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Reformation in Gesichtern

Das Zentrum für Kultur und Geschichte hat eine besondere Ausstellung entwickelt. Sie ist jetzt in Königsbrück zu sehen.

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© René Plaul

Von Nicole Preuß

Königsbrück. Die Reformation in Wittenberg ist in fast allen Einzelheiten bekannt, die Reformation in Dresden ist zumindest erforscht. Die Reformation in den Landstädtchen der Oberlausitz ist jedoch quasi ein blinder Fleck. Dabei ist die Hinwendung zur neuen Konfession in dieser Gegend besonders spannend.

Die beiden Historiker Lars-Arne Dannenberg und Matthias Donath des Zentrums für Kultur // Geschichte haben sich deshalb auch mit Blick auf das Jubiläum 500 Jahre Reformation eine besondere Aufgabe gestellt. Sie wollten die Geschichte der Reformation in der Region, in Schlesien und Böhmen aufarbeiten und die Informationen in einer Ausstellung zusammenführen. „Die Reformationsdekade begann schon 2008. Aber niemand hat nach Osten geschaut“, sagt Dr. Lars-Arne Dannenberg. Die beiden Historiker haben deshalb die Geschichte in den verschiedenen Landstrichen vergleichend untersucht und besondere Personen herausgegriffen, deren Geschichte sie erzählen wollen.

Wandel in der Region

Valentin Trotzendorf ist so ein Mann. Der Görlitzer Reformer und Protestant entwickelte die erste moderne Schulordnung und beteiligte schon im 16. Jahrhundert Schüler an der Schulverwaltung. Das war damals revolutionär. Der Bautzener Ratsherr und Arzt Georg Mättig steht für die Vernetzung der Städte untereinander. Denn die Reformation in der Oberlausitz war vor allem eine Sache der Sechsstädte und Rittergutsbesitzer. „Reformation von unten“, sagt Lars-Arne Dannenberg. Diese Bewegung zeichnet den Wandel in der Region aus und macht sie auch so besonders. Die Adeligen entschieden für ihre Rittergüter, ob die katholisch blieben oder zum neuen Glauben wechselten. Die Ratsherren hatten ähnliche Wirkung auf die Städte. Und so konnte es sein, dass in Kamenz schon 1536 der erste lutherische Pfarrer eingesetzt wurde. Und in den nahen Klosterdörfern um das Kloster Marienstern der alte Glaube erhalten blieb. Die Landesherren zu der Zeit, die streng katholischen Habsburger, saßen weit weg in Böhmen. Ihr Einfluss war klein. Lars-Arne Dannenberg und sein Kollege haben die Zahlen aus den wenigen überlieferten Quellen herausgesucht. Es zeigt sich dabei: Ein großer Teil der Oberlausitz und Schlesiens wechselte relativ schnell zum neuen Glauben. 1538 wurde zum Beispiel der erste evangelische Pfarrer in Königsbrück eingesetzt.

Auch sorbische Aspekte

Die Ausstellung bleibt aber nicht dabei stehen, sondern schaut auf die weitere Entwicklung, auf Ausbreitung, die Gegenreformation in Schlesien und Böhmen und kommt schließlich zu einer der ersten evangelischen Pfarrerinnen Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung zeigt die Geschichte in Deutsch, Polnisch, Tschechisch und Sorbisch. Viele Sorben wandten sich dem Evangelischen zu. Der evangelische Pfarrer Wenzel Warichius übersetzte Luthers Katechismus ins Obersorbische.

Das Zentrum für Kultur // Geschichte hat die vom Bund geförderte Ausstellung in den vergangenen zwei Jahren schon in vielen Städten gezeigt und zusammen mit dem Kulturraum Einzelprojekte wie Theaterstücke damit verbunden. Jetzt sind die 16 Tafeln in der Königsbrücker Hauptkirche zu sehen. „Wir sind bemüht, während der Kameliensaison immer etwas zu zeigen“, sagt Küster Werner Lindner. Und Reformation passe ins Jubiläumsjahr.

Die Ausstellung in der Hauptkirche kann täglich zwischen 9 und 16 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.