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Reden wir über Sex

Jenseits von Oswald Kolle: Die Sexologin Ann-Marlene mischt locker-flockig den MDR auf.

© star-media

Von Johanna Lemke

Sex im Fernsehen, das gab es bisher unter vielsagenden Titeln wie „Peep“ oder „Liebe Sünde“, mit vollbusigen Moderatorinnen und pseudo-anrüchigen Clips über Kondomgeschmack oder Stellungswechsel, hochglänzend wie ein Kunstprodukt. Nun gibt es Sex im Fernsehen, wie er „wirklich“ ist – und das ausgerechnet im Mitteldeutschen Rundfunk. Dort heißt es jetzt noch vier Wochen immer sonntags „Make Love – Liebe machen kann man lernen“. Wie bitte, Sex-Fernsehen im MDR?

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Aber eigentlich ist alles ganz harmlos – dank Ann-Marlene Henning. Sie ist Sexualtherapeutin, „Sexologin“, wie sie selbst sagt. Und sie macht sich gut gelaunt, ohne künstliche Laszivität auf die Suche danach, wie die Deutschen Sex machen, was ihnen fehlt und wie man ihnen helfen kann. Henning erklärt die weibliche Prostata, fragt Bauarbeiter nach ihrem Sexleben und lässt Kinder Penisse malen.

Die gebürtige Dänin Ann-Marlene Henning, die in Hamburg lebt, hat vor einem Jahr ein Buch veröffentlicht, das heißt wie jetzt ihre Sendung: „Make Love“. Es ist ein Aufklärungsbuch, locker aufgemacht, mit vielen Grafiken und Abbildungen. Bemerkenswert ist die unverkrampfte Umgangsweise mit Masturbation, Sex und Co. Parallel führt Henning einen Blog zum Thema, inklusive kleiner, informativer und ebenso unterhaltsamer Videos. Und ebenso locker tritt Ann-Marlene Henning nun auch in der MDR-Sendung auf, wenn sie mit ihren Interviewpartnern über deren Sex-Frequenz spricht oder mal eben auf dem Hamburger Flughafen „Stoßübungen“ für Männer übt. Da lacht sie auch mal laut mit, weil Sex eben auch lustig sein darf. Bewusst verzichtete Henning auf makellose Models: Die Sendung zeigt durchaus explizite Sexszenen. Aber nur mit „normalen“ Menschen.

Die Quoten der ersten Sendung von „Make Love“ waren für die Sendezeit von nach 22 Uhr ziemlich gut, rund eine Million Zuschauer sahen in ganz Deutschland zu. Auch die Kritiker waren rundum angetan. Es scheint fast, als hätte eine ganze Menge Menschen gerade auf diese Sendung gewartet. Und auf Ann-Marlen Henning, deren Credo lautet: „Über Sex spricht man nicht – ich schon.“

„Make Love – Liebe machen kann man lernen“, jeden Sonntag bis 1.12., 22.20 Uhr, MDR.