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Bautzen

Regen lässt Bauern wieder hoffen

Die Niederschläge der vergangenen Tage kamen gerade noch rechtzeitig. Trotzdem wirkt die Dürre von 2018 weiter nach.

Geschäftsführer Stefan Triebs prüft den Raps auf einem Feld der Saritscher Agrar GmbH. Die Regenfälle der vergangenen Tag haben den Pflanzen beim Wachstum geholfen. Die Böden sind allerdings noch nicht tiefgründig feucht.
Geschäftsführer Stefan Triebs prüft den Raps auf einem Feld der Saritscher Agrar GmbH. Die Regenfälle der vergangenen Tag haben den Pflanzen beim Wachstum geholfen. Die Böden sind allerdings noch nicht tiefgründig feucht. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Endlich Regen! Stefan Triebs braucht nur zwei Worte, um seine Gedanken in diesen Tagen zusammenzufassen. Wie alle Landwirte, schaute auch der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Bautzen-Kamenz in den vergangenen Wochen oft sorgenvoll zum Himmel: Sonne satt, kein Wölkchen zu sehen. Es ging schon wieder so los wie im Dürrejahr 2018.

Was Ausflügler und Sonnenanbeter freute, trieb Bauern die Sorgenfalten auf die Stirn. Stefan Triebs sogar doppelt, denn er steht nicht nur an der Spitze des Regionalbauernverbandes, sondern führt auch die Geschäfte der Saritscher Agrar GmbH bei Neschwitz. Das Unternehmen konnte 2018 nur etwa die Hälfte des Silagefutters vom Grünland ernten. In diesem Frühjahr will der Betrieb seine stark reduzierten Futtervorräte wieder auffüllen. Doch dazu muss das Futter natürlich wachsen. Und dafür braucht es Wasser.

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Triebs spricht nicht nur für sein Unternehmen, sondern für alle Bauern, wenn er sagt: „Der Regen der vergangenen Tage kam gerade noch rechtzeitig.“ Und weil es kühl blieb und sich der Wind in Grenzen hielt, konnte das Nass auch in die Böden einziehen. Das Grünland kann sich jetzt regenerieren. Trotzdem: Ein zeitiger erster Schnitt war in diesem Jahr nicht möglich. Viele Landwirte haben schon um Ostern von den Feldern geholt, was halbwegs ging. Und sie sahen betroffen, dass etwa der Roggen nicht weiterwuchs, der Raps nicht aufblühte und das Grünland verdorrte.

Pflanzen hinken dem Zeitplan hinterher

Inzwischen blüht der Raps, aber die Pflanzen sind kleiner als sonst. Auch das Getreide wächst wieder, liegt aber ebenfalls hinter dem Zeitplan. „Wenn die Feldpflanzen jede Woche zehn Liter Regen bekommen, dann hilft das schon“, sagt Stefan Triebs. Während der vergangenen Tage seien stellenweise bis zu 22 Liter pro Quadratmeter gefallen – da kommt dem Landwirt schon mal vorsichtig das Wort Entspannung über die Lippen. Zu euphorisch gibt sich der Chef des Regionalbauernverbandes aber nicht: „Wir werden noch sehen, wie sich zuerst die Dürre und jetzt der Regen auf das Getreide ausgewirkt haben.“

Immerhin können die Landwirte jetzt Dünger auf die Felder bringen, den das Getreide zum Wachsen braucht. Bei anhaltender Trockenheit wäre das nicht möglich gewesen, erklärt Stefan Triebs. So könne jetzt der Winterweizen wie geplant gedüngt werden. Und auch Zwischenfrüchte wie Futterroggen brauchen Dünger. Solche Getreidearten bauten die Landwirte im Herbst an, um in diesem Jahr die Ertragsverluste vom Grünland aus dem Vorjahr wieder aufzufüllen. Schließlich brauchen die Rinder etwas zu fressen.

„Das Prinzip Hoffnung regiert wieder“, resümiert der oberste Bauer des Landkreises Bautzen. Vor einer Woche, vor dem Regen, klang das noch ganz anders. Da sagte Triebs, „die Lage bei den Hauptfeldfrüchten, Futterzwischenfrüchten und auf dem Grünland ist durch die anhaltende Trockenheit, die hohen Temperaturen und dem starken Ostwind sehr angespannt. Der Wind hat auch gut angelegte Ackerfutterzwischenfrüchte austrocknen und verdorren lassen.“ Und was einmal verdorrt ist, lässt sich nicht mehr retten.

Böden waren im Vorjahr feuchter

Schon deshalb sieht der Regionalbauernverband zwar Hoffnung, aber keinen Anlass zu Entwarnung. Denn das Defizit an Grundwasser, das das extrem trockene Vorjahr an 2019 vererbt hat, ist noch lange nicht wieder aufgefüllt. Das bestätigt der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Nach seinen Berechnungen waren die Böden im Frühjahr 2018, also zum Beginn der Vegetationsperiode, viel feuchter als jetzt – dank üppiger Niederschläge in den Jahren zuvor. In der vergangenen Woche warnte Udo Busch, Leiter Agrarmeteorologie des DWD: „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden.“ Dann würde die Landwirtschaft in Deutschland auch 2019 mit Ertragseinbußen rechnen müssen.

Ob ein neues Dürrejahr bevorsteht, kann derzeit noch niemand mit Gewissheit sagen. Mit Sicherheit feststellen lässt sich dagegen: Die Bauern in der Bundesrepublik sind nach wie vor sehr viel schlechter gegen Dürre abgesichert als ihre Berufskollegen in vielen anderen Ländern. Denn anders als in Österreich, Frankreich oder den USA gibt es in Deutschland keine staatlichen Zuschüsse für eine Dürreversicherung. Die Agrarminister der Bundesländer haben das Thema dem Bund im vergangenen Herbst auf den Tisch gelegt, doch konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht. Und viele Bauern warten noch immer auf ihre Entschädigung, die ihnen nach der Dürre 2018 zugesagt worden war. (mit dpa)