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Reporter am Start

700 Schüler, Lehrer und Eltern liefen für den guten Zweck. Auch SZ-Reporter Kevin Schwarzbach. Ein Erlebnisbericht.

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Von Kevin Schwarzbach

Was haben sich die Kollegen da nur ausgedacht? Weil ich nicht nur das jüngste Mitglied der Redaktion bin, sondern bei der SZ-Imagekampagne unter dem Motto „Mut tut Riesa gut“ als HobbyLäufer posierte, soll ich meinen großen Worten nun auch große Taten folgen lassen – beim dritten Sponsorenlauf des Städtischen Gymnasiums Riesa (SGR) am vergangenen Samstag.

Dessen Prinzip ist schnell erklärt: Im Vorfeld der Veranstaltung sucht sich jeder Teilnehmer – vor allem Schüler, Eltern und Lehrer des SGR – einen Sponsor, der für jede gelaufene Runde von einem Kilometer einen Betrag von mindestens einem Euro spendet. Die eingenommenen Gelder gehen an das Kinderheim Walda, den Kinderschutzbund Riesa und in die Klassenkassen des Städtischen Gymnasiums.

Kampf mit dem Schweinehund

Meine Kollegen zeigen sich von ihrer spendablen Seite und belohnen jede von mir gelaufene Runde mit fünf Euro. „Lauf, so weit Du kannst. Wir wollen ja sehen, wie lange Du durchhältst“, hat mir Redaktionsleiter Jens Ostrowski herausfordernd mit auf den Weg gegeben. Ob er das wirklich so meint? Ab zur Startlinie.

Mit der Startnummer 609 schließe ich mich kurz nach 10 Uhr der bereits laufenden Menge an, knapp 700 Läufer sind dabei. Wie auch beim privaten Joggen tragen mich meine Beine anfangs ein wenig zu schnell, schon ist die erste Runde geschafft. Den übermotivierten Einstieg habe ich auch nach vielen Jahren des Laufens noch immer nicht unter Kontrolle.

Dazu trägt auch die anfänglich sehr kurz anmutende Runde vom Rathausplatz über Polizeiwache, Technikum, Niederlagstraße und Hauptstraße zurück zum Rathausplatz bei. Doch schon in der dritten Runde – mittlerweile habe ich mein Tempo gedrosselt, bin aber noch immer zügig unterwegs – muss ich feststellen, dass die Runden doch ziemlich lang sind, womöglich sogar immer länger werden. Zur Erfrischung schnappe ich mir einen Wasserbecher. Der Versuch, im Laufen zu trinken, scheitert jedoch kläglich: Meine Brille sieht aus, als wäre ich mit ihr Duschen gewesen. Also: kurze Trinkpause, weiter geht´s.

Mittlerweile bin ich in meiner siebten Runde – und die Gespräche der Läufer um mich herum werden aus unerklärlichen Gründen immer interessanter. Während die einen bereits über das Mittagessen philosophieren – Hähnchencurry mit Reis, wie lecker –, planen andere schon die abendlichen Aktivitäten. Pub oder Disko? Auch wenn mir diese Frage gänzlich egal ist, da ich abends wohl einfach nur ins Bett fallen werde, freue ich mich über die Ablenkung. Meine Kopfhörer, die sonst treuen Laufbegleiter, habe ich nämlich leider nicht dabei. Die liegen noch in meiner Dresdner Wohnung, welch schlechte Vorbereitung.

Doch ich habe auch gar keine Zeit, mich über solche Kleinigkeiten zu ärgern. Ich bin in meiner achten Runde – und im Kampf mit mir selbst. Denn jedes Rennen, egal, ob das private Joggen oder der öffentliche Sponsorenlauf, ist ab einem gewissen Zeitpunkt immer auch ein Duell mit der eigenen Leistungsfähigkeit und dem vielzitierten inneren Schweinehund.

Für mich ist dieser Zeitpunkt nach über acht Kilometern gekommen, meine Beine werden schwächer. Vor allem der Berg am Technikum wird nun zu einer schweißtreibenden Herausforderung. Viele Teilnehmer nutzen ihn deshalb zum Pausieren – und gehen ein paar Meter. Doch das kommt für mich nicht infrage, ich will mein Tempo halten. Auch wenn mein Körper mir nun deutlich zu verstehen gibt, dass ich mich über die Winterzeit etwas zu intensiv zurückgelehnt habe. „Zwei Kilometer sind noch drin“, denke ich wieder und wieder.

Wenige Minuten später ziehe ich einen Schlussstrich und überquere die Ziellinie. Zehn Runden, zehn Kilometer, stehen auf meiner Habenseite. Laufzeit: knapp 55 Minuten. Eine Bilanz, die durchaus verbesserungswürdig ist, mit der ich aber in Anbetracht meines eingeschlafenen Trainingsrhythmus zufrieden bin.

Denn beim Sponsorenlauf kommt es vor allem auf die Spende für den guten Zweck an. Meine Kollegen dürfen nun 50 Euro überweisen. Das haben sie sich aber selbst eingebrockt.