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Retten mit alter Technik dauert länger

Bei mehreren schweren Unfällen mit Verletzten stießen die Feuerwehrleute an Grenzen. Für Brände mit Elektro-Autos fehlen notwendige Schulungen.

Am Abend des 1. August 2019 befreiten die Feuerwehrleute aus Leisnig einen Verunglückten aus dem Fahrzeug. Mit der alten Hydraulikschere hatten die Helfer da einige Schwierigkeiten.
Am Abend des 1. August 2019 befreiten die Feuerwehrleute aus Leisnig einen Verunglückten aus dem Fahrzeug. Mit der alten Hydraulikschere hatten die Helfer da einige Schwierigkeiten. © Archiv/Dietmar Thomas

Leisnig. Bei einem Unfall zählt jede Minute, die ein Verletzter länger darauf warten muss, aus dem Autowrack befreit und den Notärzten übergeben zu werden. Deshalb sind einige der Leisniger Feuerwehrleuten bei Unfällen 2019 noch zusätzlich ins Schwitzen gekommen, weil sie mit vorhandener Schneid- und Spreiztechnik die Unfallfahrzeuge nicht so zerteilen konnten, wie es schnell und effektiv möglicherweise mit modernerer Technik funktioniert hätte.

„Wir sind mit unserer mehr als 20 Jahre alten Ausrüstung bei diesen Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen definitiv an die Grenzen der Technik gestoßen“, sagt Leisnigs Feuerwehrchef Bernd Starke. „Die hydraulischen Rettungsgeräte sind nicht mehr auf dem aktuellen Stand“, schätzt er ein. Die Stadträte wissen das. Die Wehrleitung hat genau aufgelistet, welches Fahrzeug und welches Gerät wie alt ist und mit welcher Dringlichkeit es ersetzt werden muss.

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Dass bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen auf eine Förderung nicht verzichtet werden kann, steht für den Wehrleiter außer Frage. Aber bei der Ausstattung mit Schneid- und Spreizgerät müsste aus seiner Sicht überlegt werden, ob die nicht auch mal ohne Zuschüsse finanzierbar ist. Ansonsten könnten die Helfer eines Tages in die missliche Lage geraten, den Verletzten nicht aus dem Auto befreien zu können, „oder es dauert eben länger“. Damit beschreibt Bernd Starke ein Szenario, das niemand erleben will.

Ganz oben auf der Erneuerungsliste steht auch der Tausch des Rüstwagens. Der gegenwärtig zum Einsatz kommt, hat das Baujahr 1988 in den Papieren eingetragen. „Der Förderantrag ist gestellt“, sagt der Wehrleiter. Er hält einen Tausch in diesem Jahr nicht mehr für realistisch. Das begründet er mit der Sammelbestellung von fünf Löschfahrzeugen in der Region, die ansteht. „Die wird sicher zuerst abgearbeitet“, vermutet der Leisniger. Außerdem ist er sich gewiss, dass auch bei Rüstwagen mit längeren Lieferzeiten zu rechnen ist.

Was in Zukunft auf die Helfer zukommen wird, wenn die Elektromobilität zunimmt, das kann Bernd Starke überhaupt noch nicht abschätzen. „Diesbezüglich hält sich auch die Landesfeuerwehrschule bedeckt“, sagt er. Gehört hat der Feuerwehrchef, dass ein brennendes E-Auto schlecht bis gar nicht zu löschen ist. Möglicherweise müsse es dann sogar als Gefahrgut behandelt werden. „Das müssen wir sehen. Wenn mehr Fahrzeuge dieser Art angemeldet sind, wird es dazu sicher auch eine Art Schulung geben“, vermutet er.

Insgesamt sind die Leisniger Feuerwehrleute im vergangenen Jahr zu 95 Einsätzen ausgerückt. „Die Tendenz eines erhöhten Einsatzaufkommens hält an“, schätzt der Wehrleiter ein. Das hängt zum einen mit dem Alarmierungssystem der Integrierten Leitstelle in Chemnitz zusammen, die mehr Leute mit Technik zu einem Unfallort schickt.

 Dies sei schwer änderbar, denkt Starke. Anders sieht das bei Leistungen wie Tragehilfen und Türöffnungen aus. Während die Feuerwehrleute 2019 weniger angefordert wurden, um Patienten von A nach B zu bringen – außerhalb eines Notfalles –, hat der Bedarf an Türöffnungen zugenommen.

„Keine Frage, wenn es sich um einen Notfall handelt, dann übernehmen wir das. Aber es gab Fälle, da wäre es nicht notwendig gewesen, eine ehrenamtliche Feuerwehr zu alarmieren“, schätzt Bernd Starke ein. „Da hätte das durchaus die Polizei oder ein Schlüsseldienst erledigen können.“

Dies zu klären, sieht der Feuerwehrchef als Aufgabe der Kommune an. „Sie muss einerseits wissen, was sie ihren ehrenamtlichen Einsatzkräften zumuten kann und auf der anderen Seite das Geld im Blick haben.“ Jeder Einsatz koste Geld, die Helfer außerdem Freizeit oder sie fehlten am Arbeitsplatz. „Bei einer Berufsfeuerwehr ist das sicher kein Thema. Aber die haben wir hier bei uns nun mal nicht.“

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