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Reisefrust statt Reiselust

Für Teich-Touristik sollte es das Jubiläumsjahr werden. Daraus wird nichts. Die Reisebüros stecken tief in der Corona-Krise und ihre Kunden sind verunsichert.

Susanne Teich (links) und ihre Mitarbeiterin Gerlinde Mitschke starten in ihrem Reisebüro Teich-Touristik in Niesky wieder durch. Für das zweite Halbjahr wird es einen neuen Reisekatalog geben.
Susanne Teich (links) und ihre Mitarbeiterin Gerlinde Mitschke starten in ihrem Reisebüro Teich-Touristik in Niesky wieder durch. Für das zweite Halbjahr wird es einen neuen Reisekatalog geben. © André Schulze

Dieses Wochenende wäre es soweit gewesen: Das Reisebüro Teich-Touristik wollte sein 30-jähriges Jubiläum feiern. Am 11. Juni 1990 eröffnete Susanne Teich ihr Reisebüro in Niesky. Heute führt sie es mit zwei Mitarbeiterinnen im Geschäftshaus der Raiffeisenbank. "Bereits im vergangenen Jahr haben wir geplant, Jubiläumsfahrten für 2020 anzubieten. Aber dann kam Corona und nicht nur die Jubiläumsfahrten mussten abgesagt werden, sondern der gesamte Reisebetrieb", erzählt die Inhaberin.  Bis Ende Juni sind alle Reisen storniert. 

Teich-Touristik sieht sich als ein regionaler Busreiseveranstalter, der sich auf Tages- und Mehrtagesfahrten für einzelne Gäste und Gruppen spezialisiert hat. Demzufolge sind es die eigenen Reisen, die Susanne Teich anbietet. Momentan ruht noch der Reiseverkehr. "Ich gehe aber davon aus, dass wir ab Juli wieder durchstarten werden", ist Susanne Teich zuversichtlich. Die Vorbereitungen dazu sind bereits im Gange. Es wird für das zweite Halbjahr einen neuen Reisekatalog geben. Darin werden die Kunden auch die Jubiläumsfahrten wiederfinden, die Corona bedingt verschoben sind.     

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Weniger Plätze in Deutschland

Ob und wann es wieder los geht? Das sind in diesen Tagen die am Telefon häufig gestellten Fragen, berichtet Susanne Teich. Denn die Busse mit dem Doppel-T im Nummernschild sind nicht nur in Deutschland unterwegs, sondern fahren auch nach Italien, Österreich und in die Schweiz. "Daher sind wir froh, dass in Europa die Grenzen wieder offen sind, die Menschen, wenn auch mit Einschränkungen, reisen dürfen." Susanne Teich ist dankbar, dass die Kunden dem Reisebüro die Treue halten, besonders in dieser schwierigen Zeit. 

In der Reiseagentur Niesky ist das Geschäft mit den Neubuchungen noch sehr verhalten, berichtet Inhaberin Katrin Hille. Derzeit sind fast nur Inlandsaufenthalte gefragt. Wobei hier die Reiseagentur inzwischen an Grenzen stößt. "Wir können nicht alle Reisewünsche unserer Kunden erfüllen, da nur geringe Verfügbarkeiten vorhanden sind", erklärt Katrin Hille. Hoteliers sind angehalten, auf begrenzte Auslastungen zu achten, um die Hygienevorschriften einzuhalten. Viele Anfragen werden auch aus diesem Grund nicht bestätigt. Hinzu kommt, dass der Deutschlandurlaub nur einen Anteil von 20 Prozent am Reiseaufkommen der Agentur ausmacht. 

