SZ +
Merken

Reibersdorf musste der Kohle weichen

Am 25.Juli 2000 verschlang der Braunkohlentagebau Turow (Türchau) das letzte Grundstück des Ortes Rybarzowice in Polen, des früheren Reibersdorf. Es befand sich im einstigen Oberdorf in der Nähe der Straße nach Bad Oppelsdorf.

Teilen
Folgen

Von Herbert Stöcker

Am 25.Juli 2000 verschlang der Braunkohlentagebau Turow (Türchau) das letzte Grundstück des Ortes Rybarzowice in Polen, des früheren Reibersdorf. Es befand sich im einstigen Oberdorf in der Nähe der Straße nach Bad Oppelsdorf. Bis Ende des Zweiten Weltkrieges war es im Besitz des Bauern Hellmut Schnabel.

Damit hatte Reibersdorf endgültig aufgehört zu existieren. Reibersdorf, das ein Schloss (Besitztum der Familie des Grafen von Einsiedel) mit dahinter liegendem Schlosspark besaß, das Dorf, in dem 1877/78 eine zweiklassige Volksschule erbaut wurde und zu dessen evangelisch-lutherischer Kirchgemeinde auch Sommerau, Wald und Bad Oppelsdorf gehörten, war mit dem fortschreitenden Kohleabbauschließlich nicht mehr zu erhalten.

Erinnerung auf dem Friedhof

Während Gebäude dem Bagger zum Opfer fielen, sind die Gebeine der auf dem Friedhof beigesetzten Einwohner im Jahr 1992 nach dem Friedhof Kopaczow (früher Oberullersdorf) umgebettet worden. Das trifft auch für Gedenktafeln und Gedenksteine sowie das Kriegerdenkmal für die im ErstenWeltkrieg gefallenen Einwohner von Reibersdorf zu. Ein Fotograf aus Bogatynia hat vor der Umsetzung von allen vorhandenen Gräbern Bilder und umfangreiche Dokumentationen angefertigt.

Die umgesetzten Gedenktafeln befinden sich jetzt an der Friedhofsmauer, die sterblichen Überreste in einer Gruft an dieser Mauer. Der Besucher wird mit der Aufschrift „Letzte Ruhestätte der vom Friedhof Rybarzowice exhumierter Verstorbener. Anno 1992“ darauf aufmerksam gemacht.

Das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges ist im hinteren Teil des Kopaczower Friedhofsgeländes zu finden. Dieses Kriegerdenkmal war etwa 1920/21 auf dem Friedhof in Reibersdorf errichtet worden. Zum Zeitpunkt der Umsetzung waren die Steine und Inschriften in stark verwittertem Zustand. Die ganze Reibersdorfer Friedhofsanlage befand sich durch den fortschreitenden Kohleabbau ohnehin in einem verwahrlosten Zustand.

Da es sich bei dem Kriegerdenkmal um die einzige noch sichtbare Erinnerung an Reibersdorf handelt, wurde erfolgreich nach Möglichkeiten gesucht, es zu restaurieren und der Öffentlichkeit als Gedenkstätte zu erhalten. Auf unterschiedliche Weise waren daran das Sächsische Ministerium des Innern, der Heimatverein Reichenau und Umgebung e.V. in Zittau, die Gesellschaft Freunde des Bogatyniaer Landes in Bogatynia (Reichenau) und durch Spenden zahlreiche ehemalige Reibersdorfer Einwohner beteiligt. Auf den 48 Einzeldenkmalen sind jeweils Name, Vorname, Dienstgrad, Geburts- und Sterbetag zu lesen. Anlässlich der VII. Europäischen Kirmes in Kopaczow gab es am 4.Oktober 2008 nach dem ökumenischen Festgottesdienst in der Filialkirche St.Josef auf dem Friedhof eine Gedenkfeier, verbunden mit der Segnung der restaurierten Grabsteine.

Der Heimatverein Reichenau und Umgebung e. V. hat in vier Heften umfangreiche Erinnerungen und Erlebnisse aus dem Leben im und um den ehemaligen Ort Reibersdorf festgehalten.