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Wirtschaft

Reifenwechsel trotz Corona in Sachsen

Die Covid-19-Pandemie hat das sächsische Handwerk erreicht. Die Folgen sind recht unterschiedlich.

Die Autowerkstätten sind weiter geöffnet.
Die Autowerkstätten sind weiter geöffnet. © Norbert Millauer

Dresden. Der Präsident des Sächsischen Handwerktages, Roland Ermer, hat sie als „Wirtschaftsmacht von nebenan“ bezeichnet. Ohne die Bäcker und Fleischer an der Ecke, ohne Elektriker, Sanitär-Heizung-Klima-Techniker und Textilreiniger sähe es in diesen Zeiten, die alle auf eine harte Probe stellten, ziemlich düster aus, so Ermer am Montag in Dresden. Sie alle hielten das öffentliche Leben so gut wie möglich am Laufen und dafür gebühre ihnen größter Respekt und Dank.

Doch längst nicht jeder Handwerker kann dazu beitragen, dass die Dinge weiterlaufen. Frisörläden, Kosmetik- und Tattoo-Studios bleiben geschlossen, auch bei Fleischereien und Bäckereien, die Catering für nun abgesagte Veranstaltungen angeboten hätten, brechen reihenweise die Aufträge weg. Die Unsicherheit ist bei vielen Handwerkern groß und auch der Beratungsbedarf. "Seit einer Woche stehen bei uns die Telefone nicht mehr still.", sagt Daniel Bagehorn als Sprecher der Handwerkskammer in Dresden. Und auch die Leipziger Kollegen haben ihre Beratungskapazitäten aufgestockt. Die Mitarbeiter der HWK zu Leipzig sind wochentags bis 20 Uhr zu erreichen. Die Webseite der Kammer wird alle 15 Minuten aktualisiert, den man befinde sich in einem sehr dynamischen Prozess.

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Aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus in unserem Newsblog.

Während Fotografen und Goldschmiede ihre Geschäfte schon in der vergangenen Woche schließen mussten, können Handwerker und Dienstleister ohne Publikumsverkehr weiter arbeiten. Die zum 23. März 2020 noch einmal verschärfte Ausgangssperre nimmt ausdrücklich den Arbeitsweg aus. "Wir empfehlen unseren Mitgliedsunternehmen, ihren Mitarbeiter eine Arbeitgeberbescheinigung auszufüllen", so Daniel Bagehorn. Sie steht auf der Webseite der Handwerkskammer Dresden zum Herunterladen und dient bei Kontrollen als Nachweis für den Arbeitsweg zum Kunden oder zur Baustelle. Und so wird auf vielen sächsischen Baustellen weiter fleißig gebaggert, gemauert, gehämmert und gebohrt. Auch Autowerkstätten haben geöffnet.

Krise nicht überall

Privatleute dürfen sich einen Maler bestellen, die Terrassenüberdachung in Angriff nehmen oder ein defektes Elektrokabel austauschen lassen. Die Leipziger Handwerkskammer rät den Unternehmern dazu, vor der Auftragsannahme nach möglichen Corona-Verdachtsfällen im Umfeld zu fragen, möglichst alle Arbeiten mit Handschuhen auszuführen und regelmäßig Desinfektionsmittel zu nutzen.

Auch wenn die Krise noch nicht überall angekommen ist, informieren sich die Handwerker zu Kurzarbeiterregelungen und Finanzhilfen. Denn da ist zum einen der bange Blick nach Italien. Dort sind nach der rasanten Ausbreitung des Coronavirus alle Betriebe geschlossen worden, die nicht strategisch relevant sind. Und selbst bei den Firmen mit vollen Auftragsbüchern sorgt man sich so langsam um den Materialnachschub. Bei Fliesen gibt es bereits erste Lieferengpässe, auch die Auswahl an Badkeramik könnte abnehmen. Viele der Hersteller sind in Italien Zuhause.

Steuerentlastung gefordert

Das vom Bundeskabinett beschlossene Hilfspaket in der Corona-Krise, von dem vor allem kleine und mittlere Firmen profitieren sollen, wird vom Präsidenten des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, als notwendig sachgerecht und angemessen gelobt. Doch er sieht auch Nachbesserungsbedarf. So hätte er sich steuerliche Entlastungen, beispielsweise bei der Rückzahlung der Umsatzsteuervorauszahlung, gewünscht. Dringenden Handlungsbedarf gäbe es zudem bei der wirtschaftlichen Stabilisierung der Bildungseinrichtung des Handwerks. Auch sei noch offen, ob die Kurzarbeiterregelung für Auszubildende genutzt werden könne.

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Unterdessen haben einzelne Branchen schon reagiert. Wie die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen heute mitteilte, habe man sich für die Beschäftigten im KfZ-Handwerk auf eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 80 Prozent des Nettolohns mit der Arbeitgeberseite verständigt. In Sachsen sollen die Beschäftigten sogar 90 Prozent ihres bisherigen Gehaltes bekommen. Sprecherin Andrea Weingart lobt das Entgegenkommen der Arbeitgeber und versicherte, dass sich die IG Metall im Gegenzug bereit erkläre, nach dem Ende der Pandemie sehr flexibel zu reagieren, wenn die Betriebe langsam wieder hochfahren würden. Ein Wermutstropfen aber bleibt. Die Einigung gilt nur für Berlin, Brandenburg und Sachsen. Die anderen ostdeutschen Länder haben eine Übernahme abgelehnt.