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Rededuell abgelehnt

Bürgermeisterkandidat Thomas Kunack scheut die direkte Konfrontation. Das beschäftigt sogar einen Politikprofessor.

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© Marko Förster

Von Gunnar Klehm

Der Vorsprung ist deutlich. Der Zweitplatzierte im ersten Wahlgang muss sich etwas einfallen lassen, um noch irgendwie aufzuholen. Am 7. Juni erhielt Thomas Kunack, der Kandidat der im Stadtrat vertretenen Wählervereinigung Tourismus, 49,8 Prozent der gültigen Stimmen. Steffen Kunze erhielt 29,2 Prozent. Er war als Einzelkandidat angetreten. Beide hoffen nun darauf, möglichst viele Sympathisanten von Ronald Schulz auf die eigene Seite ziehen zu können. Denn Schulz, den die CDU nominiert hatte, tritt nicht mehr an.

Thomas Kunack. Foto: privat
Thomas Kunack. Foto: privat

Steffen Kunze hat nun große Hoffnungen in einen direkten Vergleich gesteckt. In einem Rededuell hätte er sich gern mit seinem Konkurrenten gemessen und die in Bad Schandau anstehenden Themen abgearbeitet. In seiner Einladung zu einer Podiumsdiskussion hatte Kunze CDU-Stadtrat Rolf Böhm als Moderator empfohlen, weil „der ein von allen Seiten anerkannter Bürger sein dürfte“.

Doch zu der direkten Konfrontation der beiden verbliebenen Kandidaten ist es nicht gekommen, weil Thomas Kunack dankend abgelehnt hat. Zum einen könnte das Taktik sein, um jetzt in der Endphase des Wahlkampfs keine Angriffsfläche mehr zu bieten. In seiner Absage, die der SZ vorliegt, hat er aber auch erklärt: „Alle Kandidaten haben im bisherigen Wahlkampf die vielfältigen Gelegenheiten genutzt, um ausreichende Standpunkte zum Thema Bürgermeisterwahl darzulegen. Deshalb sehe ich auch kaum Ansätze für weitere Debatten, wenn sie vor allem nicht nur ein Propagandaauftritt oder plakative Versprechungen bieten sollen.

Das Thema Rededuell beschäftigt auch Bad Schandaus Stadtrat Mathias Klimmer, der zur CDU-Fraktion gehört. Er hätte gern beide Kandidaten in einer Podiumsdiskussion gesehen. Thomas Kunack sei ein lieber, netter Mensch, warum er sich jedoch einer Podiumsdiskussion verweigert, versteht Klimmer nicht. „Man muss sich doch auch seinen Gegnern stellen“, sagt er. Ob er mit dieser Auffassung richtig liegt, da hat er sogar beim Dresdner Politikprofessor Werner Patzelt nachgefragt. Und prompt eine Antwort bekommen. Die steht inzwischen in voller Länge auf der Facebookseite von Steffen Kunze. „Sich einer gewünschten Diskussion nicht zu stellen, ist nicht der beste Stil, freilich ein gutes Recht – das man natürlich öffentlich kommentieren darf“, so Patzelt. Wäre er Kandidat, würde er trotzdem eine Veranstaltung organisieren und sagen, was er zu sagen hätte.

Kunack verweist darauf, sich keinesfalls versteckt zu haben. Nach eigenen Angaben hat er sich auf acht öffentlichen Veranstaltungen präsentiert, dazu Gespräche mit allen Ortschaftsräten und an allen Feuerwehrstandorten geführt. Wer ihm thematisch auf den Zahn fühlen wollte, hatte dazu ausreichend Gelegenheit, so Kunack. Einmal waren auch seine Gegenkandidaten dabei gewesen.

„Mein Favorit war Ronald Schulz“, sagt Klimmer. Weil der nun nicht mehr antritt, hätte er sich gern noch mal ein Bild von den verbleibenden Kandidaten gemacht. Den direkten Vergleich bekommt er nun nicht. Wer jetzt noch mal sämtliche Standpunkte vergleichen will, hat es schwer. Kunack schaltet dazu nur noch eine Anzeige im Amtsblatt. Steffen Kunze verteilt noch einen Flyer an alle Haushalte, wie er sagt.