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Zittau

Die Busse stehen weiter still

Für die Reiseunternehmer in Löbau-Zittau gibt es noch keinen Termin, wann sie wieder fahren dürfen. Was bedeutet das für ihre Existenz - und für die Kunden?

Frank Michel fordert eine klare Perspektive für Reisebusunternehmen.
Frank Michel fordert eine klare Perspektive für Reisebusunternehmen. © Jan Lange

Frank Michel fehlt eine klare Strategie, eine erkennbare Perspektive. Während in Berlin und Brandenburg ab dem 25. Mai Busreisen wieder erlaubt sind, gibt es für Sachsens Reiseunternehmen noch keinen konkreten Lockerungstermin. Der Chef von Michel-Reisen aus Neueibau kann das nicht verstehen. Er fordert eine deutschlandweite Regelung. Um auf die schwierige Situation der Reisebüros, Reiseveranstalter und Busunternehmen aufmerksam zu machen, nahm Michel-Reisen Ende April an einer Demonstration vor dem Sächsischen Landtag teil.

Und am 14. Mai - zufällig der Namenstag der heiligen Corona - erfolgte eine gemeinsame Sternfahrt von über 450 Reisebussen nach Berlin. Für die hiesige Region waren insgesamt sieben Reisebusse von Michel-Reisen und der Firma Komm-mit-Reisen vertreten. Auch Mitte der Woche waren wieder Busunternehmer auf Demo-Tour in der Landeshauptstadt. 

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Auch der Löbauer Reisebusunternehmer Hartmut Reimann wollte anfangs an den Demos teilnehmen. Kurzfristig sagte er ab. Er könne die erhobenen Forderungen nicht unterstützen, begründet er seine Absage. Er wolle nicht, dass der Staat für das Geld der Reisenden hafte. Eine Erstattung der Fixkosten für die Fahrzeuge sei in seinem Sinne, da die Unternehmer ja keine Schuld haben, dass sie nicht fahren dürfen. "Alles andere, da bin ich dagegen", sagt Reimann. 

Von seinen acht Bussen sind vier im Einsatz: im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und der Schülerbeförderung. Die vier anderen Busse hat Reimann nicht abgemeldet, sondern nur über die Versicherung stillgelegt. Dort kann er jederzeit anrufen und die Busse gehen wieder auf Tour. Eine Ab- und Anmeldung bei der Zulassungsstelle wäre zeitaufwendiger, sagt er. 

Mit zwei Bussen hat Michel-Reisen an der Sternfahrt in Berlin teilgenommen, mit der auf die schwierige Situation der Reisebranche aufmerksam gemacht werden sollte.
Mit zwei Bussen hat Michel-Reisen an der Sternfahrt in Berlin teilgenommen, mit der auf die schwierige Situation der Reisebranche aufmerksam gemacht werden sollte. © privat

Die Busse nicht abzumelden, hatte aber noch einen anderen Grund: Der Löbauer Unternehmer hoffte noch, dass er Ende Mai oder Anfang Juni wieder fahren kann. Danach sieht es nicht aus. In der aktuellen Corona-Schutzverordnung hat Sachsen Busreisen weiterhin verboten. Die Verfügung gilt bis zum 5. Juni. Ob danach Busreisen möglich sind, ist noch offen. Innerhalb der Landesregierung werde zwar über eine Lockerung nachgedacht, weiß Frank Michel, aber einen konkreten Termin wie in anderen Bundesländer gibt es eben noch nicht.

Die Folgen für Michel-Reisen, deren Hauptsitz Neueibau ist, sind verheerend. Alle zehn Reisebusse stehen still und sind abgemeldet. Denn im Gegensatz zu Reimann-Reisen fahren die Michels nicht im ÖPNV. Peter Michel, der das Unternehmen vor 30 Jahren gründete, fuhr anfangs auch Linie. Später zog er sich aus dem ÖPNV zurück und konzentrierte sich auf das Reisegeschäft. Das ist in der aktuellen Situation ein Nachteil. Denn während andere Reisebusunternehmer ein paar Einnahmen aus dem Linienverkehr oder der Schülerbeförderung haben, steht bei Frank und Uwe Michel, die heute gemeinsam die Firma ihres Vaters weiterführen, alles still.

Etwa 150 Reisen storniert

Gut 150 Reisen musste Michel-Reisen bisher stornieren, auf zwei Millionen Euro beläuft sich der Umsatzausfall. Bis Ende Mai sind die geplanten Reisen abgesagt worden. So auch die Rundreise durchs Baltikum mit Besuch von St. Petersburg, die ab 30. Mai stattfinden sollte.  Drei Wochen später ist die gleiche Reise noch mal geplant. Frank Michel geht davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Rundreise durch die baltischen Staaten möglich ist. Die Baltikum-Reise wurde auf 2021 umgebucht. Ein Teil der Reisenden habe sich bereits fürs nächste Jahr vormerken lassen.

Frank Michel schreibt aber die diesjährige Saison noch nicht ab. Während das Baltikum im Juni wohl noch nicht angesteuert werden kann, geht er davon aus, dass ab Mitte Juni wieder nach Österreich und in die Schweiz gefahren werden darf. Auch Kroatien und Slowenien wird man dann hoffentlich wieder bereisen können, erwartet Michel.

Große Planungen für 2021 stellt Hartmut Reimann aus Löbau wegen der unklaren Lage momentan nicht an. Die neuen Reisekataloge werden deshalb auch nicht wie sonst im November, sondern nach seiner Schätzung frühestens im Februar herauskommen. Frank Michel geht davon aus, dass sein Busreise-Katalog wie gewohnt im November erscheint. Für 2021 will er möglichst alle Ziele wieder ansteuern. Kreuzfahrten seien zum Beispiel bereits vor der Corona-Krise terminiert worden. 

Jeder Kunde bekommt sein Geld zurück

Im Moment habe er ausschließlich mit Stornierungen zu tun, sagt Reimann. "Jeder Kunde bekommt sein Geld zurück", verspricht er. Er stelle keine Gutscheine aus. Die meisten seiner Geschäftspartner seien ganz kulant, nur die Großveranstalter würden sich querstellen. Ähnliche Erfahrungen macht Frank Michel. Bei den Hotels, mit denen Michel-Reisen seit vielen Jahren zusammenarbeitet, funktioniere die Rückzahlung problemlos. Zögerlicher seien die Fluggesellschaften und Musical-Veranstalter. 

Für alle Reisen bis Ende April wurden inzwischen die Gelder zurückerstattet, sagt Busunternehmer Michel. Nur etwa 70 Prozent wollten ihr Geld zurück, der Rest buchte die Anzahlung auf eine andere Reise um oder akzeptierte freiwillig einen Gutschein.

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Selbst wenn die Beschränkungen gelockert werden, eine Frage treibt die Unternehmer um: Welche Auflagen gibt es dann für Busreisen? Wenn nur jede zweite Reihe besetzt sein darf, ein großer Bus also nur zur Hälfte ausgelastet ist, wäre das aus ihrer Sicht unwirtschaftlich. Es müsse eine einheitliche Regelung für alle Verkehrsmittel geben, so die Forderung, unabhängig davon, ob Gäste mit Flugzeug, Zug, Schiff oder Reisebus in den Urlaub starten.

Sie wollen sich weiter dafür einsetzen. Aufgeben will keiner der beiden Oberlausitzer Busunternehmer.

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