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Restauratoren retten in Görlitz historische Maschinen

Bundesgelder für das Kulturhistorische Museum

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Elektrisiermaschinen, Möbel, Grafiken und Mineralien – alle haben eines gemeinsam: Sie zeugen von der seit 1779 existierenden Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften. Seit 1807 sind deren Bestände im Görlitzer Barockhaus Neißstraße 30 aufgestellt, das seit 1951 Teil des Kulturhistorischen Museums ist. Die universal ausgerichteten Sammlungen der Gesellschaft umfassen neben großen Buchbeständen sowohl naturkundliche als auch kunst- und kulturgeschichtliche Kabinette.

Für die Zukunft gesichert

Dank der Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes, der Kulturstiftung der Länder sowie mit Hilfe Sachsens können Teile dieser Sammlungen bis 2011 restauriert und damit gesichert werden.

Wesentliche Arbeiten konnten in diesem Jahr bereits verwirklicht werden. An erster Stelle ist das Physikalische Kabinett mit seiner einzigartigen Instrumentensammlung aus der Zeit um 1800 zu nennen. Die Berliner Restauratoren Hendrik Naumann und Martin Käferstein haben einige der Elektrisiermaschinen konserviert. Eine große Herausforderung war dabei der Material-Mix aus Metall, Holz, Leder, Stoff, Glas, Lack, Papier, Klebestoff und Kittmasse, der für diese Objekte charakteristisch ist.Für Entdeckungen sorgten die Prinzipien, nach denen die Elektrisiermaschinen im ausgehenden 18.Jahrhundert gefertigt wurden. So sorgten nicht nur handgefeilte Gewinde, millimeterdünne Zinnfolien oder gedrehte Messingkugeln angesichts der Präzision immer wieder für Staunen. Leider waren auch irreparable Schäden an den Elektrisiermaschinen zu konstatieren. Wichtige Restaurierungen wurden auch in den Beständen des Grafischen Kabinetts durchgeführt. Mit seinen etwa 60000 Blättern gehört es zu den umfangreichsten und wertvollsten Kollektionen des Kulturhistorischen Museums.

In den früheren Jahrzehnten waren Grafiken auf Passepartouts aus holzhaltigem Karton aufgeklebt worden. Heute weiß man, dass diese Kartons schädliche Säuren enthalten und an die Kunstwerke abgeben, was langfristig zu großen Schäden führen kann. Daher ist es eine der dringlichsten Aufgaben, die Bestände auf neue Passepartouts aus archivsicherem Karton umzubetten, um sie dauerhaft zu erhalten. Auch Teile des historischen Mobiliars des Barockhauses konnten restauriert werden, darunter das aus drei Tischen und 28 Stühlen bestehende Mobiliar des Sitzungssaales der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, das um 1800 von einem Görlitzer Tischler gefertigt worden war. Im kommenden Jahr werden die Restaurierungsarbeiten fortgesetzt. Neben Objekten des Grafischen, Physikalischen, Naturalien- und Altertümerkabinetts wird der Mineraliensammlung besondere Aufmerksamkeit gewidmet. (SZ)