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Reisen zu schönen Gärten

Viele historische Anlagen in Deutschland sind international top. Liebhaber können den Persönlichkeiten nachspüren, die hinter dem Gartenkonzept stehen.

Isabelle Van Groeningen, Gartenhistorikerin von der Königlichen Gartenakademie in Berlin, führt durch viele Gärten.
Isabelle Van Groeningen, Gartenhistorikerin von der Königlichen Gartenakademie in Berlin, führt durch viele Gärten. © Daniela David/dpa

Von Daniela David

Der Weise geht in den Garten, besagt ein Sprichwort. Aber nicht nur der. Dass Urlauber unterwegs einen hübschen Park oder botanischen Garten besuchen, ist nichts Neues. Doch Gärten selbst werden zunehmend zu einem eigenständigen Reiseziel. „Die Menschen möchten eine positive Gegenwelt genießen, das verstärkt sich nochmals in Zeiten von Corona“, erklärt Franz Gruber, Geschäftsführer von Die Garten Tulln in Niederösterreich. Die Anlage wurde 2008 als Landesgartenschau eingerichtet und blieb bestehen. Die 70 Musterschaugärten kommen ganz ohne Torf, Chemie oder Pestizide aus. Die Besucher erholen sich hier im Grünen und bekommen gleichzeitig Tipps zum ökologischen Gärtnern. „Mittlerweile empfinden die Gäste ökologisch sinnvoll gestaltete Gärten als schön“, sagt Gruber. Also lieber blühende Blumenwiese als kurz geschorener Rasen.

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Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Die Begeisterung fürs Grün ist an den Gästezahlen der gärtnerischen Hotspots abzulesen. Im vergangenen Jahr kamen allein auf die Blumeninsel Mainau im Bodensee etwa 1,2 Millionen Besucher, in den Garten des Malers Claude Monet in der Normandie 715.000 und in die Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran rund 400.000 Gäste.

Die Seepyramide steht im Fürst-Pückler-Park. Auf der Pyramide wächst wilder Wein, dessen Laub sich herbstlich verfärbt. Die von Hermann Fürst von Pückler-Muskau in Branitz mit großem Feingefühl komponierte Parkanlage gilt als der letzte der großen deutsch
Die Seepyramide steht im Fürst-Pückler-Park. Auf der Pyramide wächst wilder Wein, dessen Laub sich herbstlich verfärbt. Die von Hermann Fürst von Pückler-Muskau in Branitz mit großem Feingefühl komponierte Parkanlage gilt als der letzte der großen deutsch © Patrick Pleul/dpa

Dabei ist Gartentourismus kein neues Phänomen. Im 17. Jahrhundert gehörte zur Grand Tour der Adligen immer auch der Besuch von Gartenanlagen. Im 18. Jahrhundert reiste man nach England, um sich von der neuartigen Gartenkultur inspirieren zu lassen.

Der Gartenreisende von heute steht vor der Qual der riesigen Auswahl. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs lagen die Gärten brach, inzwischen sind aber viele historische Anlagen restauriert. Gerade nach der Wende wurden im Osten Deutschlands zahlreiche Gartendenkmäler aufwendig saniert. Ein Paradebeispiel hierfür sind die Gärten in Sachsen-Anhalt. „Bei uns trifft Gartengenuss auf eine lange Geschichte“, sagt Felicitas Remmert vom Verein „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“, zu dem 50 Parks gehören. Herzstück dieser Gartenlandschaft ist der Wörlitzer Park, der zweifellos zu den schönsten Landschaftsgärten im englischen Stil in Europa zählt. Aufgrund seiner Größe und Vielfalt kann der Flaneur einen ganzen Tag in diesem Stück Arkadien verbringen.

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff sind weltbekannt. 400.000 Besucher kamen im vergangenem Jahr.
Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff sind weltbekannt. 400.000 Besucher kamen im vergangenem Jahr. © Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff/dpa

Auch der Fürst-Pückler-Park in Branitz in Brandenburg, die Herrenhäuser Gärten in Hannover oder der private Landschaftspark von Schloss Dennenlohe in Franken sind beliebte Gartenziele. Besonders interessant ist es, vor Ort den Persönlichkeiten nachzuspüren, die hinter dem Gartenkonzept stehen.

