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Reisebüro wollte Jubiläum in Neuseeland feiern

Statt ihr 30-Jähriges zu begehen, müssen Hilles Reisen zurücknehmen. Das betrifft nicht nur die Nieskyer Reiseagentur, auch anderen geht es schlecht.

Katrin und Hubert Hille betreiben in Niesky seit 30 Jahren die Reiseagentur Niesky.
Sie haben schon einige Krisen durchgestanden und wollen jetzt auch Corona überstehen.
Katrin und Hubert Hille betreiben in Niesky seit 30 Jahren die Reiseagentur Niesky. Sie haben schon einige Krisen durchgestanden und wollen jetzt auch Corona überstehen. © André Schulze

Die Reise war bereits gebucht, das Programm organisiert. Katrin und Hubert Hille wollten zusammen mit 30 Stammkunden ihrer Reiseagentur Niesky  im fernen Neuseeland das Firmenjubiläum feiern. Doch auch am anderen Ende der Welt sorgt das Corona-Virus für Grenzschließung und eingeschränktes öffentliches Leben. "Unser 30. Jahr als Reiseagentur haben wir uns anders vorgestellt", sagt Katrin Hille. 

1994 hat die Nieskyerin die von ihrem Mann vier Jahre zuvor gegründete Reiseagentur übernommen. Hubert Hille erzählt: "Mit Jugendtourist war Schluss, was blieb mir, als der Sprung in die Selbstständigkeit ohne groß zu wissen, was da auf mich zukommt", sagt der ehemalige Mitarbeiter des DDR-Jugendreisebüros. Zum Glück konnten Hilles das winzige Jugendtourist-Büro in der Horkaer Straße, Ecke Schlossergasse, weiternutzen. Erst 1999 folgte die Eröffnung größerer Geschäftsräume im Haus gleich nebenan. Seitdem entwickelt sich die Reiseagentur zu einem florierenden Geschäft und Hilles beschäftigen heute vier Angestellte. 

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Kurzarbeit und Stornierungen

Aber die vier Frauen sind derzeit auf Kurzarbeit gesetzt. Unter ihnen Jana Hinke, die 1998 die erste Angestellte war und heute noch bei Hilles Reisen verkauft. "Wir haben sehr gutes Personal, und das wollen wir behalten", versichert Katrin Hille. Deshalb findet sie die Regelung zur Kurzarbeit eine gute Lösung. Denn auch wenn die Tür ins Reisebüro verschlossen ist, gearbeitet wird trotzdem. "Wir sind in unserer Geschäftszeit über Telefon erreichbar. Darüber hinaus auch per E-Mail und über die Sozialen Medien", erklärt Hubert Hille. Reiserückabwicklungen und Umbuchungen sind jetzt das Tagesgeschäft. 

Hilles sind zuversichtlich, dass sie die Krise ohne größeren geschäftlichen Schaden überstehen werden. "Es ist nicht die erste Krise, die wir zu meistern haben", berichtet Katrin Hille. Die Insolvenzen von Air Berlin und German Wings sowie im vergangenen September von Thomas Cook wirbelten die Reise- und Tourismusbranche durcheinander. "In diesen Krisen gab es aber Alternativen, sowohl bei den Fluglinien als auch bei den Reiseveranstaltern. Aber jetzt liegt alles am Boden, alle sind von Corona betroffen", schätzt Frau Hille ein. Damit ist sie nicht allein.

Im Kontakt bleiben

Remgard Schätzel ist Inhaber der Flugbörse Görlitz auf der Reichenbacher Straße. Seine beiden Mitarbeiterinnen hat er ebenfalls in Kurzarbeit schicken müssen. Auch bei ihm steht das Telefon nicht still. "Unsere Kunden wollen informiert sein, auch wenn wir auf die Aussagen und Regelungen der offiziellen Stellen angewiesen sind und nicht mehr wissen,  als sie uns sagen, ist es jetzt wichtig, im Kontakt zu bleiben. Auch, um manche Ängste den Kunden zu nehmen", berichtet Remgard Schätzel.  

Der Görlitzer ist seit 23 Jahren in dem Geschäft. Er hat - genau wie Hilles - schon Krisen in der Tourismusbranche durchlebt. Auch die Folgen der Terroranschläge von New York vor neunzehn Jahren. Aber dass jetzt "die gesamte Tourismusbranche am Boden ist", trifft ihn schon hart, sagt er. An einen schnellen Aufschwung nach Corona glaubt er nicht. "Den Leuten fehlt das Geld, um zu verreisen. Besonders in unserer Gegend."  

Man kann nur Abwarten

Nicht viel anders sind die Situationen in weiteren Reisebüros. Susanne Teich von Teich- Touristik in Niesky sagt: "Wir können nur abwarten und im Kontakt mit unseren Kunden bleiben." Eigentlich sollte in diesen Wochen der Start in die neue Saison sein, aber alle Vorhaben sind vorerst abgesagt. Teich bietet zwar nur eigene Reisen an, ist aber auch auf Veranstalter, Hotels und Gastronomie angewiesen. Dennoch bereitet sich der Familienbetrieb auf eine Zeit nach Corona vor, damit die Leute wieder reisen können.  

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