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Reisebüros bangen um ihre Existenz

Die Verluste wegen erbrachter Vermittlungsleistungen in der Region sind hoch. Bleiben die Döbelner trotz Corona reiselustig?

Wie alle Reisebüros darf auch Sandy Przybilla ihr Geschäft an der Kleinen Kirchgasse in Döbeln nicht öffnen. Mit ihren Kunden ist sie trotzdem per Telefon und E-Mail in Kontakt und hilft derzeit hauptsächlich bei Umbuchungen und Stornierungen.
Wie alle Reisebüros darf auch Sandy Przybilla ihr Geschäft an der Kleinen Kirchgasse in Döbeln nicht öffnen. Mit ihren Kunden ist sie trotzdem per Telefon und E-Mail in Kontakt und hilft derzeit hauptsächlich bei Umbuchungen und Stornierungen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Ausgangsbeschränkungen, Grenzschließungen, Reiseverbote und immer wieder Berichte über gestrandete Urlauber. Der Reisemarkt ist wegen der Corona-Krise zusammengebrochen. Seit Inkrafttreten der Allgemeinverfügung im Freistaat Sachsen haben auch Reisebüros in der Region Döbeln geschlossen. 

Arbeit gibt es für die Mitarbeiter trotzdem genug: „Wir haben vor allen Dingen mit Stornierungen zu tun“, sagt Heike Geßner, Büroleiterin von Reiseservice May in Waldheim. Viele Kunden seien aber auch verunsichert, ob sie ihre für den Sommer bereits gebuchte Reise überhaupt antreten können.

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Derzeit gilt eine Anordnung des Auswärtigen Amtes, dass Reisen bis zum 30. April abgesagt werden müssen. Diese können problemlos storniert werden.„Wer aber beispielsweise für den Mai gebucht hat, kann das nicht so einfach tun, da es für diesen Zeitraum noch keine Absage gibt“, sagt Heike Geßner. 

Wie es nach dem 30. April weitergeht, wisse derzeit noch niemand. Vieles hänge auch von der Entscheidung von Bund und Ländern ab, wie mit den Ausgangsbeschränkungen nach dem 20. April verfahren wird. „Im Moment können wir die Kunden nur vertrösten oder die Reise auf einen späteren Termin umbuchen.“ Doch selbst das sei nicht so einfach möglich und vor allem nicht von heute auf morgen.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Probleme bei Umbuchungen

„Wer arbeiten geht, muss erst wegen der Urlaubsplanung, die meist schon abgeschlossen sein dürfte, nachfragen“, erklärt Geßner. Viele Ältere im Rentenalter wollen lieber erst einmal gar keine Reisen planen. „Es gibt viele Ängste, vor der Krankheit selbst, aber auch davor, die Arbeit zu verlieren. Manche Eltern fungieren derzeit als Ersatzlehrer für ihre Kinder. Die Menschen haben verständlicherweise einfach andere Dinge im Kopf.“

Neue Buchungen kommen nach Angaben der Büroleiterin nur höchst selten rein und wenn, dann für Termine am Jahresende oder für nächstes Jahr. Einige Kunden, die ihre Reisepläne nicht aufgeben wollen, hätten auch schon umgebucht. „Aber das sind wirklich nur einzelne“, so Heike Geßner.

Völlig offen sei, wann wieder Auslandsreisen ohne Einschränkungen möglich sein werden. Die sind die Haupteinnahmequelle des Reisebüros.Derzeit sind die drei Mitarbeiter des Reiseservice May nur stundenweise kurz im Büro am Waldheimer Obermarkt, um Telefonate entgegenzunehmen und E-Mails aufzuarbeiten. Das Geschäft habe Kurzarbeit anmelden müssen. Soforthilfe sei beantragt worden.

„Wir müssen jede Hilfe, die Land und Bund bieten, annehmen“, so Heike Geßner. Denn auch wenn nach der Krise die Wirtschaft wieder „hochfährt“, werde es aus ihrer Sicht dauern, bis die Branche sich wieder erholt hat.

