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Löbau

Ist das Neugersdorfs Rennstrecke?

Auf der Zittauer Straße wird gerast, beklagt eine Anwohnerin. Die Polizei hat das im Blick - sieht aber eine andere Stelle als Unfallschwerpunkt.

Die Zittauer Straße in Neugersdorf - eine heimliche Rennstrecke?
Die Zittauer Straße in Neugersdorf - eine heimliche Rennstrecke? © Rafael Sampedro

Wie auf einer Rennstrecke sieht das hier nicht aus. Die Zittauer Straße schlängelt sich in Neugersdorf von der Postkreuzung stadtauswärts in Richtung Neueibau zwischen Wohnhäusern hindurch. 50 Kilometer pro Stunde sind auf der Straße - wie fast überall innerorts - erlaubt. 

Trotzdem: gerast wird hier oft und gern. Das sagt eine Anwohnerin, die lieber anonym bleiben möchte. "Uns nervt es, wenn die sogenannten "Rennwagen" hier vorbei rasen. Einer schneller und lauter als der nächste", erzählt die Frau. Direkte Rennen, neben- oder hintereinander hat sie noch nicht beobachtet. Aber immer wieder komme es vor, dass vor allem in den Nachmittags- und Abendstunden die Motoren ausgereizt werden. Meistens beobachtet sie dann Autos aus der Kategorie tiefer, lauter, breiter. 

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Und wenn am Abend die Ampel an der Postkreuzung - der Kreuzung von Zittauer Straße und Hauptstraße -  ausgeschaltet wird, passieren sogar manchmal Unfälle an der Kreuzung, erzählt die Neugersdorferin. Aufrund der hohen Geschwindigkeit schaffen es dann manche nicht mehr, rechtzeitig zu bremsen, vermutet sie. "Es gibt Tage, da ist es besonders schlimm und dann ist es wieder eher ruhig. Und es ist von der Jahreszeit abhängig, von November bis März geht es meistens ruhiger zu."

Acht Unfälle in drei Jahren

Die Anwohnerin wünscht sich, dass die Polizei "mal auf das Problem aufmerksam wird." Die hat durchaus schon Jagd auf Raser in Neugersdorf gemacht, allerdings nicht auf der Zittauer Straße selbst, wie André Schäfer von der Pressestelle der Polizeidirektion Görlitz erklärt. Geblitzt wurde demnach im näheren Umfeld. Zum Beispiel auf der Rumburger Straße und auch auf der Hauptstraße in Richtung Seifhennersdorf. Darüber hinaus gab es Kontrollen zum Beispiel auf der Volksbadstraße. Dabei hat die Polizei keine großen Überschreitungen im Vergleich zu anderen Messstellen festgestellt. 

Auch typische Verkehrsunfälle, die mit zu hoher Geschwindigkeit in Verbindung stehen, sind auf der Zittauer Straße innerorts in den vergangenen drei Jahren nicht auffällig gewesen, sagt André Schäfer. 

In der näheren Umgebung, insbesondere an der Postkreuzung, gab es aber Unfälle. Im Oktober des vergangenen Jahres beispielsweise kollidierten dort zwei Autos. Zwei junge Fahrer, 18 und 21 Jahre alt, stießen mit ihren Wagen zusammen, 5.000 Euro Sachschaden entstand. Einer kam aus der Zittauer Straße und stieß mit dem anderen zusammen, der auf der Hauptstraße fuhr. Nachweislich hatte er die Vorfahrt missachtet, stellte die Polizei fest. Acht Zusammenstöße hat es hier innerhalb der vergangenen drei Jahre von 2017 bis 2019 gegeben, berichtet André Schäfer von der Polizeidirektion auf Nachfrage der SZ. 

