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Reise auf die andere Seite des Globus

Pirnaer Schüler verbringen die Winterferien in Australien. Ein Austauschprojekt geht damit in die erste Runde.

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© Norbert Millauer

Von Maria Trixa

In Australien ist die Sommersaison noch in vollem Gange. Es ist heiß, die Touristen strömen an den Bondi Beach, den berühmten Strand bei Sydney. Auf Philip Island tummeln sich die Königspinguine. Wenigstens einen dieser flugunfähigen Vögel würde auch der Schulleiter des Schillergymnasiums gern zu Gesicht bekommen. Er wird sich auf die Fotos und Schilderungen sechs seiner Schüler verlassen müssen. Diese steuern nämlich in den Winterferien den Kontinent auf der Südhalbkugel an.

Damit beschließen sie die erste Runde dieses neuen Projektes, das sie vor allem ihrer Lehrerin Kerstin Förster verdanken. Herr Förster unterrichtet am Gymnasium in Dresden-Bühlau, und dort fehlten noch Teilnehmer für den Austausch, denn der ist nicht ganz billig. Knapp 3 000 Euro zahlen die Teilnehmer für die weite Reise.

Bereits im vorigen April begann der Austausch mit dem Besuch der australischen Schüler. Einige Tage verbrachten diese in den Familien der sechs Reiselustigen und erlebten einige Überraschungen. Während hierzulande die Leute unter dem überaus langen, kalten Winter ächzten, freuten sich die Australier umso mehr – Schnee bekommen sie sonst nicht zu Gesicht. Auch das beliebteste deutsche Fast Food schlug bei den Gästen ein. „Der Döner hat allen geschmeckt“, erinnert sich Felix Forker. Von der australischen Küche haben die Schüler allerdings noch keine genaue Vorstellung. Gibt es etwa Känguru? Dass sich auf dem Kontinent einige ungewöhnliche Tiere tummeln, ist bekannt. Nicht jede Tierart ist den Europäern dabei gleichermaßen willkommen. „Alles ist gut, solange die achtbeinigen Tiere fernbleiben“, sagt Lucas Kahl. Mit seinem Respekt vor Spinnen ist er nicht allein, doch der Wunsch nach der Ferne ist größer als die Furcht vor seltsamen Lebewesen. Drei Wochen schlagen sich sechs Schilleraner und neun Dresdner Schüler durch das australische Outback. Zumindest hoffen sie darauf, auch mal einen Abstecher außerhalb der großen Städte machen zu können, die ihre Reise prägen. Die Landung erfolgt in Sydney, der Heimflug startet aus Melbourne. In beiden Großstädten können die Schüler die bekanntesten Sehenswürdigkeiten bestaunen. Die Fortbewegung auf dem Kontinent erfolgt dabei auf Eisenbahnschienen. „Den Zug haben wir bestimmt für uns“, sagt Lina Schwermer. Denn kein Australier würde auf die Idee kommen, die Strecke auf dem Landweg zurückzulegen. Die Einheimischen peilen ihre Städte lieber aus der Luft mit dem Flugzeug an.

Zwischen Sydney und Melbourne verbringen die Schillers mehrere Tage in Canberra. In der australischen Hauptstadt treffen sie auf alte Bekannte, mit denen sie die vergangenen Monate nur im Internet Kontakt hatten. „Wir sind Facebook-Freunde, hin und wieder schreibt man sich“, sagt Marie Scherber. Die Schüler, die in den Pirnaer Familien untergebracht waren, sind nun ihre Gastgeber. Darauf freuen sie sich besonders. „Wir haben schon darüber gesprochen, vielleicht zwei Tage in einem Strandhaus zu verbringen“, sagt Jasmin Ballmann. Nur müssen sich die Ausflüge aufs Wochenende konzentrieren, denn in der Woche steht der Schulbesuch an. „Einiges wird anders sein, zumal es eine katholische Schule ist“, erklärt Lehrerin Kerstin Förster. Das hat vor allem Auswirkung auf die Kleiderordnung. „Spaghettiträger und zu kurze Röcke sind tabu“, sagt die Lehrerin. Die australischen Schüler tragen Uniform. Für die Gäste gibt es allerdings keine. Sie werden also in jedem Fall auffallen.

Gastgeschenke gesucht

Am Sonnabend geht es endlich los. Bis dahin müssen noch die Sommersachen aus dem Kleiderschrank gekramt, Adapter für die Steckdosen und kleine Gastgeschenke gekauft werden. Die Meinungen zu den Geschenken gehen auseinander. „Ich bekam den Vorschlag, eine kleine Postmeilensäule aus Sandstein mitzunehmen“, sagt Anna Nickel. Überzeugt hat sie der Vorschlag nicht. Bis zum Reiseantritt müssen sich die Schüler sowieso noch mit der Gepäckbegrenzung auseinandersetzen. Mal sehen, ob die kleine Postmeilensäule wirklich in den Koffer passt. Andernfalls sind die Australier auch verrückt nach der beliebten lila Schokolade, bemerkt Kerstin Förster noch.