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Rekordnachwuchs bei den Kamenzer Turmfalken

In St. Marien und in der Katechismuskirche gibt es allein acht Bruten. Peter Burkhardt betreut sie alle ehrenamtlich.

Von Ina Förster

Die Stufen hoch auf den Kirchturm von St. Marien sind nicht das Problem. Peter Burkhardt nimmt sie mit seinen 76 Jahren sportlich und ohne großes Gekeuche. Manchmal schreckt ihn das laute Stundengeläut auf. Oft zieht es hier auch durch alle Ritzen. Aber man gewöhnt sich daran. Aller 14 Tage steigt er von März bis Oktober mit seinem kleinen Beutel und dem Schreibzeug die Stufen zum 64 Meter hohen Kamenzer Wahrzeichen empor, um seine gefiederten Freunde zu besuchen. Seit immerhin 1996. Da wurde nämlich die Turmsanierung beendet und es siedelten sich nach und nach wieder Turmfalken an. Die Freude darüber währt bis heute.

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Peter Burkhardt aus Lückersdorf betreut die Turmfalken-Bruten ehrenamtlich seit 1996. Eigentlich spielt der Hobbyornithologe sonst Waldhorn im Posaunenchor der evangelischen Kirchgemeinde.
Peter Burkhardt aus Lückersdorf betreut die Turmfalken-Bruten ehrenamtlich seit 1996. Eigentlich spielt der Hobbyornithologe sonst Waldhorn im Posaunenchor der evangelischen Kirchgemeinde.

Nach den Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes gehört der Turmfalke nämlich zu den gesetzlich streng geschützten Tierarten. Sie dürfen nicht gestört oder getötet werden, und die Brutplätze müssen demnach bei Bau- und Sanierungsarbeiten erhalten bleiben. In Sachsen leben 2500 bis 4000 Brutpaare. Allein acht davon in der Lessingstadt. Mehr passen hier rund um die evangelische Kirche auch nicht mehr hinein. „Aber der Nachwuchs der vielen Jahre ist in der gesamten Oberlausitz unterwegs. Das sind mittlerweile einige Hunderte“, sagt der Lückersdorfer. Er geht davon aus, dass der Großteil der hiesigen Turmfalken aus Kamenz stammt. „Da kann man schon stolz sein“, meint Burkhardt.

Die Jungen werden nämlich, nachdem sie flügge sind und selber fliegen können, von den Eltern vor Ort vertrieben, da diese selbst ihre schönen Brutplätze weiter beanspruchen. „Bis 20 Jahre kann so ein Turmfalke leben. Sie bleiben ihrem Ort treu“, weiß der Hobbyornithologe. In St. Marien finden sie obendrein optimale Verhältnisse vor. Die Brutkästen hat Peter Burkhardt in Absprache mit der Kirchgemeinde über die Jahre erneuert. Er bessert zwischendurch immer mal wieder etwas aus, beseitigt Dreck im Herbst und desinfiziert die Kästen sogar. „Die Falken hatten manche Jahre schon deutlichen Ungezieferbefall. Diesmal haben wir es gut im Griff“, sagt der Rentner. Bei seinem 14-tägigen Rundgang schaut er sich natürlich genau den Nachwuchs an. Gerade sind wieder ganz frisch geschlüpfte Vögel in einigen Kästen zu sehen. Um sie besser beobachten zu können, hat er Löcher hinein gesägt. Er kann aber auch den Deckel vorsichtig lupfen und hineinspähen. Die Alten fliegen dabei freilich weg, der Nachwuchs kann das aber nicht und darf bestaunt werden. In der Ecke liegen zwei Mäuse, die der Vater gerade als Futter vorbeigebracht hat. Peter Burkhardt zählt die Jungtiere. Auch die Gelege, aus denen erst noch etwas schlüpfen soll. Oftmals findet er dabei ungeliebte Taubeneier, die von den körperlich stärkeren Stadttauben stammen. Diese verdrängen nicht selten die kleineren Turmfalken. „Hätte ich die Eier in den letzten 18 Jahren nicht sorgsam abgelesen, hätten wir in Kamenz Verhältnisse wie auf dem Markusplatz in Venedig“, schmunzelt Burkhardt.

Daheim werden die Zahlen am Computer in die Statistik eingepflegt. Daher weiß er, wie die Entwicklung aussieht. „Noch vor der Sanierung hatte hier sogar ein Schleiereulenpaar gebrütet. Da staunten selbst Professoren der TU Dresden nicht schlecht. Leider war damals ein Junges in ein Fallrohr geraten und man konnte es nicht befreien. Das Eulenpaar hat das so verschreckt, dass sie seitdem nicht wiederkamen.“ Die Hoffnung gibt man dennoch nicht auf. Manchmal braucht es eben Geduld! Auch über Dohlen würde man sich sehr freuen. In einem Kasten hat Burkhardt kürzlich Anfänge eines solchen Nestbaues entdeckt. 2014 ist übrigens wieder ein sehr gutes Jahr für den Nachwuchs. Kommt die komplette Brut durch, fliegen bald schon 29 neue Turmfalken durch Kamenz.