Bei vier Unfällen gab es Verletzte. Nur eine Kollission, so Schäfer, passierte am Abend - also in der Zeit, wo laut der Anwohnerin am meisten gerast wird. Die anderen Unfälle passierten vormittags zwischen 9 und 10 Uhr oder am späten Nachmittag, sagt die Statistik. Die Polizei bilanziert aber auch, dass die Zahl der Verkehrsunfälle in 2019 höher war als in den Jahren davor.

Deshalb steht die Kreuzung jetzt unter Beobachtung, so André Schäfer. Polizei und Straßenverkehrsbehörde betrachten das Unfallgeschehen hier genauer. Eines haben sie schon herausgefunden: Die Verkehrsunfälle seien typisch für Kreuzungen. Es handelte sich um Abbiegeunfälle, Unfälle beim Überfahren der Kreuzung und beim Einbiegen. Die Zusammenstöße passierten dabei sowohl bei eingeschalteter Ampel als auch, wenn die Ampel aus war. 

Das Phänomen ist nicht nur in Neugersdorf zu beobachten. Generell stellen Polizei und Verkehrsbehörden fest: Zu gute Sicht kann auch eine Unfallursache sein. Der fatale Effekt dabei ist, dass Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind, weil sie meinen, alles beherrschen zu können. Meist unterschätzen sie dann aber doch Bremswege und Geschwindigkeiten.

Was tun gegen Raserei?

Wie aber kann man Unfälle und Raserei verhindern? "Grundsätzlich sollte bereits beim Bau einer Straße Wert darauf gelegt werden, dass alle Verkehrsteilnehmer bestmöglich geschützt sind", heißt es dazu von der Polizei. Sie hat aber auch Vorschläge, was im Nachhinein getan werden kann: Zum Beispiel könnten Querungshilfen für Fußgänger Abhilfe schaffen oder Einengungen an der Fahrbahn. Dabei sei natürlich auch zu beachten, welche Bedeutung die Straße hat und wie viel Verkehr dort herrscht. 

Und natürlich Geschwindigkeitskontrollen. Die sollen vor allem dazu dienen, Autofahrer  aufmerksam zu machen und so Unfälle zu vermeiden. Schwerpunkte sieht die Polizei dabei vor allem vor Schulen, Kitas und Altenheimen, dort, wo sich Unfälle häufen und auf Abschnitten, wo regelmäßig zu schnell gefahren wird. Das im Auge zu behalten, sei insbesondere Aufgabe der Kommunen. 

Mehr Beschwerden über Krach

Die Stadt Ebersbach-Neugersdorf hat dafür vor einigen Jahren schon eine Geschwindigkeitstafel angeschafft. Sie misst die Geschwindigkeit und zeigt sie in leuchtender Schrift an. Das soll Autofahrer sensibilisieren. Die Tafel kommt an verschiedenen Standorten zum Einsatz. Insbesondere dort, wo Hinweise eingehen, dass zu schnell gefahren wird, erklärt Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos). 

Vorigen Sommer war die Tafel an der Zittauer Straße im Einsatz. Das Ergebnis der Messungen: knapp 30 Prozent der Autos fuhren schneller als die erlaubten 50. Die meisten der zu schnellen Fahrer waren mit 51 bis 60 Kilometern pro Stunde unterwegs. Ein geringer Teil von etwa 0,5 Prozent fuhr mehr als 70. Und es gab auch etliche Schleicher - das waren sogar mehr, als diejenigen, die zu schnell fuhren. 33 Prozent waren mit weniger als 40 Stundenkilometern unterwegs. 37 Prozent fuhren unter 50. Gezählt wurden über mehrere Wochen insgesamt knapp 250.000 Autos. 

Die Stadt selbst hat noch keine Beschwerden wegen Raserei an der Zittauer Straße erhalten, sagt Bürgermeisterin Verena Hergenröder. Vielmehr rufen Anwohner gelegentlich an wegen Lärmbelästigung durch Laster. Donnern sie durch die Schlaglöcher, macht das mächtig Krach. 

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