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Regierungschef soll bei Radweg helfen

Die Weg-Befürworter haben an Sachsens Ministerpräsidenten geschrieben. Die Planungen mussten nochmals überarbeitet werden.

Michael und Luise Kühne aus Roßwein erwarten sehnlichst, dass es mit dem Bau des Striegistalradweges weitergeht. Nachdem der Abschnitt Roßwein-Niederstriegis im Mai 2010 eingeweiht worden ist, fahren die Nutzer ins Nichts.
Michael und Luise Kühne aus Roßwein erwarten sehnlichst, dass es mit dem Bau des Striegistalradweges weitergeht. Nachdem der Abschnitt Roßwein-Niederstriegis im Mai 2010 eingeweiht worden ist, fahren die Nutzer ins Nichts. © - Dietmar Thomas

Roßwein/Striegistal/Hainchen. Als sich der Initiativkreis für den Striegistalradweg vor neun Jahren gründete, dachten die Mitglieder noch, dass ihr Anliegen in wenigen Wochen erledigt ist und die Pläne umgesetzt sind. Da hatten sie sich gewaltig geirrt.

Denn mittlerweile seit 15 Jahren kämpfen die Bürgermeister der Anliegerkommunen Hainichen, Striegistal und Roßwein darum, dass der Radweg auf der seit 2001 nicht mehr genutzten Bahnstrecke zwischen Hainichen und Roßwein auf den noch fehlenden 15 Kilometern Wirklichkeit wird.

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Lediglich die beiden Enden des Weges sind zwischenzeitlich realisiert und nutzbar. Die führen von Roßwein auf dem Hammerweg entlang, vorbei an Fischers Teich bis nach Niederstriegis. Dort ist Schluss, und zwar genau seit dem 7. Mai 2010.

Am anderen Ende führt der Weg von Hainichen bis nach Crumbach und endet dort ebenfalls im Nirgendwo. Was fehlt, ist das etwa 15 Kilometer lange Zwischenstück, das von Crumbach aus über die Kratzmühle, Kaltofen, Böhrigen und Grunau nach Niederstriegis führt. Für einen etwa einen Kilometer langen Abschnitt zwischen Crumbach und Kratzmühle kümmert sich das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) um sämtliche Formalitäten.

Mehr Lebensqualität auf dem Land

Die drei Anliegerkommunen haben den größten Teil der Bahntrasse Roßwein-Hainichen im Jahr 2006 erworben. Ziel war und ist, mit einem sicheren Radweg den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad zu erleichtern. „Für uns ist das außerdem ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität im ländlichen Raum“, erklärt Rainer Merkel, Leiter des Initiativkreises „Pro Striegistalradweg“.

Mit einem Brief an Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer wollen sich die Radweg-Befürworter jetzt erneut Gehör verschaffen. „Wir erleben, dass Herr Kretschmer seit seinem Amtsantritt der direkten Demokratie einen neuen Stellenwert einräumt und hoffen, dass er auch uns weiterhelfen kann“, so Merkel.

Schon mehrfach hatten die Bürger mit öffentlichen Aktionen bekundet, dass sie die Errichtung des Radweges unbedingt wollen. „Im Jahr 2011 haben sich insgesamt 6705 Bürger mit ihrer Unterschrift dazu bekannt“, sagt Rainer Merkel. Die Liste mit den Unterschriften überreichte die Initiative dem damaligen sächsischen Wirtschaftsminister Sven Morlock, der eine schnelle positive Entscheidung versprach und dafür viel Beifall im übervollen Hainichener Rathaussaal erntete.

Doch was das Wort „schnell“ bei Politikern bedeute, erleben die fast 7 000 Bürger nun schon seit acht Jahren, heißt es in dem Schreiben an den Ministerpräsidenten. Die Bürgerinitiative wünscht sich eine spürbare Vereinfachung für die Genehmigungsverfahren von Radwegen. Zudem müsse aus ihrer Sicht die Meinung der Bürger als „außergewöhnliches gesellschaftliches Interesse“ anerkannt werden.

Schicksalsjahr 2020?

Von einer Podiumsdiskussion zu dem Thema wollen die Mitglieder der Bürgerinitiative vor den Landtagswahlen absehen. „Wir befürchten, unsere Glaubwürdigkeit zu verlieren“, sagt Merkel. Von ihrem Ziel wollen die Befürworter aber nicht ablassen: „Der Radweg muss kommen.“

Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD), der sich im Auftrag der Anliegerkommunen um das Projekt kümmert, glaubt sogar, dass das Jahr 2020 ein Schicksalsjahr für den Radwegebau zwischen der Kratzmühle und Niederstriegis werden könnte. 

 Im vierten Quartal dieses Jahres, spätestens aber im ersten Quartal nächsten Jahres sollen die Planungsunterlagen nochmals in den Rathäusern von Roßwein, Striegistal und Hainichen ausgelegt werden. Damit könnte im Verlauf des Jahres 2020 der Planfeststellungsbeschluss gefasst werden. „Wird dieser nicht beklagt, besteht sofort danach uneingeschränktes Baurecht für die rund 15 Kilometer lange Strecke“, teilt Dieter Greysinger mit.

Kurzfristig heißt allerdings, dass noch die Finanzierung zu klären ist, wie Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) auf Anfrage sagt. Er geht davon aus, dass die Kommunen mit Fördergeld für den Bau eines touristischen Radweges rechnen können. Wie hoch die Kosten sein werden, muss allerdings dann noch einmal kalkuliert werden, wenn tatsächlich Baurecht herrscht. 

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