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Döbeln

Reicht die Entwässerung der Staatsstraße nicht?

Nach dem Unwetter am 11. Juni stellt sich diese Frage erneut. Landwirt Thomas Thiele fordert jetzt die Kommunalpolitik.

Die Rinderställe der Gersdorfer Agrargenossenschaft und Handel eG liegen direkt an der neu ausgebauten S 36 und unterhalb der Harthaer Kreisel. Bei dem Starkniederschlägen am 11. Juni waren Regen und Schlamm auch in die Betriebsstätte gelaufen.
Die Rinderställe der Gersdorfer Agrargenossenschaft und Handel eG liegen direkt an der neu ausgebauten S 36 und unterhalb der Harthaer Kreisel. Bei dem Starkniederschlägen am 11. Juni waren Regen und Schlamm auch in die Betriebsstätte gelaufen. © Dietmar Thomas

Hartha/Leisnig. Die Gersdorfer Agrargenossenschaft und Handel eG ist von dem heftigen Regenguss am Abend des 11. Juni in doppelter Hinsicht betroffen.

Einmal hat es an einigen Stellen Boden von den Äckern geschwemmt, der sich zum Beispiel in Minkwitz in einer Schlammlawine über die benachbarte Staatsstraße 36 und dann in zwei private Grundstücke ergoss. Mit den Folgen haben die Betroffenen – wohl auch in den nächsten Wochen – immer noch zu kämpfen.

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„Wir hatten aber auch selbst Wasser und Schlamm in den Ställen stehen“, sagte Vorstand Thomas Thiele unmittelbar nach der Unwetternacht. Unter anderem hieße das für die Genossenschaft, die eigenen Leitungen und Entwässerungsanlagen zu reinigen und zu spülen.

„Das kann aber kein Dauerzustand sein“, findet der Vorstand. Daher hat er sich an den Harthaer Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) gewandt. Von ihm erhoffe er sich als Unternehmen, das zum Gebiet der Stadt Hartha gehört, eine entsprechende Unterstützung, wenn es darum geht, Antworten und Lösungen zu finden.

Nach Informationen, die dem Landwirt vorliegen, wurde beim Bau der Harthaer Kreisel vor 25 Jahren überhaupt nicht oder zu wenig an die Ableitung von Regenwasser gedacht. „Erst jetzt, bei den Bauarbeiten im Mai und Juni, soll dies berücksichtigt worden sein“, sagt Thomas Thiele. Daraus leitet sich für ihn die Frage ab, ob beim Neubau der S 36 zwischen Hartha und Leisnig in den Jahren 2014 und 2015 schon an die jetzige Erweiterung gedacht werden konnte und die Anlagen entsprechend dimensioniert sind.

„Ich zumindest habe beobachtet, dass seit dem Straßenausbau weniger Möglichkeiten zur Entwässerung zur Verfügung stehen als bis dahin“, sagt der Vorstand der Gersdorfer Agrargenossenschaft. Gewiss, es seien mehrere Regenüberlaufbecken angelegt worden. „Ich denke aber, das reicht noch nicht aus.“

Ronald Kunze kennt die Probleme, bestätigt er. Es habe auch bereits Gespräche mit dem Bauamt vor Ort gegeben. „Nun werden wir uns als Stadt Hartha um ein Treffen mit Vertretern des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr sowie dem Chemnitzer Behördenleiter bemühen“, sagte Kunze zu. Unter anderem könne er sich vorstellen, dass angeschaut wird, ob die Kanäle wirklich entsprechend dimensioniert sind.

Wie das damals mit den Kreiseln gelaufen ist, dazu kann der derzeitige Bürgermeister nichts sagen. Fest stehe, dass es auch an anderen Stellen in Hartha ähnliche Entwässerungsprobleme gibt. Als Beispiel dafür nannte er die Körnerstraße, die sich parallel zur Bundesstraße 175 befindet.

Die Fragen zur Entwässerungssituation vor und nach dem Straßenausbau der S 36 sowie zur Ausgangssituation beim Anlegen der Kreisel lässt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) unbeantwortet. Auch eine nochmalige Nachfrage dazu bleibt ohne Reaktion. Sprecherin Isabel Siebert teilt lediglich mit, dass es falsch sei, den Zustand in der Nacht zum 12. Juni mit dem Normalzustand der S 36 zu vergleichen. „Mit über 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in kürzester Zeit ist diese Nacht weit außerhalb aller Bemessungsvorgaben und darf keinesfalls mit vergangenen Ereignissen gleich gesetzt werden.“

Und weiter: „Dessen ungeachtet prüfen unsere Fachleute jetzt, ob Verbesserungen angezeigt beziehungsweise welche möglich sind.“ Dafür müssten einige Faktoren berücksichtigt werden. Das seien unter anderem die Einzugsflächengröße, die Straßenunterhaltung, das neu entstandene Geländeprofil und die Bewirtschaftungsart.

Dass der Unwetterabend anders verlaufen wäre, wenn in Minkwitz keine Rüben, sondern Erbsen oder Kartoffeln stünden, das glaubt der Vorstand des Landwirtschaftsbetriebes nicht. Das Unternehmen setze ohnehin auf Bewirtschaftungsarten, die erosionsmindernd sind. „Der Boden konnte die Niederschlagsmenge einfach nicht aufnehmen“, so Thomas Thiele.

Auch Bürgermeister Kunze ist sich sicher, dass der Betrieb aus eigenem Interesse auf solche Details achtet: „Kein Landwirt will Boden verlieren. Der ist seine Arbeitsgrundlage.“

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