamen Rechnungen

Inkassoforderungen beschäftigen momentan den Görlitzer Verbraucherschutz. Die Ansprüche werden dreister.

Katrin Pötschke ist in Görlitz beim Verbraucherschutz am Demianiplatz beschäftigt. Sie berät und hofft auf weitere Mitarbeiter im Büro.
Katrin Pötschke ist in Görlitz beim Verbraucherschutz am Demianiplatz beschäftigt. Sie berät und hofft auf weitere Mitarbeiter im Büro. © Archivbild: Pawel Sosnowski

Manchmal trudeln der Geschäftsstelle der Verbraucherzentrale sogar Krankenscheine ein. „Wenn die Leute nicht wissen, wohin damit, schicken sie sie eben zu uns“, schildert Katrin Pötschke. Sie ist derzeit die einzige Vertreterin der Verbraucherzentrale Sachsen in Görlitz und hofft auf bessere Zeiten. Zwei oder sogar drei Kolleginnen oder Kollegen, die Ratsuchende beraten, das ist ein Ziel. „Aber noch ist nichts spruchreif“, betont Katrin Pötschke. Das Problem: Wer Verbraucher berät, muss Experte sein, möglicherweise auch juristisch geschult. „Es ist schon schwierig, geeignete Leute zu finden“, sagt Katrin Pötschke. Auch ein Umzug aus der zweiten Etage des Hauses am Demianiplatz nicht, obwohl schön wäre es wohl für die Verbraucherschützer schon, so ein neues Domizil etwas näher an der „Zielgruppe“.

So oder so: Katrin Pötschke hat im vergangenen Jahr 560 Kunden beraten, gab über 1 000 Auskünfte. Die Verbraucherzentrale hat in und um Görlitz 25 Vorträge gehalten, damit in etwa 850 Interessierte erreicht. Die Probleme, sagt die Verbraucherschützerin, seien im Vergleich zum vergangenen Jahr nicht weniger geworden und auch vom Thema her hat sich nicht wesentlich viel verändert. „Die ganz großen Schwerpunkte“, sagt Katrin Pötschke, „gibt es nicht.“ Aber doch einige, die auffallen.

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Unberechtigte Inkassoforderungen sind derzeit ein Problem

Die Schreiben, die von unseriösen Inkassofirmen kommen werden in der Forderung immer dreister und die Beträge immer größer – das ist die Erfahrung der Verbraucherzentrale in Görlitz. „Man erkennt die unseriösen Forderungen beispielsweise an der mangelhaften Rechtschreibung“, sagt Katrin Pötschke. Die Absender ändern sich, der Wortlaut bleibe aber im Prinzip gleich. Neuerdings gebe es Forderungen, die ab 250 Euro beginnen und im vierstelligen Bereich enden. Meist stehe eine deutsche Adresse als Absender auf dem Schreiben, das Geld geht dann – wenn gezahlt – allerdings ins Ausland. Wohin, das kann Katrin Pötschke auch nicht so genau sagen. Ob Europa oder anderswo: „Es gibt kein Land, wo das Geld am Ende nicht landen kann“, sagt sie. Ihr Tipp: Bei auffällig unseriösen Inkassoschreiben, etwa wegen ominöser Gewinnspielforderungen, am Besten gar nicht reagieren. „Es bringt auch nichts, schriftlich Widerspruch einzulegen. Man wird keine Antwort von einer Briefkastenfirma erhalten“, sagt Katrin Pötschke. Sie kennt einen Fall, in dem eine Frau bereits drei Mal gezahlt hat – und immer weitere Forderungen erhielt.

Vorsicht bei der Wahl der Partnervermittlung

Ob im Internet oder ganz klassisch per Anzeige in der Zeitung – bei Partnervermittlungen rät Katrin Pötschke zur Vorsicht. In die Falle gehen sowohl Frau wie Mann. „Es gibt Partnervermittlungen, bei denen die Vertreter direkt ins Haus kommen. Dann wird ein Vertrag geschlossen und vielleicht sogar bar bezahlt“, so die Verbraucherschützerein. Im schlimmsten Fall gebe es aber keine Widerrufsbelehrung und der oder die Betroffene weiß nicht, was nach Vertragsabschluss passiert. Für die Verbraucherschützer ist das allerdings auch schwieriges Terrain. „Wenn dann drei Vorschläge für einen Partner kommen und dennoch keiner passt, können wir natürlich auch nichts machen“, so Katrin Pötschke.

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Von 400 bis über 1 000 Euro – so teuer kann es werden, wenn man sich aus der Wohnung ausgesperrt hat. Und einen Schlüsseldienst ruft, der nicht so ganz seriös herüberkommt. Die entprechenden Dienste haben ihren Hauptsitz meist in Nordrhein-Westfalen, so Katrin Pötschle. „Wer einmal bezahlt hat, da ist das Geld weg“, so die Verbraucherschützerin. Eine Klage durchzusetzen sei schwierig. Ihr Tipp: nach Firmen aus der Region schauen und von vorherein nach einem Festpreis fragen.

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