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Reif springt um fünf Zentimeter an der Medaille vorbei

In einem hochklassigen Finale setzt der Russe Menkow mit 8,56 Metern das Glanzlicht.

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Christian Reif zuckt mit den Schultern und blickt enttäuscht durch das Moskauer Lushniki-Stadion. Das Feuer, das während des Finals in seinen Augen loderte, ist erloschen. Zur ersten WM-Medaille eines deutschen Weitspringers fehlten Reif fünf Zentimeter zu Bronze, eine Winzigkeit. Im Feld der Ausnahmespringer bedeutete der nicht einmal handbreite Rückstand allerdings nur Platz sechs.

Reifs 8,22 Meter waren bei der Sprungshow des neuen Weltmeisters Alexander Menkow nur noch eine Randerscheinung. Der Russe gewann mit der Jahresweltbestleistung von 8,56 Metern als erster Europäer den WM-Titel. Zuvor hatten bei 13 WM-Auflagen nur die Amerikaner Carl Lewis, Mike Powell und Dwight Philipps, der Kubaner Ivan Pedroso und Irving Saladino aus Panama triumphiert.

Reif räumte zwar ein: „Ein bisschen Enttäuschung ist schon dabei.“ Aber der Rehlinger hatte sich schnell wieder gefangen. „Ich möchte jetzt nicht als enttäuschter Athlet in der Zeitung stehen, aber klar: Es war mehr drin. Es war ein unglaublich hochwertiger Wettkampf, der Russe war überragend. Letztlich hat mir der Ausreißer gefehlt.“ Im ausgeglichenen Feld der Weltklassespringer hatte sich Reif eine Menge ausgerechnet, schon mit seiner Saisonbestleistung (8,27) hätte es tatsächlich zu einer Medaille reichen können. Mit seinem ersten Satz auf 8,18 m setzte der 28-Jährige auch die erste Duftmarke im Finale, ging in Führung und zeigte den Zuschauern die Faust. Letztlich fehlten ihm aber die entscheidenden Zentimeter und die letzte Kraft, um 33 Jahre nach Olympia-Gold des Zwickauers Lutz Dombrowski bei den Boykott-Spielen von Moskau – damals mit 8,54 – erneut eine deutsche Weitsprung-Medaille im Lushniki-Stadion zu gewinnen.

Das Finale erinnerte ein wenig an das Olympia-Drama von London, als Sebastian Bayer aus Hamburg mit zwei Zentimetern Rückstand auf Platz drei Fünfter geworden war. In Moskau blieb der Europameister deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Mit 7,98 Metern reichte es nur zu Platz neun. (sid)