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Restauratoren entdecken Party-Räume der Wettiner

Die Große Tafelstube und die Marschallstube im Lust- und Berghaus Hoflößnitz sind restauriert. Und bald zu sehen.

© Norbert Millauer

Von Ines Scholze-Luft

Auf diese Farben haben auch sie einst geschaut. Die Gäste der sächsischen Kurfürsten. Jene, die eingeladen waren ins Lust- und Berghaus Hoflößnitz, zu Empfängen und höfischen Festen während der Jagd und der Weinlese. Wo auch Unmengen von Wein kredenzt wurden. Vor über 350 Jahren hatte Kurfürst Johann Georg I. das Haus errichten lassen.

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Mehr als zwei Jahrhunderte nutzte das Haus Wettin die Hoflößnitz zur Repräsentation und für Feiern, wenn die Herrscher samt Gefolge zwischen Moritzburg und Dresden unterwegs waren. Lange gingen auch die Fachleute davon aus, dass dafür vor allem das prächtig ausgestattete Obergeschoss des Lust- und Berghauses genutzt wurde. Weniger das karg geschmückte Erdgeschoss. Neueste Analysen widerlegen diese These, sagte gestern Bettina Giersberg, die Leiterin des sächsischen Weinbaumuseums. Die Untersuchungen an Wänden, Gewölbe und Fenstern in der Großen Tafelstube und in der Marschallstube zeigten, dass die Ausmalung auch in diesen Räumen üppig gewesen sein muss.

Mikroskopische Spuren von Gold

Restaurator Uwe Rähmer aus Großröhrsdorf hat sich intensiv damit beschäftigt. Von den meisten Verzierungen fand er nur noch winzige Details – unter anderem mikroskopische Spuren von Gold in einer Ecke der Marschallstube. Ein Beweis für die besondere Ausstattung.

Für die Große Tafelstube schuf Uwe Rähmer eine sogenannte Befundinterpretation. Auf dem Bild hat er alle Informationen verarbeitet. Sowohl das, was er bei seinen Nachforschungen entdeckte und aus historischen Unterlagen zusammentrug. Als auch die Ergebnisse der Restaurierung von 1979 bis 1981. So führt der Restaurator das aus den Fragmenten erahnbare Weinrankengitter weiter. Auch ein Hirschgeweih ist zu sehen.

Das ist heute hier eben so wenig zu finden wie die einst beeindruckenden Möbel. Die Besitzer verkauften sie. Was später an Tisch und Stühlen aufgestellt wurde, passte nicht zu dem Raum aus dem 17. Jahrhundert. Deshalb bleiben diese Möbel weg. Und die Stuben ohne Heizkörper im Winter kalt. „Das schadet ihnen nicht. Im Gegenteil, der Frost trocknet das Gebäude aus“, sagte Bettina Giersberg. Zwei Jahre dauerten die Arbeiten an Malerei und Putz in beiden Räumen – mit Unterbrechungen durch Kälte und Frost. In die jetzige Gestaltung flossen Gespräche mit zahlreichen Fachleuten ein. Mit zwei Experten der Restaurierungsarbeiten in den 1980er-Jahren: mit Denkmalpfleger Heinrich Magirius und dem Radebeuler Künstler Gunter Herrmann, von dem die Engelköpfe über den Fenstern stammen. Auch ein Kolloquium mit Denkmalpflegern und Restauratoren aus ganz Deutschland beschäftigte sich mit den Stuben. Diese Empfehlungen finden sich in der Neufassung der Innenfenster, Türen und Wände, sagte Museumschefin Giersberg.

Dass die Renovierung überhaupt möglich war, ist der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Meißen zu verdanken. Sie gaben dafür Fördermittel in mittlerer fünfstelliger Höhe.

Für Besucher ab Frühjahr geöffnet

Zwar wurden Große Tafelstube und Marschallstube gestern offiziell übergeben – den Besuchern stehen die Räume allerdings erst wieder im Frühjahr offen. Dann nämlich werden sie in den Museumsrundgang einbezogen, mit der Fortführung der Ausstellung 850 Jahre Weinbau im Elbtal.

Hoflößnitz-Geschäftsführer Jörg Hahn nannte die fertigen Räume einen weiteren Sonnenstrahl bei der Sanierung der gesamten Anlage. Derzeit sind die Handwerker nämlich noch im Obergeschoss des Berg- und Lusthauses aktiv. Etwa 300 000 Euro gibt das sächsische Kunstministerium für die Sanierung. 60 000 Euro davon kommen von der Stiftung Hoflößnitz. Dielen und Fenster wurden rekonstruiert, am Dach wird gearbeitet.

„Wir liegen im Zeit- und Finanzplan“, sagt Jörg Hahn. Die Fassade ist dann im Frühjahr dran, bevor es Ende April wieder losgeht mit den Besuchern. Jetzt laufen nur angemeldete Führungen.