Grenzöffnungen geben Hoffnung

Die Grenzöffnungen innerhalb der EU sind für die Reiseveranstalter erfreulich. Kritik gibt es aber an den Bedingungen, unter denen der Tourismus jetzt stattfinden kann. Hubert Hille von der Reiseagentur Niesky sagt: "Zum Teil sind die Bedingungen nicht definiert und auf Grund der kurzfristigen Entscheidungen der Politik sind die touristischen Strukturen noch nicht vollständig arbeitsfähig." Als Beispiel nennt der Nieskyer, dass  Veranstalter bis heute nicht wissen, ob bestimmte Reisen im Juli oder August nach Frankreich oder Norwegen durchgeführt werden können oder nicht. Vor allem im Bus- und Rundreisegeschäft kommt es dadurch zu Problemen in der Mindestauslastung der Fahrzeuge, um einigermaßen wirtschaftlich zu bleiben. Folgen sind Absagen wegen zu geringer Teilnehmerzahl, weil Kunden verunsichert sind.

Dass auch seine Kunden unsicher sind, das spürt Ralf Schmidt täglich. Er führt das Reisebüro "Urlaubsparadies" in Görlitz. "Solange die Einschränkungen gelten, haben die Leute keine Lust in den Urlaub zu fahren. Denn wer will den ganzen Tag mit Mundschutz im Hotel herumlaufen und die Familie auf Abstand halten?", fragt Ralf Schmidt. Das sei auch für ihn kein Urlaub, fügt er hinzu. Also sind es gegenwärtig weiterhin Stornierungen und Umbuchungen, mit denen es Schmidt zu tun hat. "Das Arbeiten gleicht einer Rolle rückwärts. Das macht keinen Spaß", betont er. Zudem bedeuten die Stornierungen einen hohen Arbeitsaufwand, der sich für ihn nicht rechnet. Denn neues Geld durch Buchungen kommt kaum rein. "Ich bin erst wieder zuversichtlich, wenn der erste Ferienflieger abhebt!"  

Nur ein kleiner Lichtblick

Als einen kleinen Lichtblick im Reisegeschäft wertet Doreen Werner die Öffnung der Grenzen innerhalb der EU. Sie ist lokale Verkaufsleiterin in einer Görlitzer Filiale von DER Deutsches Reisebüro. "Wir stellen fest, dass ein Teil unserer Kunden gern wieder reisen möchte. Aber ebenso gibt es die Kundschaft, die verunsichert ist und Angst vor einer Infektion hat. Deshalb sind Stornierungen und Umbuchungen weiterhin unser Tagesgeschäft", berichtet Doreen Werner. 

Wie bei Ralf Schmidt ist auch bei Doreen Werner das Reisebüro geschlossen. Dennoch wird hinter verschlossener Tür fleißig gearbeitet, auch wenn Kurzarbeit unter den Mitarbeitern angesagt ist. Telefon und E-Mail bleiben die wichtigsten Kommunikationsmittel. "Unsere Telefone stehen vor Anrufen nicht still. In vielen Fällen beraten wir unsere Kunden, um für sie die beste Lösung zu finden", sagt die Verkaufsleiterin. 

Bund will finanziell helfen

Das Bundeskabinett hat am Freitag Eckpunkte für ein Bundesprogramm beschlossen, das kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen soll, die ihren Geschäftsbetrieb in der Corona-Krise ganz oder zu wesentlichen Teilen einstellen mussten. Dazu zählen auch Reisebüros, heißt es aus Berlin. Die Überbrückungshilfe misst sich am prozentualen Umsatzeinbruch. Dieser wird angenommen, wenn der Umsatz im April und Mai zusammengenommen um mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 eingebrochen ist. Betroffene können Hilfen bis zu einer Höhe von 150.000 Euro für drei Monate beantragen.

Fahrten in den Sommerferien

Langsam in die Spur kommt das Reisebüro von Schwarz Reisen in Niesky. "Für die Sommerferien planen wir Fahrten in den Erlebnispark Babelsberg, zu Belantis und in den Breslauer Zoo. Im September soll es nach Österreich zum Bergdoktor gehen", berichtet Reisebüroleiterin Monique Fietze von den kommenden Angeboten. Und auch zum Jahreswechsel soll es wieder eine Mehrtagesfahrt geben. Denn auch bei Schwarz  Reisen sind alle Reisen abgesagt gewesen. "Wir dürfen ja erst seit kurzem wieder fahren, zudem müssen sich die Reiseveranstalter erst auf die neuen Bedingungen einstellen", so Monique Fietze. Und das braucht auch seine Zeit.

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