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Fernweh muss warten

Die Reiseveranstalter in der Region müssen eine Reise nach der anderen absagen. Trotzdem herrscht Zuversicht.

Die Diplom-Betriebswirtin Sylvia Lorenz arbeitet als Prokuristin beim Reiseveranstalter Eberhardt Travel in Kesselsdorf.
Die Diplom-Betriebswirtin Sylvia Lorenz arbeitet als Prokuristin beim Reiseveranstalter Eberhardt Travel in Kesselsdorf. © Andreas Weihs

Die Corona-Krise trifft die Reiseanbieter in der Region hart. Eberhardt Travel aus Kesselsdorf musste nicht nur Reisende von den Seychellen, aus Neuseeland, Südafrika, Chile, Japan, Jordanien, Israel, Ägypten, Italien und Spanien zurückholen. Alle Reisen bis zum 30. April wurden abgesagt. "Wir gewähren den Kunden kostenfreie Umbuchungen bis Ende Mai", sagt Prokuristin Sylvia Lorenz. Und die nehmen das auch an.

Einige buchen jetzt Reisen im zweiten Halbjahr, andere schwenken gleich auf das kommende Jahr um. Für Eberhardt zahlt sich aus, dass der Anbieter sich in den letzten Jahren einen guten Ruf erarbeitet hat, ihm viele Stammkunden treu sind und er bereits Reisen für 2021 anbieten kann. So schaffe man es, die übergroße Mehrzahl der Verträge zu retten. "Nicht wenige buchen auch ganz bewusst sogar eine Zweit- oder Drittreise neu oder lassen ihre Anzahlungen als 'Reiseguthaben' stehen, wenn sie sich noch nicht konkret für eine spätere Reise entscheiden können", sagt Geschäftsführer Uwe Lorenz. Dazu habe man im Unternehmen eine technische Lösung entwickelt.

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"Verständlicherweise buchen aber die meisten lieber auf das kommende Jahr um", so Unternehmenschef Lorenz. "Einzig und allein das Vertrauen unserer Kunden in uns, wird uns durch diese Krise führen!" Mut machen ihm die positiven Rückmeldungen zahlreicher Kunden, die sein Unternehmen sammelt und in einen Blog stellt, um anderen Touristikern Mut zu machen und Optimismus zu verbreiten. Es ist möglich und machbar, diese Krise zu überwinden, so Lorenz. Hilfe von der Politik erwartet er indes  nicht. Eberhardt Travel mit seinen 138 Mitarbeitern gehöre zu den Unternehmen, die unter keines der von der Regierung aufgespannten Rettungsschirme fällt. Er habe ein paar Tage gebraucht, um das zu verarbeiten, gibt der Unternehmenschef zu. 

Dafür könne er sich auf seine Mitarbeiter verlassen, die bei Kurzarbeit täglich an ihrem Arbeitsplatz oder im Homeoffice „den Laden am Laufen halten“. "Wir sind stolz auf unser einzigartiges, engagiertes Team von Reiseberatern und Reisemachern, die in dieser Krise schöpferisch, kreativ, engagiert und beherzt alle anstehenden Aufgaben angehen", so Lorenz. Prokuristin Lorenz möchte die gegenwärtige Zeit nutzen, um die Inhalte der angebotenen Reisen zu hinterfragen. Aber auch sie schaut optimistisch auf die Zeit nach Corona. Denn Eberhardt Travel habe eine anspruchsvolle Kundschaft, die man mit anspruchsvollen Reisen bedienen kann. Denen zeige man nicht nur die Highlights, sondern auch die versteckten Kleinode. Und das wissen diese zu schätzen.

Auch andere Reiseanbieter im Landkreis wurden von der Corona-Krise überrascht. So  der Reisedienst Dreßler in Heidenau. Alle Reisen, die bis zum 20. April beginnen sollten, wurden storniert. Auch Dreßler bietet seinen Kunden an, Reisen umzubuchen oder gegen Gutscheine zu tauschen. Wie es im Mai weitergeht, kann Geschäftsführer Steffen Dreßler nicht sagen. Auch er wartet ab und schaue, wie sich die Lage entwickelt. Noch stehe nicht fest, in welche Länder Reisen in den nächsten Monaten angeboten werden können und wann die Ausgangsbegrenzungen gelockert werden. Er ist sehr skeptisch, ob man im Juni bereits nach Italien reisen könne, so Geschäftsführer Dreßler. Fraglich bleibe, wie lange Tschechien seine Grenzen dicht hält. 

Auch bei Schelle Reisen in Hermsdorf/Erzgebirge verfolgt man aufmerksam die tagesaktuellen Meldungen von der Ausbreitung des Coronavirus. "Die Sorgen um die Gesundheit unserer Gäste sowie Mitarbeiter nehmen wir sehr ernst", teilt das Unternehmen mit. Aus diesem Grund wurden alle Fahrten bis Mitte April bereits abgesagt. Über weitere Stornierungen werde man zeitnah entscheiden. Ihre Kunden zeigen Verständnis, sagt Mitinhaberin Annegret Schelle. Auch ihr Unternehmen bietet  den Kunden Gutschriften und Umbuchungen an. 

Anders als Eberhardt musste Schelle keine Reisenden vorzeitig aus dem Urlaub holen. In  den letzten Wintermonaten gab es nur eine Fahrt und die war noch vor dem Ausbruch der Corona-Krise in Deutschland zu Ende. Die eigentliche Reisesaison sollte um Ostern herum beginnen. Weil es nun anders gekommen ist, muss auch Schelle Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken. Die freie Werkstatt, die ebenfalls zum Unternehmen gehört, sei aber weiterhin geöffnet. "Hier halten wir alle Hygienestandards ein", versichert Annegret Schelle. Reparaturen, Reifenwechsel und die Tüv-Untersuchungen sind möglich. Damit sich möglichst wenige Menschen begegnen, bittet sie ihre Kunden, Termine zu vereinbaren.

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Annegret Schelle bleibt zuversichtlich. Sie weiß, dass viele ein großes Reisefieber haben. Nun heißt es stark bleiben und die Zeit durchstehen. "Wir werden mit frischem Wind neu starten." Wie andere Unternehmen auch, hat sich Schelle eine Stammkundschaft aufgebaut. Die wohnt vornehmlich in der Weißeritzregion und in Dresden.

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