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Reichenbach kauft Ruine zum Schnäppchenpreis

Ein riesiges Grundstück in Sohland soll attraktiver werden – für Häuslerbauer.

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Von Constanze Junghanß

Die Stadt hat ein riesiges Grundstück in Sohland gekauft. Das besteht aus zwei Flurstücken, die insgesamt 12 380 Quadratmeter groß sind. Bei nur einer Stimmenthaltung stand der Stadtrat fast geschlossen hinter dieser Entscheidung, obwohl der Grundstückserwerb eine außerplanmäßige Ausgabe im Haushalt ist. Die Finanzierung soll über Mehreinnahmen beim Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer gestemmt werden. Kostenpunkt für den Kauf sind rund 25 700 Euro.

Das Ganze hat auch einen Grund. Werden Dorfumbaupläne für Sohland durchgeführt, dann könnte die Stadt Fördermittel für den Abriss der Ruine des ehemaligen „Gasthof Riedwald“ beantragen. Der imposante Bau steht auf dem Gelände an der Dorfstraße. Gasthof und Flächen gehörten einer Erbengemeinschaft, die aber dieses Erbe nicht wollte. Ein Nachlasspfleger aus Görlitz wurde deshalb im Februar 2014 vom Amtsgericht bestellt. Dieser steht nun seit dem Spätherbst des Vorjahres mit der Stadtverwaltung Reichenbach in Kontakt, um nach mehr als 13 Jahren eine Lösung in der Nachlassangelegenheit der 2002 verstorbenen Besitzerin zu erreichen. Doch das war am Anfang gar nicht so einfach. Denn das Amtsgericht ging von einem Gesamtkaufpreis in Höhe von 173 444 Euro aus. Der Quadratmeter hätte somit stolze 14 Euro gekostet. Die Stadtverwaltung wies diese Summe als völlig unrealistisch zurück. Einerseits, weil nur Teilflächen Bauland sind und der Bebauungsplan bei der Ruine gar nicht umsetzbar wäre. Ein Abriss ist nämlich erst dann möglich, wenn der Bebauungsplan geändert wird. Dort ist das desolate Bauwerk jetzt noch als Bestandsgebäude verankert. Ein anderes Argument zur Kostensenkung war, dass der Abriss der ruinösen Gaststätte sowie einer oberhalb davon befindlichen Betonfläche – dem alten Festplatz – gegenzurechnen sind. Denn Abriss und Entsorgung kosten viel Geld. Den Argumenten folgte das Amtsgericht und stimmte dem Preisvorschlag zu.

Zwingend hätte die Stadt die Flächen nicht kaufen müssen. Doch wenn sich niemand um die Ruine kümmert, hätten irgendwann einmal Sicherungsmaßnahmen anstehen können.

Mit dem Kauf kann die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Fördermittel für den Abriss können nun beantragt werden. Und es ist möglich, später einen neuen Bebauungsplan zu erstellen, um das Gelände wesentlich attraktiver zu machen. Dann sei es auch machbar, einen Teil als Wohnstandort auszuweisen, sagte Bürgermeisterin Carina Dittrich im Gespräch mit der SZ.

Ein anderer Bebauungsplan dagegen wurde vom Stadtrat aufgehoben. Und zwar der an der Löbauer Straße – Rotsteinblick in Reichenbach. Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun. „Für diesen Standort gab es keine Interessenten“, so die Bürgermeisterin. Bereits Anfang der 90er-Jahre wurde das Terrain als Bebauungsgebiet ausgewiesen. Allerdings waren die Grundstücke mit rund 350 bis 500 Quadratmetern eher klein. Da auch die Bahngleise nahe sind, wäre zudem eine Schallschutzmauer notwendig geworden. Und alle Häuser hätten nach optischen Vorgaben gestaltet werden müssen. Das sei heutzutage wenig attraktiv für Bauherren. Was mit dem privaten Gelände an der Löbauer Straße/Rotsteinblick nun wird, dafür gibt es noch keine konkreten Pläne. In Reichenbach könnte in Zukunft nach einem neuen Bebauungsgebiet geschaut werden.