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Regionalbahn soll am Gymnasium halten

Die Bahnlinie Meißen-Nossen könnte durch mehr Haltepunkte attraktiver werden und so auch Fahrgäste gewinnen.

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Von Dieter Hanke

Der gegenwärtige S-Bahn-Ausbau in Meißen hat etliche der ohnehin schon wenigen Fahrgäste auf der Regionalbahn-Strecke nach Nossen vergrault. „Nur die Hartgesottensten nutzen noch diese Linie“, sagt der Nossener Verkehrsexperte Peter Wunderwald. Die Bahn würde auch alles tun, um diese Strecke für Fahrgäste unattraktiv zu machen und so durch eine immer geringere Auslastung dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) Anlass für eine eventuelle Abbestellung der Verkehrsleistungen zu geben. Wunderwald: „Da verschlechterte sich die Zugfrequenz von einem Ein-Stunden- auf einen Zwei-Stunden-Takt. Es gibt keine durchgehende Verbindung nach Dresden mehr.“ Hinzu komme, dass die Deutsche Bahn schon bei einer Auskunft zum Beispiel für eine Zugfahrt von Roßwein oder Döbeln nach Dresden auf die Schnellbuslinie ab Nossen in die Landeshauptstadt verweist. „Es gibt beim derzeitigen Enthaltepunkt der Regionalbahn in Meißen Triebischtal auch keine Hinweise für Fahrgäste auf Schienenersatzverkehr der Bus-Stadtlinie C zum Bahnhof Meißen“, sagt der 48-jährige Nossener. Auch mehrere Leser der SZ hatten dies kritisch vermerkt.

Dabei soll diese Regionalbahn-Strecke im Verkehrsmix für die Bürger eine wichtige Rolle spielen. Auf der kürzlichen Gemeinderatssitzung in Klipphausen wurde diese Forderung von einem Groitzscher Einwohner erhoben. Auch im Nossener Stadtrat im Februar war dieses Anliegen ein Gesprächsthema. Vertreter der Stadt wollen jetzt mit den Bahnverantwortlichen und dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) darüber sprechen, wie die Attraktivität der Strecke erhöht werden kann.

Eisenbahnexperte Peter Wunderwald, der auch Grünen-Stadtrat in Nossen ist, hat dazu schon mehrere Vorschläge. „Die Zahl der Haltepunkte der Bahn im Abschnitt von Meißen nach Nossen sollte erhöht werden“, bemerkte er. Besonders zwischen den zwei Bahnübergängen am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Nossen wäre das vorteilhaft. „Nicht nur die auswärtigen Gymnasiasten, sondern auch die Schüler Dr.-Eberle-Mittelschule könnten davon profitieren. Jetzt müssen sie noch vom Nossener Bahnhof zu ihren Einrichtungen laufen“, so der Verkehrsexperte. Vor allem im Sommer wäre auch ein Bedarfshaltepunkt am Eis-Café Grafe in Eula angebracht. „Viele Ausflügler würden dann die Bahn nutzen“, ist sich Wunderwald sicher.

Auch in Rothschönberg (Ortsmitte), in Garsebach (Abzweig Semmelsberg) oder am Buschbad in Triebischtal (ehemaliger Kleinbahn-Haltepunkt) wären Haltepunkte sinnvoll. „Das würde für Touristen gute Verkehrsangebote schaffen“, sagt der Nossener. Er nennt da in den linkselbischen Tälern die Pechsteinklippen in Garsebach, den Rothschönberger Stolln, das Kalkbergwerk in Miltitz oder auch die Preiskermühle in Semmelsberg sowie den Geo-Lehrpfad, die interessante Ausflugsziele sind. Aber vor allem auch für Berufspendler wären diese Haltepunkte gute Offerten.

Der Eisenbahnexperte regt ferner an, den Bahnhof Miltitz-Roitzschen etwa 200 Meter in nördlicher Richtung (Mühle) zu verlagern. Das würde ebenfalls für Einheimische ein Anreiz sein, vom Auto auf die Bahn umzusteigen. Wunderwald: „Der alleinige Blick auf die Ist-Fahrgastzahlen der Strecke Meißen-Nossen soll eine politisch gewollte Abbestellung dieser Strecke begründen. Wenn hier das Verkehrsangebot ausgedünnt wird und es unattraktive Schienenanbindungen gibt, ist es kein Wunder, dass viele Bürger andere Beförderungsmöglichkeiten nutzen. Das sollte deshalb geändert werden. Die historische Eisenbahnstrecke von Meißen nach Leipzig hat neue Chancen verdient.“