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René Herms hatte noch große Pläne

„Er war so optimistisch, hoffte, das es sein Jahr wird“, schluchzt Steffi Herms. Die 24-jährige Frau von Pirnas 800-Meter-Läufer René Herms kann ihre Tränen nicht zurückhalten. Sie bringt kaum ein Wort über die Lippen, hat Beruhigungstabletten geschluckt.

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Von Daniel Förster

„Er war so optimistisch, hoffte, das es sein Jahr wird“, schluchzt Steffi Herms. Die 24-jährige Frau von Pirnas 800-Meter-Läufer René Herms kann ihre Tränen nicht zurückhalten. Sie bringt kaum ein Wort über die Lippen, hat Beruhigungstabletten geschluckt. Weihnachten und Silvester verbrachten beide gemeinsam, schmiedeten Zukunftspläne. „Er wollte noch mal angreifen“, sagt Simone Lorenz, Steffis Mutter. Die Hallenmeisterschaften stehen demnächst an, im August die WM in Berlin. „Wir drückten ihm alle die Daumen.“ Auch privat hatte der zwölfmalige Deutsche Meister und fünfschnellste Deutsche der Geschichte noch viel vor. Damit der Athlet, so oft es geht, mit Steffi, die in Hannover als Physiotherapeutin arbeitet, zusammen sein kann, wollte er von der gemeinsamen Wohnung in Lohmen zu ihr ziehen. Sie planten zu studieren, langfristig ein Kind.

Am Sonnabendmorgen hatte Steffi vergeblich auf die übliche „Guten Morgen“-SMS von René gewartet. Er ging auch nicht ans Telefon. Den Abend zuvor, gegen 18Uhr, hatten beide zum letzten Mal miteinander telefoniert. Besorgt rief sie bei seiner Trainingsgruppe an. Doch dort fehlte der ehemalige U20- und U23-Europameister. Auch einen Friseurtermin am Morgen hatte er nicht wahrgenommen. Sie suchte gleich Kontakt zu ihren Eltern in Pirna. Die hatten den Schlüssel, fuhren zur Wohnung in Lohmen. Simone Lorenz fand ihren Schwiegersohn gegen 13Uhr. Er saß regungslos vorm PC. Der Rechner lief noch. Instinktiv wollte die Krankenschwester ihn reanimieren. „Ich spürte sofort, es war zu spät“, sagte sie. Sie rief die Polizei. Keine Viertelstunde später war der Notarzt da und die Gewissheit: René Herms lebt nicht mehr. Er war schon seit Freitagabend tot.

Kurz nachdem Steffi die schlimme Nachricht erfuhr, machte sie sich von Hannover auf den Weg. Eine Freundin fuhr sie .

„Sein Tod ist unerklärlich“, sagte seine Schwiegermutter. René hätte nie eine chronische Krankheit gehabt, sei als Spitzensportler nie leichtsinnig mit seiner Gesundheit umgegangen und stets unter ärztlicher Kontrolle gewesen. Regelmäßig musste er zur Leistungsdiagnostik. „Es gab keine negativen Anzeichen. Ihm ging es körperlich gut.“ Außer dass ihm ein Weisheitszahn am Wochenende geschmerzt und er sich zum Jahreswechsel eine leichte Erkältung eingehandelt hätte. Die war am Mittwoch, als sich beide trafen, aber schon kuriert. Weil er sein Hallentraining nicht gefährden wollte, hätte er auch einen Neujahrslauf in Österreich abgesagt. „Er strotzte vor Energie.“ Das Rätsel um Renés Tod könnte eine Obduktion lösen. Hinter der steht aber noch ein Fragezeichen. Seine Frau lehnte dies ab.