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Reifenwerk Riesa stellt Betrieb ein

Eines der traditionsreichsten Unternehmen der Stadt beugt sich der Corona-Pandemie. Das betrifft Hunderte Mitarbeiter.

Das Reifenwerk Riesa an der Paul-Greifzu-Straße. Dort steht nun die Produktion still.
Das Reifenwerk Riesa an der Paul-Greifzu-Straße. Dort steht nun die Produktion still. © Lutz Weidler

Brüssel/Riesa. Normalerweise gibt es das nur Ostern und Weihnachten: Stillstand im Riesaer Reifenwerk. Wo sonst an 350 Tagen pro im Schichtbetrieb gearbeitet wird, kehrt dieser Tage Ruhe ein. Zwangsweise.

Als Reaktion auf die rasche Ausbreitung der Covid-19-Pandemie, zum Schutz seiner Mitarbeiter und als Reaktion auf den plötzlichen Rückgang der Marktnachfrage schließt Goodyear dieser Tage schrittweise seine Reifenwerke in ganz Europa. Das gilt vorübergehend, aber mindestens bis zum 3. April.

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Die Sparkassen-Versicherung Sachsen ist auch in dieser außergewöhnlichen Situation für ihre Kunden da.

Allein in Riesa werden sonst 15.000 Reifen produziert - pro Tag. Der größte Teil davon geht in normalen Zeiten als Erstausrüster-Ware direkt an Pkw-Hersteller. Zu den Kunden des Werks an der Paul-Greifzu-Straße zählen vor allem VW und Audi, aber auch Mercedes, BMW, Toyota, Ford, Renault.

Ganz Europa betroffen

Zuletzt hatten gleich mehrere Autohersteller angekündigt, die Produktion herunterzufahren. Dazu gehört das Unternehmen Volkswagen, das allein in Sachsen an drei Standorten 10.000 Menschen beschäftigt. Dort solle am Freitag die vorerst letzte Schicht laufen.

In Riesa bei Goodyear sind mehr als 600 Mitarbeiter von den Folgen der Corona-Krise betroffen. Sie stellen vor allem hochwertige Pkw-Reifen her. Zum Sortiment gehören Sommer- und Winterreifen, die teilweise für bis zu Tempo 300 ausgelegt sind.

Wie der Reifenhersteller mitteilt, werden aber auch die Werke des Unternehmens in Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und Slowenien geschlossen. Auch das Werk Dębica in Polen gehört dazu.

Um den Kundenservice aufrechtzuerhalten, betreibe man aber die Lagerhäuser weiterhin, so Goodyear. Allerdings mit reduziertem Personal, "wobei starke soziale Distanzierungspraktiken angewandt werden, um die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter und Geschäftspartner zu schützen", heißt es in einer Mitteilung. Das habe höchste Priorität für Goodyear.

Die Maßnahmen seien befristet. Dabei stimme man sich mit den lokalen Sozialpartnern ab. Gleichzeitig achte man darauf, die Produktion schnell wieder aufnehmen zu können, sobald sich Gesundheitslage und Marktbedingungen verbessern.

Das Riesaer Reifenwerk von oben: Der Standort war ab 2008 deutlich ausgebaut worden.
Das Riesaer Reifenwerk von oben: Der Standort war ab 2008 deutlich ausgebaut worden. © Lutz Weidler

Goodyear ist nicht nur europaweit tätig, sondern weltweit. Deshalb habe der Reifenhersteller in seinen Werken soziale Distanzierungsmaßnahmen eingeführt, "um als globales Unternehmen seinen Teil zur Verlangsamung der Pandemie beizutragen."

Unter den derzeitigen Bedingungen, wo Warenströme weltweit von der Corona-Pandemie betroffen sind, habe man die Produktionsplanung genau im Blick - in Bezug auf die Betriebe auf der ganzen Welt. Goodyear überwache und verwalte seine Lagerbestände und die Versorgung mit Rohstoffen genau.

Das Reifenwerk Riesa war 1946 gegründet worden und produzierte ab 1956 schlauchlose Reifen, bald unter der Marke Pneumant. Später gehörte der Riesaer Betrieb zum VEB Reifenkombinat Fürstenwalde - gemeinsam mit Betrieben in Fürstenwalde, Heidenau, Dresden und Neubrandenburg.

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Nach der Wiedervereinigung produzierte man an der Paul-Greifzu-Straße als Pneumant GmbH weiter, 1998 ging in Riesa 100-millionste Reifen vom Band. Heute gehört das Werk zu Goodyear-Dunlop Germany.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.