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Reifenstecher unterwegs

An der Festwiese in Kötzschenbroda waren wieder Räder platt. Die Polizei bittet bei Beobachtungen schnell um Hinweise.

Von Peter Redlich

In Radebeul geht wieder die Angst vor dem Reifenstecher um. Eine Bürgerin, die in Kötzschenbroda arbeitet und tagsüber ihr Auto auf dem Parkplatz an der Festwiese abstellt: „Ich habe gesehen, wie zwei Autos mit deutschen Kennzeichen zerstochene Reifen hatten. Einen Tag später war es ein Fahrzeug mit einem polnischen Nummernschild.“ Sie gehe jetzt öfters nachschauen, ob an ihrem Auto noch alles in Ordnung ist.

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Hanjo Protze, der Leiter des Polizeireviers Meißen, das auch für Radebeul zuständig ist, bestätigt die Beobachtungen. „Wir hatten am 20. und 21. November Anzeigen zu Schäden an insgesamt sieben Fahrzeugen. Es seien nicht immer alle vier Reifen zerstochen worden, mal nur zwei, mal ein einzelner Reifen. Die Polizisten haben Spuren gesichert und Kriminalisten würden ermitteln. Einen Verdächtigen oder gar Täter habe die Polizei noch nicht.

Mehr will der Revierchef vorerst nicht sagen. Ihm und seinen Polizisten sind die Serien mit zerstochenen Reifen aus den letzten Jahren noch gut in Erinnerung. Das letzte Mal passierte es Anfang dieses Jahres. Unbekannte zerstachen in einer Nacht der ersten Januarwoche bei einem in Altkötzschenbroda parkenden Mitsubishi den linken hinteren Fahrzeugreifen und bei dem Pkw-Anhänger ebenfalls den linken Reifen.

In der Stadt machte man sich nun Sorgen, dass der Reifenstecher von 2010 und 2011 wieder aktiv sein könnte. Dieser hatte das erste Mal Anfang November 2010 sein Unwesen in der Lößnitzstadt getrieben. Im Jahr 2011 versetzte die unheimliche Reifenstecher-Serie die Radebeuler Autofahrer dann fast das gesamte Jahr in Angst und Schrecken. Gleich durch drei Straßen in Kötzschenbroda ist damals an einem Oktoberwochenende der Reifenstecher gezogen. Seine Spur ging durch die westliche Hermann-Ilgen-Straße, die Ludwig-Jahn-Straße und die Oscar-Pletsch-Straße. Kleine zentimetergroße Einstiche dicht an der Felge, wo die Gummidecke weniger kräftig ist, haben die Beamten 2011 festgestellt. Der Polizei fiel damals auf, dass der (oder die?) Täter mit einem Messer hantierten. Dabei sind sie offenbar hastig und teils wahllos vorgegangen.

Einzelne Autos in der parkenden Reihe blieben verschont. Auch Fahrzeuge auf dem Parkplatz der Arbeitsagentur hatten keine zerstochenen Reifen. Der vom Reifenstecher verursachte Schaden betrug vor zwei Jahren mehrere Tausend Euro. Reifen an 23 Fahrzeugen waren zerstört. Insgesamt hat der Täter in dem Jahr fast 100 Reifen unbrauchbar gemacht. Auch an Fahrzeugen der Post, die in Naundorf abgestellt werden, hatte sich ein Reifenstecher zu schaffen gemacht. Zwischenzeitlich war in den Sommermonaten nichts geschehen. Die Polizei sagte damals: Der Täter wird in der Gegend vermutet. Ob er einige Wochen im Urlaub war oder auswärts arbeitet, ist auch nur eine Vermutung. Auf das Konto des Reifenstechers gingen letztlich über 80 Fahrzeuge.

Dann wurde es ruhig um den Serientäter, der vor allem in Radebeul-West und zuletzt in Serkowitz zugeschlagen hatte. Im April 2012 sagte die Polizei, dass der Täter derzeit offenbar schläft. Ist er jetzt wieder aufgewacht? Ist es jemand, der in den Sommermonaten nicht hier ist, eventuell anderswo eine Arbeit hat?

Die Polizei hatte damals einen Tatverdächtigen festgenommen und verhört. Letztlich beweisen konnte sie ihm nichts. Revierleiter Hanjo Protze: „Bei solchen Taten ist es sehr wichtig, den oder die Täter sehr schnell zu erwischen, um ihnen die Tat nachweisen zu können.“ Deshalb bittet er die Bürger um erhöhte Aufmerksamkeit. Wer etwas Verdächtiges bemerke – etwa auf den Parkplätzen Festwiese oder in der Nähe – sollte schnell die Polizeinummer 110 wählen.