Provisionen fließen zurück

Dabei denkt die Büroleiterin auch an die Provisionen, die die Reisebüros von den Veranstaltern erhalten. „Die fließen vielmals erst dann, wenn die Kunden die Reise vollständig bezahlt haben, teilweise sogar erst, wenn sie tatsächlich verreist sind“, erklärt sie.

Andererseits verlangen die Reiseveranstalter von den Büros die bereits ausgezahlten Provisionen für die Urlaubsfahrten zurück, die die Kunden wegen der Corona-Krise nicht antreten konnten. „Im Moment wird also vom Geschäftskonto munter abgebucht, aber es kommt nichts drauf“, bringt es Heike Geßner auf den Punkt.

Nach ihrem Kenntnisstand würde aber dahingehend an einer Lösung gearbeitet, die die Reisebüros entlasten soll.Darauf hofft auch Andreas Gerhardt von Reisen & Service an der Döbelner Ritterstraße. Nach seiner Meinung lassen die Reiseveranstalter Kunden und Reisebüros im Regen stehen.

 „Derzeit sieht es so aus, dass die Veranstalter staatliche Hilfen erhalten, diese aber nicht weitergeben“, sagt er. Wenn ein Kunde, der schon 2018 gebucht und bezahlt hat, die Reise aber wegen Corona nicht antreten kann, muss Gerhardt die bereits erhaltene Provision voll und ganz zurückzahlen. „Das ist schwierig, ich muss ja mit dem Geld arbeiten“, sagt er.Für seine Kunden ist er erreichbar, hilft und berät, wo er kann.

„Es belastet mich schon, dass ich den Leuten zumeist nicht viel helfen kann“, sagt der Reisefachmann. Er glaubt, dass die Einbußen nicht aufzuholen sind. „Das Jahr ist gelaufen“, sagt er. Wie es nach der Aufhebung des Reiseverbots des Auswärtigen Amtes Ende April weitergeht, vermag noch niemand zu sagen. Er beklagt die schwierige Erreichbarkeit der Veranstalter.

„Ans Telefon geht keiner ran. Und die Beantwortung einer Mail dauert manchmal mehrere Tage.“Schwierig ist das auch für Sandy und Swen Przybilla, die ihr Reisebüro an der Kleinen Kirchgasse in Döbeln betreiben. „Obwohl das Büro geschlossen ist und wir derzeit keine Einnahmen haben, betreuen wir unsere Kunden und helfen bei Stornierungen und Umbuchungen“, so Sandy Przybilla. Das sei eben der Vorteil für diejenigen, die im Reisebüro gebucht haben und nicht im Internet.

Hoffen auf die Sommerferien

Den Büros entstünden derzeit hohe Verluste durch bereits erbrachte Vermittlungsleistungen. „Wir hoffen, dass uns nicht auch noch die Sommerferien wegbrechen, sonst müssen wir ans Sparschwein“, so Swen Przybilla. Wie mit bereits gebuchten Reisen zu verfahren ist, darüber informiert er auf der Internetseite.

Auch er verweist darauf, dass derzeit gebuchte Reisen nach dem 30. April nur unter Einhaltung der fälligen Stornogebühren erstattet werden können. Reiseverbote oder -beschränkungen ab Mai würden aktuell weder durch das Auswärtige Amt noch durch die Bundesregierung kommuniziert.

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„Aber auch das kann sich jederzeit ändern.“Trotz allem blicken Sandy und Swen Przybilla hoffnungsvoll in die Zukunft „Optimismus ist unsere Motivation“, lautet ihr Motto. „Wir hoffen auf eine baldige Entspannung der Situation und darauf, dass die Kunden ihre Reiselust nicht verlieren und wir bald wieder mit ihnen den nächsten Urlaub planen können.“

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