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Reichstädter Windmühle ist fertig saniert

163 Jahre ist die Mühle alt. Ihre Welle und die Flügel aber noch nicht einmal ein Jahr.

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Einen etwas traurigen Anblick bot sie im vergangenen Herbst schon, die flügellose Windmühle von Reichstädt. Doch der Abbau der Flügel musste sein, denn an dem markanten Reichstädter Wahrzeichen waren dringende Sanierungsarbeiten fällig, wie Axel Bellmann, der Vorsitzende des Heimatvereins Reichstädter Windmühle, informiert. „Der Zustand der Welle war derart besorgniserregend, dass sie der Last der Flügel nicht mehr gewachsen war und abgestützt werden musste“, erklärt der Reichstädter. Sonst hätte es passieren können, dass die Flügel absacken und herunterbrechen.

Ein Mühlenbauer, Andreas Düntzsch aus Riesa, hatte das Bauwerk im Jahr 2012 gründlich unter die Lupe genommen und es aus bautechnischer Sicht als nicht mehr sicher eingeschätzt. Es musste gehandelt werden. Der Verein informierte Ortschaftsrat und Stadtverwaltung von der Dringlichkeit der Reparatur.

Axel Bellmann und seine Mitstreiter sind froh darüber, dass es gelang, die Mühlensanierung im Haushalt der Stadt für 2013 unterzubringen, obwohl dafür andere, ebenfalls dringende Projekte zurückstehen mussten. Das sei besonders Ortsvorsteher Roland Kröhnert und dem Reichstädter Stadtrat Helfried Lohse (CDU) zu verdanken, sagt der Vereinschef. Der Verein selbst steuerte zu dem ehrgeizigen Vorhaben aber auch Geld, Material und 140 Stunden Eigenleistungen bei. Finanzielle Unterstützung kam außerdem von der unteren Denkmalschutzbehörde.

Anfang September des vorigen Jahres war es dann so weit. Der Windmühle wurden die Flügel entnommen und die Flügelradwelle herausgezogen. Das übernahm der Reichstädter Holger Bellmann mit seinem Autokran wie auch später wieder die Montage der beiden wichtigen Mühlenbauteile. Ohne diese Unterstützung hätten die Arbeiten sicher statt nur einiger Stunden mehrere Tage gedauert, sagt Axel Bellmann. Auch andere halfen, betont er. So Helfried Hunger mit Technik und einem Eichenstamm als Material. Thomas Hirschel stellte das Gerüst zur Verfügung. Als die Welle dann ausgebaut war, wurde erst richtig deutlich, wie dringend Ersatz geschaffen werden musste. „Der gekrümmten und mehrfach gebrochenen Welle war das Ende ihrer Nutzungsdauer deutlich anzusehen“, schildert Axel Bellmann. Beim alten Eisen landet sie aber trotzdem noch nicht. Als Anschauungsstück soll sie noch für einige Zeit im Mühlenhof zu sehen sein. Ein Teil der Flügel wird außerdem in der Fohlengutscheune aufbewahrt.

Die Bauleitung und nötigen Bauarbeiten hatte der Riesaer Mühlenbauer Andreas Düntzsch übernommen. Dank der milden Witterung und weiterer günstiger Umstände war es möglich, noch im Dezember die neue Flügelradwelle einzubauen und die Flügel zu montieren. Sie sind etwas größer als ihre Vorgänger und mit einem zusätzlichen Metallkorsett an der Flügelradwelle angebracht, erklärt Axel Bellmann. Bis auf ein paar kleine Restarbeiten habe man die Sanierung noch vor Weihnachten abschließen können.

In den nächsten Wochen folgen noch Justierarbeiten sowie Mahl- und Belastungsproben. „Dafür brauchen wir aber eine zünftige Brise Wind“, sagt Axel Bellmann. Am 3. Mai lädt der Verein alle Helfer zu einer „Klapperparty“ an die Mühle ein, sozusagen als Dankeschön. Ihr volle Funktionstüchtigkeit soll sie dann zum Deutschen Mühlentag am 9. Juni, dem Pfingstmontag unter Beweis stellen.