Die Gärten im eigenen Land lassen sich meist individuell ansteuern. Das nächste grüne Refugium wartet oft schon ganz in der Nähe. Mit der Initiative „Offene Gärten“ schließen auch kleinere Privatgärten tageweise ihre Gartenpforte für Neugierige auf.

Deutschlands Gärten müssen sich international nicht verstecken. Doch England war und ist das Sehnsuchtsziel für Gartenreisende. Englische Gartenkunst steht für große Tradition, üppige Pflanzenpracht und reichlich Farbe im Beet. Wer sich im englischen Linksverkehr nicht selbst ans Steuer setzen möchte, bucht eine Gartenreise mit dem Bus. Bei professionellen Anbietern darf eine hochkarätige Führung erwartet werden. Bei anspruchsvollen Gartenreisen steht durchaus eine Tea Time mit „Ihrer Ladyschaft“ im Garten eines noblen Anwesens auf dem Programm.

Der Wörlitzer Park zählt zu den schönsten Landschaftsgärten im englischen Stil in Europa.
Der Wörlitzer Park zählt zu den schönsten Landschaftsgärten im englischen Stil in Europa. © Daniela David/dpa

„Besonders in den Privatgärten, die sonst nicht zugänglich sind, kommen wir mit den Gastgebern gut ins Gespräch“, erzählt Isabelle Van Groeningen. Die Gartenhistorikerin von der Königlichen Gartenakademie in Berlin führt Gruppen in die Pflanzenparadiese Englands.

Dabei locken nicht mehr nur die weltberühmten Gärten im Süden Englands, etwa Sissinghurst oder Great Dixter, auch der Norden will nun entdeckt werden. So soll im Mai 2021 bei Manchester das derzeit größte Gartenprojekt Europas eröffnen: 62 Hektar umfasst der Bridgewater Garden der Royal Horticultural Society, der weltgrößten Gartenwohlfahrtsgesellschaft.

Gartenreisen sind längst nicht mehr nur etwas für die Generation über 50. Das Thema Garten hat auch Jüngere infiziert. „Das Gartenreise-Image hat sich eindeutig zum Positiven gewandelt“, stellt Carsten Seick von Dr. Seick Kultur- und Gartenreisen fest. Der Reiseveranstalter hat sich auf geführte Gartentouren während Kreuzfahrten spezialisiert – kein Landgang ohne Garten.

Franz Gruber ist Geschäftsführer von Die Garten Tulln in Niederösterreich. Die Anlage wurde 2008 als Landesgartenschau eingerichtet.
Franz Gruber ist Geschäftsführer von Die Garten Tulln in Niederösterreich. Die Anlage wurde 2008 als Landesgartenschau eingerichtet. © Daniela David/dpa

Wer sich für eine organisierte Gartenreise entscheidet, sollte auf den thematischen Schwerpunkt des Veranstalters achten. Einige Reisen sind zum Beispiel rein botanisch fokussiert.

Wie gut sich ein Garten dem Besucher erschließt, hängt von der Persönlichkeit und der Erfahrung der Guides ab. Zumeist sind das Fachleute. Ein Beispiel ist der österreichische Gartenjournalist Karl Ploberger, der durch TV-Sendungen über Gärten und Buchpublikationen bekannt ist. Rund die Hälfte des Jahres verbringt er auf Gartenreisen. „Viele Gärten kenne ich seit 20 Jahren und kann so auch von ihrer Entwicklung erzählen“, sagt der Biogärtner.

Mit wem, wie und wohin auch immer man eine Gartenreise unternimmt, fit genug sollte man sein, um ein- bis zweistündige Spaziergänge und längeres Stehen bei Führungen durchzuhalten. Dafür wird man fast immer mit einer überwältigenden Pracht belohnt. (dpa)

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