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Pirna

„Reduzierung der Liga ist überfällig“

Uwe Rahle, Übungsleiter beim SV Wesenitztal, glaubt nicht an ein reguläres Saisonende in der Fußball-Landesklasse, fordert aber die Umsetzung der Reform.

„Es gibt derzeit wichtigere Fragen als Gerechtigkeit beim Auf- und Abstieg“ sagt Uwe Rahle, Trainer des SV Wesenitztal.
„Es gibt derzeit wichtigere Fragen als Gerechtigkeit beim Auf- und Abstieg“ sagt Uwe Rahle, Trainer des SV Wesenitztal. © Marko Förster

Die Fußball-Saison ist unterbrochen, auch in der Landesklasse Mitte. Für den 27. und 28. März hatte der Sächsische Fußball-Verband (SFV) eine Vorstandssitzung anberaumt, in der die Beschlussfassung „Struktur-Reform“ erfolgen sollte. Das Treffen wurde inzwischen vom SFV abgesagt. Doch wie gehen die Vereine der 7. Liga mit der unklaren Situation um? Im SZ-Gespräch gibt Uwe Rahle, Trainer des Tabellenvierten SV Wesenitztal, Antworten.

Herr Rahle, wie sehr fehlt Ihnen schon jetzt der Fußball-Alltag?

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Wir haben bis zum 12. März regulär trainiert und zuvor auch gespielt, die Entzugserscheinungen halten sich also momentan noch in Grenzen. Letzten Montag hat der Verein entschieden, alle sportlichen Aktivitäten zumindest bis Anfang April einzustellen. Es findet also definitiv kein Fußball statt, insofern werden die Entzugserscheinungen wohl noch kommen.

Wie sind Sie terminlich mit Ihren Spielern verblieben?

Im Moment gibt es noch keinerlei Absprachen. Aus meiner Sicht ist das momentan auch hoffnungslos, da es ja quasi stündlich neue Entwicklungen gibt. Sobald das aber wieder möglich sein sollte, steigen wir sofort wieder in das Training ein - unabhängig von statt- oder nicht stattfindenden Spielen.

Bekommen die Spieler einen Plan an die Hand, welche Einheiten sie im eigenen Garten oder wo auch immer regelmäßig durchführen sollen?

Bisher nicht. Grundsätzlich dürfte das auch recht kompliziert werden. Fitness-Studios oder andere Möglichkeiten fallen ja aus. So bleiben eigentlich nur individuelle Lauf- oder Krafteinheiten und wie lange das noch funktioniert, wissen wir auch nicht. Hier ist aus meiner Sicht momentan zuerst einmal jeder Spieler selbst gefragt, das Mögliche zu tun.

Was sagt Ihr Bauchgefühl, geht es weiter oder wird die Saison abgebrochen?

Momentan kann ich mir nur schwer vorstellen, dass die Saison regulär beendet wird. Selbst wenn vielleicht in vier Wochen wieder Fußball gespielt werden könnte, wäre im Amateurfußball der terminliche Notstand wohl zu groß, um alle ausstehenden Spiele bis Mitte Juni zu absolvieren.

Angenommen, es wird abgebrochen, wie würden Sie den Auf- und Abstieg in der Landesklasse dann regeln?

Ganz schwierige Frage, und zum Glück muss ich diese Entscheidung nicht treffen. Es wird auf jeden Fall zu Ungerechtigkeiten in irgendeiner Form führen. Allerdings sollten wir uns alle einig sein, dass es derzeit wichtigere Fragen gibt als Gerechtigkeit beim Auf- und Abstieg.

Die geplante Landesklassen-Reform für 2021/22 ist plötzlich in den Hintergrund gerückt, anderseits können die Vereine sich eingehend mit dem Thema befassen. Was halten Sie von drei Staffeln mit 48 statt 60 Mannschaften?

Die Einführung der vier Staffeln war ein Fehler. Man muss sich nur die Vielzahl der freiwilligen Absteiger beziehungsweise der Aufstiegsverzichte ansehen, ganz zu schweigen vom sportlichen Niveau. Die Reduzierung ist überfällig.

Der Verband plant, die Serie 2020/21 als Qualifikationsjahr zu nutzen? Macht das noch Sinn oder sollte man sich mit dem Gedanken beschäftigen, alles um ein, zwei Jahre zu verschieben?

Wie auch immer die Regelungen zu Auf- und. Abstieg aussehen werden, sollte das aus meiner Sicht auf keinen Fall verschoben werden. Vielleicht sollten die Vereine auch erst einmal gefragt werden, wer denn eigentlich in dieser drei gestaffelten Liga antreten würde. Eventuell löst sich dann schon Vieles von selbst.

Besteht nicht die Gefahr, dass sich einige Vereine im Qualifikationsjahr finanziell übernehmen, um mit aller Macht in der Landesklasse zu bleiben?

Wenn ich mir ansehe, wie oft in den letzten Jahren Mannschaften aus finanziellen Gründen auf einen Aufstieg in die Landesliga verzichtet haben, glaube ich das nicht. Außerdem müsste jeder Verein diesen Aufwand dann auch in den folgenden Jahren fortführen können. Und es ist ja nun nicht so, dass in der 7. Liga Unmengen von Fernsehgeldern fließen. Ich glaube also eher daran, dass sich einige Vereine freiwillig aus dieser „neuen“ Liga zurückziehen werden.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.