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Rentner bezahlt Lust am Sex mit dem Tod

Liebesmädchen stehen seit gestern vor Gericht: DieRichter müssen Klarheit in ein Mordkomplott bringen.

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Von Gabi Thieme

Vor dem Landgericht Chemnitz geht es seit gestern um ein Mordkomplott. Beteiligt sind offenbar zwei Männer und zwei Frauen aus der Slowakei. Ihnen wird „Mord durch Unterlassen“ vorgeworfen. In einem der feinsten Wohnviertel von Chemnitz, auf dem Kaßberg, war am 22. September 2009 ein 76-Jähriger in seiner Wohnung mit drei Stichen ins Herz getötet worden. Ahnungslos hatte er sich zuvor eine Stunde von zwei jungen Slowakinnen nach allen Regeln der Liebeskunst verwöhnen lassen.

Die Frauen waren Gerold W. nicht zum ersten Mal zu Diensten. Sie wussten, wo er sein Geld aufbewahrte. An jenem Tag fuhren sie nicht allein zu der Wohnung. Jiri, der Schwager von Maria P. (32), saß am Steuer des Wagens. Der Vater von Brigitta D. (25) ging als vermeintlicher Taxifahrer mit bis zur Wohnungstür, wo ihm das spätere Opfer zehn Euro in die Hand drückte. Während eine der Frauen mit dem Kunden in der Dusche verschwand, holte die andere die Geldkassette aus dem Schlafzimmer und übergab sie dem im Treppenflur wartenden Vater. Der verschwand damit, brach sie auf, fand darin aber lediglich 250 Euro Beute.

Derweil habe die Frauen ihr Gewissen geplagt, beteuerten sie gestern während umfassender Geständnisse immer wieder. Brigitta D. soll laut Telefonnachweis 16-mal den Vater angerufen haben, damit er die Kassette zurückbringe. Welche der Frauen die Haustür per Summer öffnete und die Wohnungstür nur anlehnte, blieb gestern unklar. Offenbar betraten aber beide Männer die Wohnung und das Schlafzimmer mit den drei nackten Akteuren. W. habe geschrien: „Was soll denn das bedeuten?“ Die Frauen, die das „so auch nicht gewollt“ hatten, seien laut Brigitta D. hinausgerannt. Erst später habe sie das Blut an den Sachen der Männer gesehen. Ihr Vater habe ihr erzählt, dass er dem Rentner einen Schraubendreher ins Herz gerammt habe. Drei oder vier Tage später seien alle zusammen in ihre Heimat, die Slowakei gefahren.

Brigitta D. wurde am 8. Dezember geschnappt. Maria P. wurde zwei Monate später mit europäischem Haftbefehl gefasst und Ende März nach Deutschland überführt. Die Suche nach den Männern und ihre Auslieferung dauerten länger. Deshalb wurde gestern zunächst nur der Prozess gegen die Frauen eröffnet, denen die Staatsanwaltschaft vorwirft, den Tod des Rentners billigend in Kauf genommen zu haben. Da vor wenigen Tagen auch Anklage gegen die Männer wegen Mordes erhoben wurde, beschloss die Kammer gestern, den Prozess gegen die Frauen auszusetzen und die Verfahren zu verbinden. (Freie Presse)